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22.05.2013

14:08 Uhr

Armut greift um sich

Italien kämpft gegen Jugendarbeitslosigkeit

Die Jugendarbeitslosigkeit in Italien ist ein großes Problem: 40 Prozent der Jugendlichen finden keine Stelle. Das will die Regierung nun mit Hilfe von Gewerkschaften und Arbeitgebern ändern und kündigt ein Programm an.

Die Suche nach einem Job ist hart: In Italien finden rund 40 Prozent der Jugendlichen keine Arbeit. dpa

Die Suche nach einem Job ist hart: In Italien finden rund 40 Prozent der Jugendlichen keine Arbeit.

RomDie italienische Regierung will gemeinsam mit Gewerkschaften und Arbeitgebern die hohe Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen. Dazu war für Mittwochnachmittag ein Treffen von Arbeitsminister Enrico Giovannini mit Vertretern beider Seiten geplant, bei dem die Pläne der Regierung beraten werden sollten. Fast 40 Prozent der Jugendlichen haben keinen Job, im wirtschaftlich schwächeren Süden sind es 50 Prozent. Dem Kampf gegen das drängende Problem hat Ministerpräsident Enrico Letta höchste Priorität eingeräumt.

Doch schon wenige Wochen nach Amtsantritt hat die vom Mitte-Links-Politiker Letta geführte große Koalition mit sinkenden Umfragewerten zu kämpfen. Die Zustimmung rutschte vergangene Woche auf 34 Prozent - vor zwei Wochen waren es noch 43 Prozent. Zudem sind Lettas Demokratische Partei und das konservative Volk der Freiheit von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi über etliche Fragen wie etwa die Immobiliensteuer zerstritten.

Die Wirtschaftskrise und die hohe Arbeitslosigkeit stürzen Millionen Italiener in die Armut. Jeder Fünfte kann es sich nicht leisten, die Wohnung ausreichend zu heizen, Fleisch ist für 17 Prozent ein Luxusgut, mehr als die Hälfte kann nicht einmal eine Woche im Jahr in Urlaub fahren, wie die nationale Statistikbehörde ISTAT in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie mitteilte. Insgesamt lebten 2012 8,6 Millionen Italiener unter der Armutsgrenze - das sind mit 14 Prozent der Bevölkerung doppelt so viele wie vor zwei Jahren.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone steckt seit Mitte 2011 in der Rezession. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, greifen immer mehr Italiener auf ihre Ersparnisse zurück. Die Kaufkraft der Verbraucher fiel ISTAT zufolge im vergangenen Jahr um 4,8 Prozent, vor allem wegen der kräftigen Steuererhöhungen. Die traditionell hohe Sparquote in Italien ist zuletzt deutlich zurückgegangen und liegt inzwischen unter den Werten für Frankreich oder Deutschland.

Einer im vergangenen Monat veröffentlichten EZB-Studie zufolge ist das durchschnittliche Vermögen in Italien zwar gut dreimal so hoch wie in Deutschland. Der wichtigste Grund dafür ist aber, dass die Italiener deutlich häufiger ein Eigenheim besitzen, während in Deutschland mehr als die Hälfte der Bevölkerung zur Miete wohnt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Studie daher als verzerrend bezeichnet, weil sie etwa Rentenansprüche nicht berücksichtige.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Miss

22.05.2013, 16:30 Uhr

Das schöne (wenn auch einfachere) Italien. Es tut mir so leid. Und es wird in Europa so weiter gehen. Es gibt ja keinen Anlass, der zu erwarten ist, dass es sich ändert.
Die EUdssR wird schon geplant.
Achten Sie bitte nicht nur auf den wirtschaftlichen Niedergang, sondern....
googlen nach EU will Parteien bestrafen, die nicht EU Werte vertreten.
Die Werte der jungen Italiener würde ich gern erfahren.

Steinweg

22.05.2013, 16:39 Uhr

Wenn man den Italienern das Schwarzgeld wegnimmt, die Steuern erhoeht und die Arbeit geht verloren, dann sollte die Regierung und die Gewerkschaften am besten die jungen Leute verbeamten.

Account gelöscht!

22.05.2013, 19:13 Uhr

Ließt man dies, so verwundert es einen nicht, dass die Regierenden einen starken Staat aufbauen wollen. Sie fürchten zu Recht die Wut der Straße, Wut auf diese verbrecherische, volksverräterisch Politik.

Speichellecker der Hochfinanz regieren Europa.

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