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27.02.2014

14:25 Uhr

Arseni Jazenjuk

Der Mann für den Übergang

Das ukrainische Parlament hat Arseni Jazenjuk als neuen Ministerpräsidenten bestätigt. Der 39-Jährige ist eine Galionsfigur der Opposition. Nun muss er als Regierungschef die Ukraine aus der Krise führen.

Seit 2012 führt Arseni Jazenjuk als Fraktionschef die Vaterlandspartei von Julia Timoschenko im Parlament. dpa

Seit 2012 führt Arseni Jazenjuk als Fraktionschef die Vaterlandspartei von Julia Timoschenko im Parlament.

KiewAls „politischen Selbstmord“ bezeichnete Arseni Jazenjuk noch vor kurzem jede Beteiligung an der Übergangsregierung in der krisengeschüttelten Ukraine. Nun führt der 39-Jährige nach der Zustimmung des Parlaments in Kiew als Ministerpräsident das Kabinett an. Seinen einstigen Ruf als blasser Technokrat hat er während des blutigen Machtkampfs gegen Präsident Viktor Janukowitsch in den vergangenen Monaten mit mitreißenden Reden endgültig abgelegt.

Jazenjuk wurde am 22. Mai 1974 in Tschernowzy (Czernowitz), etwa 500 Kilometer südwestlich von Kiew, geboren. Als Außenminister vertrat der perfekt Englisch sprechende Vater von zwei Töchtern sein Land schon international. Bei der Präsidentenwahl 2010 landete der Professorensohn jedoch abgeschlagen nur auf dem vierten Platz.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Ukraine

Rohstoffe

Das flächenmäßig nach Russland größte europäische Land besitzt jede Menge davon: Eisenerz, Kohle, Mangan, Erdgas und Öl, aber auch Graphit, Titan, Magnesium, Nickel und Quecksilber. Von Bedeutung ist auch die Landwirtschaft, die mehr zu Bruttoinlandsprodukt beiträgt als Finanzindustrie und Bauwirtschaft zusammen. Etwa 30 Prozent der fruchtbaren Schwarzerdeböden der Welt befinden sich in der Ukraine, die zu den größten Weizenexporteuren gehört. In der Tierzucht spielt das Land ebenfalls eine führende Rolle.

Wirtschaftskraft

Sie ist gering. Das Bruttoinlandsprodukt liegt umgerechnet bei etwa 130 Milliarden Euro, in Deutschland sind es mehr als 2700 Milliarden Euro. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt nicht einmal 3900 Dollar im Jahr. Wuchs die Wirtschaft 2010 um 4,1 und 2011 um 5,2 Prozent, waren es 2012 noch 0,2 Prozent. 2013 dürfte es nur zu einem Plus von 0,4 Prozent gereicht haben.

Außenhandel

Exportschlager sind Eisen und Stahl, gefolgt von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und chemischen Produkten. Wichtigstes Importgut ist Gas. Auch Erdöl muss eingeführt werden. Die Ukraine könnte aber vom Energie-Importeur zum -Exporteur werden, weil sie große Schiefergasvorkommen besitzt.

Industrie

Sie ist von der Schwerindustrie geprägt, besonders von der Stahlindustrie, dem Lokomotiv- und Maschinenbau. Ein Grund ist, dass die Sowjetunion einen Großteil der Rüstungsproduktion in ihrer Teilrepublik Ukraine angesiedelt hatte. Eine Westorientierung und die Übernahme von EU-Rechtsnormen könnte das Land zunehmend zum Produktionsstandort für westliche Firmen machen.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner der Ukraine. Gemessen an der Größe des Landes ist das deutsche Handelsvolumen aber unterdurchschnittlich. Zu den wichtigsten deutschen Exportgütern zählen Maschinen, Fahrzeuge, Pharmaprodukte und elektrotechnische Erzeugnisse. Wichtigste ukrainische Ausfuhrgüter sind Textilien, Metalle und Chemieprodukte. Nach Angaben des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft sind knapp 400 deutsche Unternehmen in der Ukraine vertreten. Bei den Direktinvestitionen liegt Deutschland auf Platz zwei hinter Zypern.

