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24.02.2015

14:06 Uhr

Arte-Dokumentation zur Troika

Griechenland und sein „Pakt mit dem Teufel“

VonChristian Bartels

Klar parteilich, aber sehenswert: Die Arte-Dokumentation „Macht ohne Kontrolle“ geht der Politik der bis vor kurzem als „Troika“ bekannten Institutionen nach – einmal quer durch Europa und natürlich auch in Athen.

Eine Aktivistin der kapitalismuskritischen Bewegung Blockupy vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB): Auf ihrem Regenschirm steht „No Troika“. dpa

Protest gegen die Troika

Eine Aktivistin der kapitalismuskritischen Bewegung Blockupy vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB): Auf ihrem Regenschirm steht „No Troika“.

Seit Monaten bestimmt immer wieder Griechenland die Schlagzeilen: Neue Regierung, Rauswurf der Troika, Aufkündigung der Sparpolitik, Verhandlungsmarathon, viele verschickte Briefe zwischen Athen und Brüssel – in der Griechenland-Krise ist alles wieder ganz schnell anders als es am Vortag war.

Diesen Spagat zwischen Echtzeit-Aktualität und den gut einjährigen Dreharbeiten merkt man dem Dokumentarfilm „Macht ohne Kontrolle – Die Troika“ an. Auch ihre Haltung können oder wollen die Filmautoren Harald Schumann und Arpad Bondy in ihrem 90-minütigen Film zum Institutionen-Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und Europäischer Kommission nicht verbergen.

Schumann spricht seine Meinung zwischendurch auch direkt in die Kamera: Gescheitert seien die Institutionen, „die in keinem europäischen Vertrag und in keiner Verfassung jemals vorgesehen waren“, mit ihrem Ziel, Krisenstaaten aus der Überschuldung zu holen. Ein Fiasko seien ihre Sparprogramme.

Die Filmemacher erheben schwere Vorwürfe und haben eine Menge Beispiele. Sie sprechen von der „medizinischen Katastrophe“ in Griechenland, „im Land, in dem Hippokrates geboren wurde“, und von der „demographischen Tragödie“ Portugals, dessen Bevölkerung, über ein Jahrhundert gesehen, von zehn auf sechs Millionen Menschen zurückgehen werde.

Dabei gestattet die 90-Minuten-Form, Zusammenhänge anzudeuten, die in der schnelllebigen Diskussion oft untergehen oder schon vergessen sind. So seien im „Musterland der Troika“, in Irland, wo ebenfalls junge Leute scharenweise auswandern, allein 2011 rund 31 Milliarden Euro nichtversteuerte Gewinne US-amerikanischer Unternehmen wie Apple und Google angefallen.

So sei derjenige, der den richtigen Moment für einen griechischen Schuldenerlass versäumt habe, um lieber die Stabilität des Finanzmarkts zu bewahren und französischen und deutschen Banken rund 20 beziehungsweise 17 Milliarde Euro zu retten, Dominique Strauss-Kahn gewesen. Damals plante er noch, französischer Präsident zu werden. Inzwischen taucht er längst nur mehr in völlig anderen Kontexten auf.

Kommentare (2)

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Herr Fred Meisenkaiser

24.02.2015, 15:02 Uhr

Erinnert alles sehr an die Verbrechen der Treuhand nach dem Anschluß des Ostens.

Herr Manfred Zimmer

25.02.2015, 09:23 Uhr

Ja! Und unbedingt sehenswert, um die Politiker zu verstehen.

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