Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.02.2017

10:56 Uhr

Arbeitsmigration

Japan fehlt es an Arbeitskräften

Für Ausländer ist Japan relativ verschlossen – und das Land ist stolz auf die Homogenität. Doch Überalterung führt zu zunehmendem Arbeitskräftemangel. So kommt auch Japan nicht darum herum, sich für Migranten zu öffnen.

Japan muss in der Immigrationspolitik wohl einen neuen Kurs einschlagen. Denn in dem Land gibt es zu wenig Arbeitskräfte. dpa

Arbeiter in Japan

Japan muss in der Immigrationspolitik wohl einen neuen Kurs einschlagen. Denn in dem Land gibt es zu wenig Arbeitskräfte.

TokioWährend US-Präsident Donald Trump mit seiner Einreisepolitik weltweit für Empörung sorgt, hält sich Japan mit Kommentaren auffallend zurück. Jedes Land müsse selbst entscheiden, wie es Immigration kontrolliert, wurde Japans rechtskonservativer Regierungschef Shinzo Abe kürzlich zitiert. Schließlich macht es Japans eigener Umgang mit diesem Thema für das Land schwierig, Kritik an anderen zu üben.

So zahlt Tokio zwar dem UN-Flüchtlingswerk hohe Summen, nimmt aber kaum Flüchtlinge auf: Von rund 11.000 Asylanträgen gab Tokio im vergangenen Jahr ganzen 28 statt. Und obgleich Japan ähnlich wie Deutschland oder andere europäische Länder mit einer rasanten Überalterung seiner Gesellschaft konfrontiert ist, betreibt die Nummer Drei der Weltwirtschaft anders als diese keine aktive Immigrationspolitik.

Auszüge aus der Rede von Regierungschef Abe zum Kriegsende

Am 70. Jahrestag des Kriegsendes ...

„... müssen wir in Ruhe den Weg zum Krieg betrachten, den Pfad, den wir seitdem genommen haben und die Ära des 20. Jahrhunderts. Wir müssen aus den Lektionen der Geschichte die Weisheit für unsere Zukunft ziehen...“

Ich neige meinen Kopf...

„... tief vor den Seelen all jener, die gestorben sind, hier und im Ausland. Ich drücke meine tiefe Trauer und mein unendliches, aufrichtiges Beileid aus...“

Unser Land fügte ...

„... unschuldigen Menschen unermesslichen Schaden und Leid zu. Die Geschichte ist rau. Was geschah, kann nicht ungeschehen gemacht werden. Jeder Einzelne von ihnen hatte sein oder ihr Leben, Traum und eine geliebte Familie. Wenn ich diese objektive Tatsache klar betrachte, gerade jetzt, bin ich sprachlos und mein Herz ist zerrissen von größten Kummer.“

Zwischenfall, Aggression, Krieg – ...

„... wir dürfen nie wieder auf irgendeine Form von Bedrohung oder den Einsatz von Gewalt zurückgreifen als ein Mittel, um internationale Streitigkeiten zu schlichten...“

Japan hat mehrfach ...

„... seine Gefühle von tiefer Reue und aufrichtiger Entschuldigung für seine Handlungen während des Kriegs zum Ausdruck gebracht. Um diese Gefühle in konkreten Handlungen zu äußern, haben wir in unseren Herzen die Leidensgeschichten der Menschen in Asien, unserer Nachbarn, eingraviert... Und wir haben uns konsequent dem Frieden und dem Wohlstand in der Region seit dem Kriegsende gewidmet.“

In Japan macht ...

„... die Nachkriegsgeneration jetzt mehr als 80 Prozent der Bevölkerung aus. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Kinder, Enkel und künftige Generationen, die nichts mit dem Krieg zu tun haben, dazu vorbestimmt sind, sich zu entschuldigen. Dennoch müssen wir Japaner durch alle Generationen hindurch der Geschichte klar ins Auge sehen. Wir haben die Verantwortung, die Vergangenheit in aller Demut zu erben und sie in die Zukunft zu tragen...“

Wir haben ...

„... die große Verantwortung, uns die Lektionen der Geschichte zu Herzen zu nehmen, eine bessere Zukunft zu gestalten und alle möglichen Anstrengungen zu unternehmen für den Frieden und den Wohlstand in Asien und der Welt.“

„Japan ist zwar kein Einwanderungsland, will aber mittelfristig Engpässe im Arbeitsmarkt abmildern“, erklärt Martin Schulz, Ökonom am Fujitsu Research Institute in Tokio, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Denn die Lage wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Angesichts der rasanten Überalterung und niedrigen Geburtenrate dürfte die Bevölkerungszahl Schätzungen zufolge in den nächsten 30 Jahren auf unter 100 Millionen fallen - und damit auch die Zahl derer im arbeitsfähigen Alter.

Branchen wie die Bauindustrie, die Gastronomie und der Pflegesektor leiden schon heute unter einem akuten Personalmangel. Japans Wirtschaftsdachverband Keidanren fordert denn auch schon seit langem eine Öffnung des Landes für mehr ausländische Arbeitskräfte. Rund 2,3 Millionen Ausländer leben in dem fernöstlichen Inselstaat, das ist ein Anteil an der Gesamtbevölkerung von gerade einmal 1,8 Prozent – verglichen mit durchschnittlich 12 Prozent im Raum der OECD-Staaten.

Doch der demografische Druck zwingt Japan, seine Tore für Arbeitsmigranten nun weiter zu öffnen, wenn auch nur zaghaft. Die Zahl ausländischer Arbeitskräfte hat sich immerhin von rund 486.000 im Jahr 2008 auf mehr als 900.000 im Jahr 2015 deutlich erhöht. Viele kommen dabei vorübergehend als „Trainees“ ins Land. Die Grundidee dieser Praktikumsvisa ist es, junge Ausländer aus Entwicklungsländern nach Japan zu holen und sie durch Arbeitserfahrung weiterzubilden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×