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29.07.2014

07:31 Uhr

Argentinien zahlt Schulden zurück

Don't cry for Argentina anymore

Kurz vor Ablauf der Frist im Streit mit mehreren Hedgefonds hat Argentinien eine Schuldentranche bei der Gläubigergruppe des Pariser Clubs zurückgezahlt. Die Verhandlungen über die anderen Forderungen gehen weiter.

Schlichter Daniel Pollack in New York. Er soll zwischen Argentinien und den Gläubigern vermitteln. dpa

Schlichter Daniel Pollack in New York. Er soll zwischen Argentinien und den Gläubigern vermitteln.

Buenos Aires/New York Kurz vor Ablauf der Frist im Streit mit mehreren Hedgefonds hat Argentinien eine erste Tranche zur Begleichung seiner Schulden bei einer anderen Gläubigergruppe zurückgezahlt. Die im Pariser Club zusammengeschlossenen Staaten hätten 642 Millionen Dollar bekommen, teilte das Wirtschaftsministerium in Buenos Aires am Montag mit. Auf diese Weise setze Argentinien den Weg fort, seinen durch die Staatspleite vor zwölf Jahren entstandenen Verpflichtungen nachzukommen. Im Mai hatte sich das südamerikanische Land mit dem Pariser Club geeinigt, seine Schulden in Höhe von etwa 9,7 Milliarden Dollar binnen fünf Jahren zu begleichen.

Argentinien will mit der jetzt ausgezahlten Tranche offenbar demonstrieren, dass es grundsätzlich bereit ist, seine Schulden zu begleichen. Das Land liefert sich derzeit mit mehreren Hedgefonds einen erbitterten Streit über die Auszahlung von Schuldtiteln. Gelingt bis Mittwoch keine Einigung, droht nach 2002 erneut eine Staatspleite. Am Dienstag um 17.00 Uhr MESZ erwartet der amerikanischen Mediator Daniel Pollack nach eigenen Angaben in seinem New Yorker Büro eine Delegation der argentinischen Regierung.

Die von der Regierung in Buenos Aires als "erpresserische Geierfonds" geschmähten Gläubiger haben in New York vor Gericht Forderungen in Höhe von 1,33 Milliarden Dollar plus Zinsen erstritten. Sie hatten einen Schuldenschnitt für die in Dollar ausgegeben Anleihen des Landes nicht mitgemacht. Mit der Mehrzahl der Gläubiger hatte sich Argentinien dagegen arrangiert und damit die Krise zwischenzeitlich entschärft. Die Fonds wollen nach langem Rechtsstreit endlich Geld sehen. Doch Argentinien befürchtet weit höhere Kosten, wenn es sich darauf einlässt: Eine Prozesslawine weiterer Gläubiger könnte Nachzahlungen von 400 Milliarden Dollar ins Rollen bringen.

Einem Medienbericht zufolge soll eine Gruppe von Gläubigern bereits sein, Argentinien entgegenzukommen. Diese habe dem südamerikanischen Land angeboten, auf die sogenannte Rufo-Klausel zu verzichten, berichtet die "Financial Times" am Montag unter Berufung auf Kreise.

Mit diesem Schritt könnte die Gruppe Argentinien helfen, eine Zahlungsunfähigkeit zu verhindern. Die Rufo-Klausel in den Anleiheverträgen verbietet es Argentinien, bestimmte Gläubiger besser zu stellen als alle anderen. Die Gruppe soll dem Bericht zufolge an den Schlichter Daniel Pollack einen Brief geschickt haben, in dem sie auch eine Beschleunigung der Gespräche vorschlage.

Die Gruppe ist im Besitz von argentinischen Anleihen im Volumen von über vier Milliarden Dollar. Deutschland zählt zu den größten Gläubigern des Landes.

Argentinien droht zum zweiten Mal binnen zwölf Jahren die Staatspleite. Wenn das Land diese Woche nicht zu einer Einigung mit Gläubigern kommt, ist es wieder soweit. Bereits 2002 musste Argentinien in Folge einer Wirtschaftskrise die Zahlungsunfähigkeit erklären.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Hans Kammerer

29.07.2014, 10:39 Uhr

Die Oberen in Argentinien nennen Gläubiger, die tatsächlich auf die vertragsgemäße Rückzahlung ihrer Forderung pochen also "erpresserische Geierfonds". Und dies, obwohl Argentinien doch erklärt hat, dass alle Gläubiger gefälligst nur 30 Prozent oder sowas bekommen.
Ich probiere das jetzt auch mal. Erkläre dem Finanzamt und meiner Bank, dass sie ab jetzt nur noch 20 Prozent ihrer ursprünglichen Forderung bekommen werden. Verutlich werden sie mich dann in "Geierweise" erpressen den Rest auch noch rauszurücken.

Reiner Blumenhagen

30.07.2014, 13:22 Uhr

Wenn diese Gläubiger ihre Forderungen erst nach dem letzten Schnitt für einen Appel und ein Ei gekauft haben, ist "Geierfonds" noch ein viel zu milder Ausdruck.

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