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06.06.2016

10:49 Uhr

Armenien-Resolution

Erdogan verbittet sich Belehrungen aus Berlin

Nach der Armenien-Resolution des Bundestags äußert sich der türkische Präsident Erdogan zu Wort. Er verbittet sich ein Urteil Deutschlands in dieser Frage – und erinnert an deutsche Gräueltaten in Südwestafrika.

Scharfe Kritik an Özdemir

Erdogan tritt verbal nach

Scharfe Kritik an Özdemir: Erdogan tritt verbal nach

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Istanbul, BerlinRecep Erdogan hat seinen Ton gegenüber Deutschland verschärft. Deutschland sei „das letzte Land“, das über einen „sogenannten Völkermord“ der Türkei abstimmen solle, sagte der türkische Präsident nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in Istanbul. Zunächst solle Deutschland Rechenschaft über den Holocaust und über die Vernichtung von mehr als 100.000 Herero in Südwestafrika Anfang des 20. Jahrhunderts ablegen.

Deutschland habe kein Recht, in dem Punkt Urteile zu fällen, sagte Erdogan mit Blick auf die Verbrechen Deutschlands während der NS-Diktatur und in Namibia. Zwischen 1904 und 1908 hatten Kaiserliche Truppen im damaligen Deutsch-Südwest zehntausende Menschen ermordet, die den Völkern Herero und Nama angehörten.

Erklärung zum Gedenken an den Völkermord an den Armeniern

Völkermord

„Im Auftrag des damaligen jungtürkischen Regimes begann am 24. April 1915 im osmanischen Konstantinopel die planmäßige Vertreibung und Vernichtung von über einer Million ethnischer Armenier. Ihr Schicksal steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen, ja der Völkermorde, von denen das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist. Dabei wissen wir um die Einzigartigkeit des Holocaust, für den Deutschland Schuld und Verantwortung trägt.“

Deutsche Mitschuld

„Der Bundestag bedauert die unrühmliche Rolle des Deutschen Reiches, das als militärischer Hauptverbündeter des Osmanischen Reichs trotz eindeutiger Informationen auch von Seiten deutscher Diplomaten und Missionare über die organisierte Vertreibung und Vernichtung der Armenier nicht versucht hat, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen.“

Dimension von Vertreibung und Massakern

„Den Deportationen und Massenmorden fielen nach unabhängigen Berechnungen über eine Million Armenier zum Opfer.“ (Begründungstext der Resolution)

Zur türkischen Leseart

„Bis heute bestreitet die Türkei entgegen der Faktenlage, dass der Vertreibung, Verfolgung und Ermordung der Armenier eine Planmäßigkeit zugrunde gelegen hätte bzw. dass das Massensterben während der Umsiedlungstrecks und die verübten Massaker von der osmanischen Regierung gewollt waren.“ (Begründungstext)


Einwirken auf die Türkei

„Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf (...) die türkische Seite zu ermutigen, sich mit den damaligen Vertreibungen und Massakern offen auseinanderzusetzen, um damit den notwendigen Grundstein zu einer Versöhnung mit dem armenischen Volk zu legen, (...)“

Bereits am Samstagabend hatte Erdogan harte Kritik an der Einstufung der Massaker an den Armeniern als Völkermord geübt und besonders die türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten angegriffen, die für die Resolution gestimmt hatten. Ihnen warf er nach Angaben von Anadolu vor, der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als verlängerter Arm zu dienen. „Es ist sowieso bekannt, wessen Sprachrohr sie sind“, sagte Erdogan über die türkischstämmigen Abgeordneten. „Von der separatistischen Terrororganisation in diesem Land sind sie die Verlängerung in Deutschland.“

Später legte er noch einmal nach. „Manche sagen, das seien Türken“, sagte Erdogan über die Abgeordneten. „Was denn für Türken bitte?“ Erdogan sprach sich dafür aus, den Abgeordneten Blutproben entnehmen zu lassen. „Ihr Blut muss durch einen Labortest untersucht werden.“

„Wir werden die Anschuldigung eines Völkermords niemals akzeptieren“, sagte Erdogan. Der türkische Staatschef hatte unmittelbar nach der Bundestagsabstimmung gedroht, die Resolution werde „ernste“ Folgen für die deutsch-türkischen Beziehungen haben. Er warnte nach einem Bericht von Anadolu, der Türkei gebühre eine „faire“ Behandlung. Andernfalls werde die Türkei für die EU nicht länger als Barriere für Flüchtlinge einspringen.

Der Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu (Grüne) sprach von einer neuen Qualität der Bedrohung – „zumal irgendwelche durchgeknallten Verrückten das sich anhören und denken, die Obrigkeit hat befohlen. So sind viele Menschen in der Türkei zu Tode gekommen“, sagte er am Sonntag der ARD-„Tagesschau“.

Kommentare (48)

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Herr Hans Mayer

06.06.2016, 08:37 Uhr

Merkel muss dringend nach Ankara, der Sultan wünscht, weiter Zucker in den Ar.... geblasen zu bekommen, Sie soll die 600 000 Türken gleich mitnehmen, welcher hier dauerhaft von Sozialhilfe leben, der Sultan wird sich liebevoll um seine Schäfchen kümmern.

Herr Robbie McGuire

06.06.2016, 08:38 Uhr

Erdogan will Sanktionen gegen die Bundesrepublik nicht ausschließen.

Das soll der Sultan mal aufpassen, dass die Deutschen das Urlaubsland Türkei nicht auf die Urlaubsblacklist setzen. Dieses habe ich bereits schon vor Monaten vollzogen - neben Dresden.

Herr Hans Mayer

06.06.2016, 08:58 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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