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09.09.2014

15:06 Uhr

Arbeitsmarkt

Weltbank warnt vor globaler Jobkrise

Bis 2030 sind nach Angaben der Weltbank rund 600 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze erforderlich, um eine globale Jobkrise zu vermeiden. Die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommen geht indes zunehmend weiter auf.

Die Schlangen vor Arbeitsämtern – wie hier in der spanischen Haupstadt Madrid – werden laut Weltbank künftig noch größer. dpa

Die Schlangen vor Arbeitsämtern – wie hier in der spanischen Haupstadt Madrid – werden laut Weltbank künftig noch größer.

SydneyDem Arbeitsmarkt steht nach Auffassung der Weltbank eine globale Jobkrise bevor. Diese drohe das Wirtschaftswachstum zu gefährden, warnte die Institution am Dienstag in Sydney bei der Vorstellung einer Studie. Weltweit müssten demnach bis 2030 zusätzliche 600 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden, nur um mit dem Bevölkerungswachstum mitzuhalten.

„Es gibt kaum Zweifel an einer globalen Jobkrise“, sagte der für den Arbeitsmarkt zuständige Weltbank-Direktor Nigel Twose. Ebenso beunruhigend sei es, dass die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommen in vielen G20-Staaten zunehmend weiter aufgehe. In einigen Schwellenländern habe es zwar auch Fortschritte gegeben, etwa in Brasilien oder Südafrika. Der Ausblick aber sei allgemein düster. „Aktuelle Vorhersagen sind trüb. Es zeichnen sich herausfordernde Zeiten ab“, sagte Twose.

Der Studie zufolge, die gemeinsam mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) angefertigt wurde, haben über 100 Millionen Menschen in den G20-Ländern keinen Arbeitsplatz. 447 Millionen weitere gelten als „working poor“, zu Deutsch „arme Beschäftigte“, und verdienen weniger als zwei US-Dollar am Tag.

Einkommensarmut in Deutschland

Erläuterung

Relative Einkommensarmutsquote nationaler Schwellenwert: Anteil der Personen mit einem Einkommen von weniger als 60 Prozent des deutschen Medianeinkommens.

Baden Württemberg

Relative Einkommensarmut: 11,3 Prozent

Bayern

Relative Einkommensarmut: 11,4 Prozent

Hessen

Relative Einkommensarmut: 13,4 Prozent

Schleswig-Holstein

Relative Einkommensarmut: 13,9 Prozent

Rheinland-Pfalz

Relative Einkommensarmut: 14,7 Prozent

Hamburg

Relative Einkommensarmut: 14,9 Prozent

Saarland

Relative Einkommensarmut: 15,8 Prozent

Niedersachsen

Relative Einkommensarmut: 16,0 Prozent

Nordrhein-Westfalen

Relative Einkommensarmut: 16,6 Prozent

Thüringen

Relative Einkommensarmut: 17,1 Prozent

Brandenburg

Relative Einkommensarmut: 18;4 Prozent

Sachsen

Relative Einkommensarmut: 19,2 Prozent

Sachsen-Anhalt

Relative Einkommensarmut: 20,9 Prozent

Berlin

Relative Einkommensarmut: 21,2 Prozent

Mecklenburg-Vorpommern

Relative Einkommensarmut: 22,9 Prozent

Bremen

Relative Einkommensarmut: 23,0 Prozent

Deutschland

Relative Einkommensarmut: 15,3 Prozent

Westdeutschland

Relative Einkommensarmut: 14,1 Prozent

Ostdeutschland

Relative Einkommensarmut: 19,9 Prozent

Trotz einer gesamtwirtschaftlichen Erholung in den Jahren 2013 und 2014 sei das Wachstum doch hinter den Erwartungen zurückgeblieben und es bestünden Risiken, dass es abwärts gehen könne, erklärte Twose. Das wiederum dämpfe die Aussichten für den Arbeitsmarkt. Jedes Land müsse nun einen Ansatz über Ministeriumsgrenzen hinweg finden, um das Problem anzugehen. Nötig sei dafür auch eine „lange und direkte Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor“, sagte der Weltbank-Direktor.

Im April hatten sich die Finanzminister und Notenbanker der G20-Staaten darauf geeinigt, auf ein weltweites Wirtschaftswachstum von zwei Prozent binnen der nächsten fünf Jahre hinzuarbeiten. Aber der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte im Juli, dass diese Ziele durch einen Anstieg der Zinsen und eine Verlangsamung der Entwicklung in den Schwellenländern ins Wanken gebracht werden könnten.

Von

afp

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