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16.05.2014

20:06 Uhr

Armee bricht auseinander

Kämpfe in libyscher Stadt Bengasi

Teile der libyschen Armee haben in der Stadt Bengasi Stützpunkte islamistischer Milizen angegriffen. 12 Menschen starben, Dutzende wurden verwundet. Der Befehl für den Angriff kam nicht vom Generalstab in Tripolis.

Der Chef der Übergangsregierung, Abdullah al-Thinni, kritisierte die Offensive in Bengasi und nannte das Vorgehen „illegal“. ap

Der Chef der Übergangsregierung, Abdullah al-Thinni, kritisierte die Offensive in Bengasi und nannte das Vorgehen „illegal“.

Tripolis/Bengasi Angehörige der libyschen Armee haben in der östlichen Stadt Bengasi auf eigene Faust zwei Stützpunkte islamistischer Milizen angegriffen. Bei den Kämpfen kamen am Freitag auf beiden Seiten 12 Menschen ums Leben, mindestens 91 wurden verwundet, wie die staatliche Nachrichtenagentur Lana meldete. Der Befehl für die Militäroperation wurde nicht vom Generalstab in Tripolis gegeben, sondern von einem ehemaligen Generalmajor. Jener Chalifa Haftar hatte im vergangenen Frühjahr erfolglos versucht, die Regierung zu stürzen.

Lokale Medien berichteten unter Berufung auf Ärzte in zwei Krankenhäusern, bei Gefechten seien 27 Menschen verletzt worden. Den Angaben zufolge starb zudem ein Kämpfer einer islamistischen Brigade.

Nach einem Bericht des Nachrichtenportals „Al-Wasat“ schlossen sich einige Offiziere der Luftwaffe und Angehörige einer in Bengasi stationierten Spezialeinheit Haftar an. Kommandeure der Armee in den östlichen Städten Tobruk und Al-Beidha lobten die eigenmächtige Aktion, wollten aber keine Truppen nach Bengasi schicken. Auch Teile der Bevölkerung im Osten Libyens reagierten positiv auf die Operation gegen die Extremisten, die sich selbst als „Revolutionäre“ bezeichnen.

Libyen nach Gaddafi

20. Oktober 2011

Gaddafi wird in Sirte von Rebellen getötet.

27. Oktober

Die Vereinten Nationen beschließen das Ende des Militäreinsatzes; die Luftangriffe werden zum Monatsende beendet.

31. Oktober

Abdel Rahim al-Kib wird Chef der Übergangsregierung. Der Geschäftsmann löst Mahmud Dschibril ab, der zurückgetreten war.

3. November

Die Nato fordert von Libyens Regierung, im Land kursierende Waffen unter Kontrolle zu bringen. Im Bürgerkrieg kamen Tausende Waffen wie Boden-Luft-Raketen in die Hände von Milizen. 11. November: Rivalisierende Rebellengruppen liefern sich heftige Kämpfe um einen Militärstützpunkt westlich der Hauptstadt Tripolis.

11. November

Rivalisierende Rebellengruppen liefern sich heftige Kämpfe um einen Militärstützpunkt westlich der Hauptstadt Tripolis.

19. November

Gaddafis mit internatonalem Haftbefehl gesuchter Sohn Saif al-Islam wird im Süden des Landes festgenommen.

22. November

Al-Kib vergibt die Schlüsselressorts wie Verteidigung und Inneres an ehemalige Rebellenkommandeure. Die Übergangsregierung soll den demokratischen Aufbau in Libyen in Angriff nehmen.

6. Dezember

Die Übergangregierung setzt nach Gesprächen mit Regionalpolitikern eine Frist für die Entwaffnung der Rebellen in Tripolis. Bis Jahresende soll die Hauptstadt frei von Waffen sein.

17. Dezember

Der UN-Sicherheitsrat hebt die Sanktionen gegen die libysche Banken auf. Damit können seit dem Februar blockierte Auslands-Milliarden des Gaddafi-Regimes ins Land zurückfließen.

3. Januar 2012

Bei einem Gefecht zwischen Angehörigen verschiedener Revolutionstruppen in Tripolis kommen sechs Kämpfer ums Leben.

8. Januar

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagt in Tripolis weitere Wiederaufbauhilfe zu. Das Auswärtige Amt hat bereits acht Millionen Euro humanitäre Soforthilfe und einen Kredit von 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

23. Januar

Gaddafi-Anhänger erobern Bani Walid zurück. Bei der Erstürmung der Wüstenstadt sollen mindestens fünf Menschen getötet worden sein.

Situation heute

Libyen kommt nicht zur Ruhe: Auch rund 100 Tage nach dem Tod des Diktators Muammar al-Gaddafi wird noch geschossen. Kämpfe von Rebellen untereinander oder gegen Anhänger des alten Regimes behindern den Wiederaufbau des zerstörten Landes.

Generalstabschef Abdel Salam al-Obeidi forderte die Luftabwehr-Truppen in Bengasi auf, keine Angehörige anderer Einheiten und keine bewaffneten Zivilisten auf ihren Stützpunkten zu dulden. Das meldete die Agentur Lana. Der Chef der Übergangsregierung, Abdullah al-Thinni, kritisierte die Offensive in Bengasi. Er sagte in einer Fernsehansprache: „Wir betrachten die Operation, die heute stattfand, als Verstoß gegen die Legitimität.“

Der Osten Libyen hat sich seit dem Sturz des Regimes von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 zu einem weitgehend rechtsfreien Raum entwickelt. In der Stadt Derna versuchen radikale Islamisten, einen „Scharia-Staat“ zu etablieren. In Bengasi fielen Dutzende von Angehörigen der Sicherheitskräfte Attentaten zum Opfer. Die Attentäter wurden nicht gefasst. In den vergangenen Wochen gab es auch vereinzelte Angriffe auf Angehöriger militanter Islamisten-Gruppen.

Von

dpa

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