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07.12.2014

10:39 Uhr

Ashton Carter als US-Verteidigungsminister nominiert

Der Bürokrat im Tarnanzug

VonAxel Postinett

Ashton Carter soll US-Verteidigungsminister werden. Präsident Obama will den Physiker offiziell nominieren. Seine Chancen von den Republikanern angenommen zu werden, stehen gut. Er würde aber keine leichte Aufgabe erben.

US-Präsident Barack Obama will Ashton Carter zum US-Verteidigungsminister nominieren. dpa

US-Präsident Barack Obama will Ashton Carter zum US-Verteidigungsminister nominieren.

San FranciscoBarack Obama blieb keine andere Wahl. Ein Mann des Kompromisses musste her als Nachfolger für den geschassten Verteidigungsminister Chuck Hagel. Angesichts der neuen Machtverhältnisse im Senat ab Anfang Januar blieb nur einer übrig, der bereits die Gnade der Königsmacher, der republikanischen Senatoren, finden dürfte: Ashton Carter.

Carter gilt als vorzeigbarer Kandidat, auch dann, wenn die Republikaner die Mehrheit im Senat stellen. Der 60-Jährige Vollblut-Bürokrat mit langjähriger Pentagon-Erfahrung ist einer, der das US-Militär in allen ihren Verästelungen kennt. Er ist Demokrat. Gleichzeitig nimmt er einen Standpunkt ein, der als „rechts von Obama“ charakterisiert werden kann. Von 2011 bis 2013 arbeitete er bereits als Vize im militärischen Machtzentrum der westlichen Welt. Im Jahre 2012, als es schon einmal um das Top-Amt im Pentagon ging, wurde er übergangen. Nun aber kommt die Stunde des studierten Physikers.

Mitstreiter und Gegner der USA im Kampf gegen den Terror

Iran

Iran: Teheran ist sowohl Gegner als auch Mitstreiter der USA. Einerseits kann der Iran eine Militäroperation des Erzfeindes in der eigenen Nachbarschaft nicht einfach absegnen. Andererseits handelt es sich beim IS um einen gemeinsamen Feind.

Ägypten

Auch Ägypten nahm an der Anti-Terror-Konferenz in Dschidda teil. Der Kampf gegen den IS könnte Kairos Beziehungen zum Westen verbessern, die unter dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi durch das Militär vor mehr als einem Jahr gelitten haben.

Katar

Katar könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Finanzquellen der Extremisten auszutrocknen. Kritiker werfen dem Land vor, Radikale dürften dort unbehelligt Geld für Dschihadisten sammeln. Die Regierung weist das zurück.

Jordanien

Auch Jordanien hat den IS vor der Haustür. Anhänger der Miliz kontrollieren Teile Iraks und Syriens, die unmittelbar an das Königreich grenzen. Auch der einzige Grenzübergang zwischen Irak und Jordanien ist in IS-Händen. Jordanien hat daher eine Taskforce gegen IS-Angriffe gegründet. In der von Amerika geführten Anti-IS-Koalition könnte das Land zum Operationszentrum werden.

Saudi-Arabien

Das Königreich ist einer der wichtigsten US-Partner. Am Donnerstag trafen sich mehrere Länder in der Hafenstadt Dschidda, um über den Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Weil der IS auch an der Grenze zwischen dem Irak und Saudi-Arabien steht, fühlt sich Riad massiv bedroht.

Irak

Kerry reiste zum Auftakt seiner Tour nach Bagdad. Der Irak wird die Hauptlast im Kampf gegen den IS tragen müssen, weil vor allem die Soldaten der Regierung und kurdische Einheiten am Boden gegen die Extremisten kämpfen müssen. Zugleich muss es der neuen Regierung von Ministerpräsident Haidar al-Abadi gelingen, die Sunniten im Land auf ihre Seite zu ziehen - nur so würde der IS seine starke Unterstützung in den sunnitischen Teilen des Landes verlieren.

