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05.12.2014

12:09 Uhr

Ashton Carter als US-Verteidigungsminister

Ein Zivilist soll künftig das Pentagon führen

Er hat nicht gedient, kennt das Militär nicht von innen. Ashton Carter soll dennoch US-Verteidigungsminister werden, Präsident Obama will ihn nun offiziell nominieren. Doch damit ist Carter das Amt noch nicht sicher.

Ashton Carter war bereits mehrmals im US-Verteidigungsministerium tätig, unter Clinton und unter Obama. Nun könnte er Chef der mächtigen Behörde werden. dpa

Ashton Carter war bereits mehrmals im US-Verteidigungsministerium tätig, unter Clinton und unter Obama. Nun könnte er Chef der mächtigen Behörde werden.

WashingtonUS-Präsident Barack Obama will den früheren Vize-Pentagonchef Ashton Carter nach Angaben des Weißen Hauses zum Nachfolger des scheidenden Verteidigungsministers Chuck Hagel machen. Obama werde die Nominierung im Laufe des Tages offiziell bekanntgeben, hieß es am Freitag aus Regierungskreisen in Washington. Carter muss dann noch vom Senat bestätigt werden.

Sollte auch der Senat Ashton Carter den Segen für den Posten des Verteidigungsministers geben, stünde das Pentagon fortan unter der Leitung eines Mannes ohne militärische Erfahrung. Der 60-Jährige wäre der erste Chef des Verteidigungsressorts seit mehr als 30 Jahren, der weder in den Streitkräften gedient noch ein Kongressmandat besessen hat. Der gelernte Physiker ist in seiner Heimat relativ unbekannt. Doch er hat bereits unter zwei US-Präsidenten im Verteidigungsministerium gearbeitet - unter Bill Clinton und Barack Obama.

Von seinem Vorgänger Chuck Hagel unterscheidet sich Carter deutlich. Dies fängt schon damit an, dass Carter ein Akademiker ist, während Hagel vor seiner Ernennung zum Pentagonchef bereits beim Militär und im Kongress gedient hat. Und während Hagel nie als großer Meister der Politik angesehen wurde, hat Carter mehrere politische Schriften verfasst.

Mitstreiter und Gegner der USA im Kampf gegen den Terror

Iran

Iran: Teheran ist sowohl Gegner als auch Mitstreiter der USA. Einerseits kann der Iran eine Militäroperation des Erzfeindes in der eigenen Nachbarschaft nicht einfach absegnen. Andererseits handelt es sich beim IS um einen gemeinsamen Feind.

Ägypten

Auch Ägypten nahm an der Anti-Terror-Konferenz in Dschidda teil. Der Kampf gegen den IS könnte Kairos Beziehungen zum Westen verbessern, die unter dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi durch das Militär vor mehr als einem Jahr gelitten haben.

Katar

Katar könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Finanzquellen der Extremisten auszutrocknen. Kritiker werfen dem Land vor, Radikale dürften dort unbehelligt Geld für Dschihadisten sammeln. Die Regierung weist das zurück.

Jordanien

Auch Jordanien hat den IS vor der Haustür. Anhänger der Miliz kontrollieren Teile Iraks und Syriens, die unmittelbar an das Königreich grenzen. Auch der einzige Grenzübergang zwischen Irak und Jordanien ist in IS-Händen. Jordanien hat daher eine Taskforce gegen IS-Angriffe gegründet. In der von Amerika geführten Anti-IS-Koalition könnte das Land zum Operationszentrum werden.

Saudi-Arabien

Das Königreich ist einer der wichtigsten US-Partner. Am Donnerstag trafen sich mehrere Länder in der Hafenstadt Dschidda, um über den Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Weil der IS auch an der Grenze zwischen dem Irak und Saudi-Arabien steht, fühlt sich Riad massiv bedroht.

Irak

Kerry reiste zum Auftakt seiner Tour nach Bagdad. Der Irak wird die Hauptlast im Kampf gegen den IS tragen müssen, weil vor allem die Soldaten der Regierung und kurdische Einheiten am Boden gegen die Extremisten kämpfen müssen. Zugleich muss es der neuen Regierung von Ministerpräsident Haidar al-Abadi gelingen, die Sunniten im Land auf ihre Seite zu ziehen - nur so würde der IS seine starke Unterstützung in den sunnitischen Teilen des Landes verlieren.

Türkei

Westliche Länder haben der Türkei vorgeworfen, Extremisten dürften die Grenze zu Syrien ungehindert passieren. Zuletzt attestierte das Pentagon der Regierung jedoch, sie gehe stärker gegen Dschihadisten vor. Dennoch unterstützt Ankara die USA nicht mit voller Kraft. Den Luftwaffenstützpunkt Incirlik will sie nur für humanitäre Hilfsflüge freigeben. Ankara ist in einer schwierigen Lage, weil der IS im Nordirak 49 türkische Diplomaten festhält.

Nato

Zehn Staaten zählen bislang zum Anti-Terrorbündnis der USA, darunter die Nato-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Dänemark, Kanada und die Türkei. Auch Australien hat sich der Koalition angeschlossen. Deutschland will Waffen an die Kurden im Nordirak liefern, London hat das bereits getan. Frankreich hat mittlerweile Bombardements gestartet.

1999 schrieb Carter gemeinsam mit dem früheren Verteidigungsminister William Perry ein Buch mit dem Titel „Preventive Defense“ (deutsch: Präventive Verteidigung). Darin zählen sie Gefahren auf, die sich im Falle eines falschen Umgangs damit zu einer großen Bedrohung für die USA entwickeln könnten. Ganz weit oben auf Carter und Perrys Liste steht das Risiko, dass Russland „ins Chaos, in Isolation und Aggression versinken“ könnte. Sie schreiben, Russland „könnte seinen schlimmsten Tendenzen zum Opfer fallen“.

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