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06.02.2016

11:51 Uhr

Argentinien im Schuldenstreit

Milliarden sollen „Geierfonds“ beschwichtigen

Die neue argentinische Regierung unternimmt einen Versuch, den seit Jahren andauernden Anleihestreit mit US-Hedgefonds zu lösen. Ein Vermittler spricht von einem „historischen Durchbruch“. Doch es bleiben offene Fragen.

Seine Amtsvorgängerin beschimpfte die Hedgefonds als „Aasgeier“; ihr Nachfolger Macri will den Schuldenstreut schnellstmöglich beilegen. ap

Mauricio Macri

Seine Amtsvorgängerin beschimpfte die Hedgefonds als „Aasgeier“; ihr Nachfolger Macri will den Schuldenstreut schnellstmöglich beilegen.

New YorkLösung in Sicht: Erstmals seit Jahren scheint eine Einigung im Streit zwischen Argentinien und US-Hedgefonds um alte Staatsschulden greifbar nahe. Die neue Regierung bietet den klagenden Investoren 6,5 Milliarden Dollar (5,8 Milliarden Euro), wie der vom zuständigen New Yorker Bezirksgericht bestellte Vermittler Daniel A. Pollack in der Nacht zum Samstag mitteilte. Er habe sich in der vergangenen Woche mit hochrangigen Vertretern beider Seiten getroffen und es seien „enorme Fortschritte“ gemacht worden.

Allerdings blieb zunächst unklar, wie die wichtigsten Investoren die Offerte bewerten. „Wir kommentieren zum jetzigen Zeitpunkt nicht“, sagte ein Sprecher des Hedgefonds Aurelius Capital. NML Capital aus dem Imperium des US-Milliardärs Paul Singer, ebenfalls eine führende Kraft in dem Verfahren gegen Argentinien, war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Bei dem Angebot müssten die Gläubiger Abstriche in Höhe von über 25 Prozent an den ursprünglichen Forderungen von insgesamt mehr als neun Milliarden Dollar machen.

Schuldenstreit: Argentinien und Gläubiger verhandeln wieder

Schuldenstreit

Argentinien und Gläubiger verhandeln wieder

Neue Hoffnung auf eine Einigung: Argentinien und seine US-Gläubiger werden sich laut einem Vermittler wieder an einen Tisch setzen, um im nun schon mehrere Jahre andauernden Schuldenstreit erneut zu verhandeln.

Die strittigen Anleiheschulden stammen aus der Staatspleite von Ende 2001. Die Hedgefonds und einige andere Investoren hatten die folgenden Umschuldungsangebote Argentiniens – anders als 93 Prozent der Gläubiger – ausgeschlagen und auf volle Rückzahlung geklagt. Der US-Bezirksrichter Thomas Griesa urteilte 2014 gegen Argentinien und verfügte, dass das Land die Schulden begleichen muss, bevor es weiter andere Staatsanleihen bedienen kann. Der Fall wird in New York verhandelt, weil die Papiere einst unter US-Recht ausgegeben wurden, um sie an den Finanzmärkten attraktiver zu machen.

Die argentinische Regierung unter der damaligen Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hatte sich stets geweigert, ernsthaft mit den von ihr als „Aasgeier“ geschmähten Fonds zu verhandeln. Durch den Zahlungs-Boykott war die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas aber weitgehend von den internationalen Kapitalmärkten abgeschnitten. Die seit Dezember amtierende Regierung des neuen Staatschefs Mauricio Macri zeigte sich von Anfang an kompromissbereit. Nun spricht Vermittler Pollack bereits von einem „historischen Durchbruch“.

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