Türkei

Westliche Länder haben der Türkei vorgeworfen, Extremisten dürften die Grenze zu Syrien ungehindert passieren. Zuletzt attestierte das Pentagon der Regierung jedoch, sie gehe stärker gegen Dschihadisten vor. Dennoch unterstützt Ankara die USA nicht mit voller Kraft. Den Luftwaffenstützpunkt Incirlik will sie nur für humanitäre Hilfsflüge freigeben. Ankara ist in einer schwierigen Lage, weil der IS im Nordirak 49 türkische Diplomaten festhält.

Nato

Zehn Staaten zählen bislang zum Anti-Terrorbündnis der USA, darunter die Nato-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Dänemark, Kanada und die Türkei. Auch Australien hat sich der Koalition angeschlossen. Deutschland will Waffen an die Kurden im Nordirak liefern, London hat das bereits getan. Frankreich hat mittlerweile Bombardements gestartet.

Der farblose Schreibtisch-Soldat, der selbst nie gedient hat, aber bald 1,5 Millionen Soldaten anführen wird, repräsentiert genau das, was Obama jetzt braucht: Professionalität, unbedingte Loyalität und wenig Angriffsfläche für seine Feinde. Dafür umso mehr wohlwollende Befürwortung eines harten und klaren Vorgehens gegen Amerikas externe Gegner.

Auch darum wird Carter höchstwahrscheinlich schnell die Anhörungsrunden im Senat erfolgreich überstehen. Zudem wollen die Republikaner nicht als diejenigen dastehen, die Amerika schutzlos den Feinden ausliefern, weil sie monatelang die Ernennung eines neuen Verteidigungsministers blockieren.

Ist Carter am Ruder, warten schwer zu lösenden Probleme auf ihn: Er muss die Rolle der Armee definieren, um die Terrormiliz IS niederzuzwingen, und gleichzeitig mit Syriens Präsident Assad fertig werden. Wenn Obama denn will.

Von Carter wird auch erwartet, dass er Russland im Ukraine-Konflikt die Stirn bietet und den Truppenabzug in Afghanistan ohne Katastrophe beendet. Und das gerade zu einem Zeitpunkt, in dem Obama immer mehr Truppen in den Irak zurücksendet.

Doch das ist noch nicht alles: Am Freitag bei seiner Ernennungsrede gab ihm Obama noch eine Aufgabe mit auf den Weg: Carter muss auch den Kampf gegen Ebola leiten. Die USA hat Tausende Soldaten zu humanitären Einsätzen nach Afrika geschickt. Ein Vorgehen, für das bei weitem nicht alle Republikaner Verständnis zeigen.

Daten und Fakten über die USA

Fläche

Mit einer Fläche von 9.809.155 Quadratkilometern sind die Vereinigten Staaten laut Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) der drittgrößte Staat der Erde.

Bevölkerung

Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) betrug die Gesamtbevölkerung der USA im Jahr 2013 rund 317 Millionen Einwohner.

Hauptstadt

Die Hauptstadt der USA ist Washington D.C. Die Stadt selbst hat etwa 646.000 Einwohner, im Großraum haben sich etwa 5,7 Millionen Menschen niedergelassen. (Stand: 2014)

Staatsform

Die Staatsform der USA ist eine föderale und präsidentielle Republik.

Präsident

Barack H. Obama ist der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er befindet sich in seiner zweiten Amtszeit.

BIP

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA beläuft sich nach Angaben des Auswärtigen Amts auf etwa 16,72 Billionen US-Dollar. (Stand: 2013)

Arbeitslosenquote

Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten lag im Juli 2014 bei 6,2 Prozent. Vor der Wirtschaftskrise lag die Quote im Jahr 2007 noch bei 4,6 Prozent, 2010 stieg sie zwischenzeitlich auf 9,6 Prozent an.

Außenhandel

Die USA sind nach Angaben des Auswärtigen Amts weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter und standen als Exporteur 2013 (nur Waren) hinter China an zweiter Stelle.

Zu beneiden ist der frühere Harvard-Professor also nicht, zumal er sich kaum Lorbeeren verdienen wird. Im schlimmsten Falle muss er in zwei Jahren den Sessel räumen, wenn ein Republikaner die Präsidentenwahl gewinnen sollte. Zwei Jahre sind angesichts der Schwere der Konflikte kaum genug, um sich zu profilieren.

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