Chancen ergeben sich für die deutsche Wirtschaft vor allem im ukrainischen Maschinen- und Anlagenbau. Zudem ist die frühere Sowjetrepublik mit ihren rund 45 Millionen Einwohnern ein potenziell wichtiger Absatzmarkt für Fahrzeuge. Korruption und hohe Verwaltungshürden stehen Investitionen indes im Wege.

Wirtschaftsbeziehungen zur EU

Rund ein Drittel der ukrainischen Exporte fließt in die EU. Eine engere wirtschaftliche Verknüpfung durch ein Handels- und Assoziierungsabkommen liegt auf Eis, nachdem Präsident Viktor Janukowitsch auf russischen Druck seine Unterschrift verweigerte. Für die EU ist die Ukraine für die Versorgung mit Erdgas von Bedeutung. Rund ein Viertel ihres Gases bezieht die EU aus Russland, die Hälfte davon fließt durch die Ukraine.

Wiirtschaftsbeziehungen zu Russland

Mit Abstand wichtigster Handelspartner der Ukraine ist Russland. Ein Drittel der Importe stammt aus dem Nachbarland, ein Viertel der Exporte gehen dorthin. Der Regierung in Moskau ist eine Orientierung der Ukraine nach Westen ein Dorn im Auge. Stattdessen drängt sie das Land zum Beitritt zur Zollunion mit Kasachstan und Weißrussland.

Streit flammt zwischen beiden Ländern immer wieder über Gaslieferungen auf. Die Ukraine importiert fast ihr gesamtes Gas aus Russland, muss dafür aber einen für die Region beispiellos hohen Preis zahlen. Der Konflikt über Preise und Transitgebühren hat in der Vergangenheit zu Lieferunterbrechungen geführt, die auch die Gasversorgung Europas infrage stellten.

Seit 2012 führt Jazenjuk als Fraktionschef die Vaterlandspartei von Julia Timoschenko im Parlament. Er galt aber bis zu Timoschenkos Haftentlassung nur als „Platzhalter“ der charismatischen Politikerin. Nach der Rückkehr der 53-Jährigen schloss Jazenjuk nun eine eigene Kandidatur bei der Präsidentenwahl im Mai aus. Die neue Aufgabe als Hoffnungsträger der Ex-Sowjetrepublik gibt ihm nach Ansicht von Experten jedoch die Möglichkeit, aus Timoschenkos Schatten zu treten.

Für die Rettung des angeschlagenen Landes bringt er viel Erfahrung mit: Jazenjuk ist Doktor der Wirtschaftswissenschaften sowie Ex-Notenbankchef und ehemaliger Wirtschaftsminister. Ein Teil des Protestlagers sieht in ihm aber kein „neues Gesicht“. Auch deswegen gab es zuletzt Pfiffe auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew.

Von

dpa

Kommentare (4)

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27.02.2014, 14:35 Uhr

Da haben wir also den nächsten sogenannten Ministerpräsidenten, der nicht vom Volk gewählt wurde. Scheint eine neue Mode zu werden...US-Konzerne und US-Banken haben ihren Spass daran :-)

Account gelöscht!

27.02.2014, 14:37 Uhr


Erenute ein Puppenspieler, eingesetzt von Oligarchen wie Blondie und westlichen Advisern. Da wächst was ran. Bald hat er ebenfalls seine Villa mit Body Guards im Sack. Danach ab durch die Mitte. Arme Rettungsgeschichte.

Account gelöscht!

27.02.2014, 15:47 Uhr

"Korrektur zum verschwundenen Geld: In der Regierungszeit Janukowitschs sind nach Angaben der Übergangsregierung 70 Milliarden Dollar auf ausländische Konten geschafft worden - es besteht aber Hoffnung, zumindest einen Teil wieder zu beschaffen.

Zusätzlich seien 37 Milliarden Dollar, die die Ukraine von den USA als Kredit erhalten hätten, spurlos verschwunden. Ganze 4,3 Millionen davon lägen noch auf einem Staatskonto." Quelle T-Online

Da will mal wohl noch mehr Geld vom Westen.

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