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11.10.2013

18:33 Uhr

Argentinien

Kirchner übersteht Hirn-OP

Die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner hat ihre Notfall-Operation gut überstanden. Doch den Wahlkampf hat sie noch vor sich. Und der könnte schwieriger werden, als Kirchner es gewohnt es.

Unterstützer der Präsidenten haben Karten und Geschenke vor dem Krankenhaus. dpa

Unterstützer der Präsidenten haben Karten und Geschenke vor dem Krankenhaus.

Buenos AiresArgentiniens Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner fehlt in der heißen Phase des Wahlkampfes zur Parlamentswahl am 27. Oktober. Eine Hirnhaut-Blutung brachte sie am Dienstag in den Operationssaal. Die Genesung nach dem erfolgreichen Eingriff wird sich über mehrere Wochen hinziehen. Offen bleibt, wie sich ihr Gesundheitszustand im Wahlergebnis widerspiegeln wird.

Die peronistische Regierungskoalition Frente para la Victoria (FPV - Front für den Sieg) stand bislang nach allen Umfragen vor einer Niederlage bei der Wahl der Hälfte der Abgeordneten und eines Drittels der Senatoren. Die Vorwahlen im August hatten bereits klargestellt, dass Cristina Kirchner nicht über die Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament verfügen wird, um freien Weg zu einer Kandidatur für eine zweite Wiederwahl 2015 zu bekommen. Kirchner war 2011 mit 54,1 Prozent wiedergewählt worden. Bei den Vorwahlen bekamen ihre Unterstützer nur 26,3 Prozent.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Operation einen positiven Effekt auf das Image der Präsidentin haben wird“, erklärte Fabián Perechodnik, Leiter des Demoskopie-Instituts Poliarquía, der Zeitung „La Nación“. Dies könne der FPV ein paar zusätzliche Prozentpunkte in den Wahlen einbringen, ohne jedoch den Ausgang grundsätzlich zu ändern.

Eine Schnellumfrage, die am Dienstag von der Zeitung „Clarín“ veröffentlicht wurde, ergab, dass ein Drittel der Befragten mehr Sympathie für die Präsidentin wegen ihrer Erkrankung empfand. 2011 hatte der Empathie-Effekt nach dem unerwarteten Tod ihres Ehemannes und Vorgängers Néstor Kirchner ein Jahr vorher zu ihrem überwältigen Sieg beigetragen.

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Weniger positiv für Kirchner dürfte sich auswirken, dass nun ihr Stellvertreter das Ruder in der Hand hält. Vizepräsident Amado Boudou hatte verfassungsmäßig am Dienstag die Regierungsgeschäfte übernommen. Er ist einer der unbeliebtesten Politiker im Land. Boudou wird verdächtigt, als Wirtschaftsminister eine private Gelddruckerei begünstigt zu haben, die mutmaßlich von Freunden beherrscht wird. Selbst in Regierungskreisen wurde er zuletzt gemieden.

Als bei der Staatschefin am Wochenende ein chronisches Subduralhämatom diagnostiziert wurde, musste Boudou aus dem Ausland eiligst zurückgerufen werden. Er befand sich zu Gesprächen in Brasilien und sollte anschließend zu einer TV- und Film-Messe nach Cannes reisen.

Jetzt wird der Vizepräsident voraussichtlich bis zu den Wahlen in der Casa Rosada, dem Regierungssitz an der Plaza de Mayo, amtieren. Erst nach den Wahlen und der Rückkehr von Cristina Kirchner werden eine Kabinettserneuerung und Korrekturen der Wirtschaftspolitik erwartet, mit denen die Regierung versuchen könnte, für die beiden letzten Amtsjahre der Präsidentin Luft zu gewinnen.

Von

dpa

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