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27.08.2014

12:45 Uhr

Armutszuwanderung

(K)ein Herz für Bettler

Betteln? Nicht auf dem Marienplatz. München klagt über Armutszuwanderer aus Osteuropa – und verbietet „aggressives Betteln.“ Auch in Paris und London wird über das Thema diskutiert. Unsere Korrespondenten berichten.

Bedürftig: In Deutschland ist das Betteln seit den 1970er Jahren erlaubt – in anderen europäischen Ländern ist es hingegen verboten. Imago

Bedürftig: In Deutschland ist das Betteln seit den 1970er Jahren erlaubt – in anderen europäischen Ländern ist es hingegen verboten.

Athen/Düsseldorf/London/Paris/Stockholm/WienEs gibt einen Obdachlosen in Düsseldorf, der mich fast immer anspricht. Meist bekommt er etwas von mir – ein paar Euro oder einen Kaffee. Manchmal reden wir ein paar Worte. „Scheiß Regen“, „Ja, scheiße“. Ich weiß nicht, warum er bettelt. Ich kenne seine Gesichte nicht. Aber ich weiß, dass er gute und schlechte Tage hat, das hat auch etwas damit zu tun, wo er ein Plätzchen für sich und seine Hunde findet. Und ob es eben regnet oder nicht.

Das Betteln ist in Deutschland seit den 1970er Jahren nicht mehr strafbar. Doch viele Städte gehen nun dagegen vor. Dabei geht es nicht so sehr um den einzelnen Bettler, der still an die Hauswand gelehnt um Almosen bittet. Es geht um Banden. Um Tricks und Betrügereien, um an das Geld von Passanten zu kommen. Und es geht um sogenannte Armutszuwanderung. Um Menschen, die aus anderen EU-Staaten nach Deutschland kommen, weil es in ihrer Heimat keine Perspektive, kein Geld und keine Sozialleistungen gibt.

Nach Worten von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) ist Armutszuwanderung kein flächendeckendes Problem in Deutschland. Der Bund wolle aber die betroffenen Kommunen unterstützen und noch in diesem Jahr bei den Sozialkosten entlasten, sagten de Maizière und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) in Berlin. Die Freizügigkeit in der EU sei ein hohes Gut und werde durch einzelnen Missbrauch nicht infrage gestellt. Der Missbrauch solle stärker bekämpft werden.

Zuvor hatte sich das Kabinett mit dem Bericht eines Staatssekretärsausschusses aus den betroffenen Ressorts befasst. Die Bundesregierung brachte dabei ein Gesetzespaket gegen Missbrauch von Sozialleistungen durch Zuwanderer auf den Weg. Es sieht unter anderem vor, EU-Zuwanderern die Wiedereinreise im Fall von Rechtsmissbrauch oder Betrug befristet zu verbieten. Doppelter Bezug von Kindergeld soll dadurch verhindert werden, dass eine Steueridentifikationsnummer vorgeschrieben wird. Vor allem die CSU hatte auf strenge Regeln gepocht.

München ist ein Beispiel für schärferes Vorgehen gegen Bettler. Der Grund: Die Zahl der organisierten Bettler ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, so die Polizei. Deshalb hat die Stadt organisiertes und aggressives Betteln in der Altstadt und rund um den Hauptbahnhof verboten. Hilfebedürftige Menschen dürften allerdings weiter um Geld bitten, so die Polizei. „Eine Großstadt wie München muss akzeptieren, dass sich Menschen für diese Form des Lebensunterhaltes entscheiden und auch sichtbar sind.“

Top 7: Anteil "Arme" unter Berücksichtigung der regionalen Kaufkraft

Dillingen an der Donau, Donau-Ries, Aichach-Friedberg, Augsburg

8,3 Prozent

Erlangen-Hächstadt, Fürth, Nürnberger Land, Roth

8,5 Prozent

Landau in der Pfalz, Südliche Weinstraße, Germersheim

9,0 Prozent

Ulm, Alb-Donau-Kreis, Biberach

9,0 Prozent

Landshut (Stadt und Landkreis), Kelheim, Rottal-Inn, Dingolfing-Landau

9,2 Prozent

Weiden in der Oberpfalz, Neustadt an der Waldnaab, Tirschenreuth, Amberg, Amberg-Sulzbach, Schwandorf

9,5 Prozent

Ingolstadt, Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen an der Ilm

9,5 Prozent

Doch die Banden, die will München nicht mehr. Bei denen die Bettler auf der Straße für Hintermänner arbeiten, bei denen die Bettler aus dem Ausland – vor allem aus Rumänien und aus der Slowakei – nach München gebracht werden, um hier zu betteln.

Auch andere Städte haben das Betteln vor Sehenswürdigkeiten verboten oder denken über eine schärfere Kontrolle nach. Darunter Nürnberg, Würzburg, aber auch Berlin. Doch wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus? Wo ist das Betteln erlaubt, wo ist es verboten? Die Korrespondenten von Handelsblatt Online berichten.

Kommentare (18)

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Herr Theo Gantenbein

27.08.2014, 13:09 Uhr

Nicht nur in München. Fast vor jedem 2. Supermarkt lauern einem die Leute auf. Dabei kann man mit Betteln oder mit dem Verkauf von Straßenzeitungen am Tag locker über 100 € netto und steuerfrei machen. Ein schönes Zubrot zu H4.

Fragen Sie mal eine Friseurin was sie am Tag mit ehrlicher Arbeit netto verdient!

Account gelöscht!

27.08.2014, 13:23 Uhr

ich gebe grundsätzlich nichts. das einzige wenn mir einer sagt. er hat hunger oder durst. dann kaufe ich ihm was. bargeld gibt es bei mir nicht.

aber: eine kollegin kaufte einem bettler eine ditsch-pizza weil er sagte er hat hunger; was machte er. er packte das ding zu den anderen unterm mantel.

tja; )

Herr Kurt Küttel

27.08.2014, 13:39 Uhr

Und, was soll dieser Artikel nun? Verständnis wecken? Man brauchte kein Hellseher zu sein um das vorauszuahnen! Ein weiterer Grund warum Deutschland aus der EU austreten sollte. Die Sicherheit der Deutschen Bürger wird an die Osteuropa Mafia verschleudert. Unsere Polizei dient doch nur noch dazu Verbrecher zu schützen (siehe ISIS Befürworter in Berlin) oder die Bürger abzuzocken (Blitzer). Und jetzt soll auch noch Albanien in die EU, der grösste Verbrecherstaat der Welt

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