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06.07.2013

17:47 Uhr

Asyl für NSA-Informant

Lateinamerika heißt Snowden herzlich willkommen

Die USA lassen weltweit die diplomatischen Muskeln spielen um Edward Snowden die Fluchtwege zu verbauen. Doch der findet plötzlich Verbündete in Venezuela, Bolivien und Nicaragua: Alle Staaten stellten Asyl in Aussicht.

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro: Asyl für den „Helden“ Edward Snowden. ap

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro: Asyl für den „Helden“ Edward Snowden.

ManaguaDie Flucht des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden könnte doch noch gelingen. Nachdem zahlreiche Regierungen Anträge auf politisches Asyl abgelehnt haben, kommt nun überraschend Hilfe aus Lateinamerika. Die linksgerichteten Regierungen in Venezuela und Nicaragua boten am Freitag an, den 30-Jährigen aufzunehmen, der die geheimen Spionage-Aktivitäten der USA öffentlich gemacht hat und deswegen zu Hause wegen Landesverrats angeklagt werden soll. Alle Versuche, in ein für ihn sicheres Land auszureisen, sind bislang gescheitert. Am Samstagnachmittag sagte überraschend auch Bolivien seine Unterstützung zu.

„Er ist ein junger Mann, der die Wahrheit gesagt hat“, erklärte der Präsident Venezuelas, Nicolas Maduro. „Als Staats- und Regierungschef der Bolivarianischen Republik von Venezuela habe ich mich entschieden, dem jungen Amerikaner Edward Snowden humanitäres Asyl anzubieten“, sagte der Sozialist am Freitag bei einer im Fernsehsender Telesur übertragenen Militärparade. „Er soll in das Vaterland von Bolívar und Chávez kommen und frei von der imperialistischen Verfolgung Nordamerikas leben können.“ Die USA würden eben die ganze Welt ausspionieren. Der Amerikaner sei daher ein Held der Menschenrechte. In Nicaragua sagte Präsident Daniel Ortega, er habe ein Asylgesuch von Snowden erhalten. Dieses könne bewilligt werden, wenn die Umstände es zuließen. Zu Details machte er jedoch keine Angaben.

Boliviens Präsident Evo Morales erklärte bei einer Rede vor Landwirten, sein Land werde Snowden Asyl gewähren, wenn dieser einen Antrag stelle. „Als Zeichen des Protests möchte ich den Europäern und den Nordamerikanern sagen: Jetzt werden wir diesem von seinen Landsleuten verfolgten Amerikaner Asyl gewähren, wenn er dies beantragt. Wir haben keine Angst.“
Bolivien wurde indes schon enger mit einer möglichen Aufnahme Snowdens in Zusammenhang gebracht: In der Nacht zum Mittwoch war einer bolivianischen Regierungsmaschine mit Morales an Bord der Überflug über mehrere europäische Länder verweigert worden, weil Snowden an Bord vermutet worden war. Das aus Moskau kommende Flugzeug musste in Wien notlanden und durfte erst 13 Stunden später nach einer Durchsuchung weiterfliegen. Morales zeigte sich zutiefst erbost und sagte, der Verdacht sei völlig abwegig gewesen. Snowden wird auf dem Transitbereich des Moskauer Flughafens vermutet.

Wurde zum internationalen Symbol der Wut über staatliche Überwachung: Edward Snowden. dpa

Wurde zum internationalen Symbol der Wut über staatliche Überwachung: Edward Snowden.

Kurz zuvor hatte bereits Nicaraguas Staatschef Daniel Ortega dem flüchtigen US-Bürger Asyl in dem mittelamerikanischen Land in Aussicht gestellt. „Wir sind ein offenes Land und respektieren das Recht auf Asyl“, sagte Ortega am Freitag vor Anhängern in der Hauptstadt Managua. „Wenn es die Umstände zulassen, nehmen wir Snowden gerne auf und gewähren ihm Asyl hier in Nicaragua.“

Ortega bestätigte, dass Snowden einen Asylantrag an Nicaragua gestellt habe. Der sei bei der Moskauer Botschaft des mittelamerikanischen Landes eingegangen und werde dort geprüft. „Wir haben das souveräne Recht, einer Person zu helfen, die herausgefunden hat, wie die USA die ganze Welt und besonders ihre europäischen Verbündeten ausspionieren und darüber Reue empfindet“, sagte Ortega.

Es war zunächst nicht klar, wie Snowden auf die neuen Offerten aus Venezuela und Nicaragua reagiert - oder wie er dort hinkommen könnte. Aus Russland waren zuletzt Zeichen von Ungeduld gekommen. Moskau hatte deutlich gemacht, dass eine anhaltende Hängepartie die Beziehungen zu den USA belasten könnten. Die USA wollten sich zunächst nicht zu dem Angebot aus Venezuela äußern.

Kommentare (44)

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Ludwig500

06.07.2013, 02:20 Uhr

Nicaragua ist vielleicht nicht erste Wahl, aber besser als im russischen Transitbereich eingeklemmt zu sein. Ich würde das annehmen. Falls Ortega keine Maulkorb-Bedingungen stellt.

dot

06.07.2013, 02:59 Uhr

angeblich wollen ihn die russen ja jetzt loswerden. deswegen wird er wohl kaum eine wahl haben als anzunehmen. nur wie will er nach nicaragua kommen, wenn ihm in europa niemand hilft und jedes flugzeug zur landung gezwungen wird? welcher pilot würde ihn ohne unterstützung freiwillig über den atlantik fliegen, wenn er damit rechnen muss, zufällig abzustürzen?

ich finde, die debatte um snowden ist nicht zu ende. und eine bundesregierung , die ihm nicht hilft, ist auch nicht glaubwürdig, was unsere rechte angeht. deswegen meine bitte, unterstützt die petition an den deutschen bundestag: schutz/asyl für snowden

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2013/_06/_11/Petition_43198.nc.html

YES YOU CAN HELP THIS MAN



niemand

06.07.2013, 03:07 Uhr

Viele Krisen auf dieser Welt hätten vermieden werden können wenn Whistleblowing respektiert würde und als Leistung anerkannt wäre. Statt dessen wird man gefeuert wenn man Betrug aufdeckt oder eben "nur" bedroht. Ich habe bittere Erfahrung sammeln müssen und das in renommierten Gesellschaften und in den allergrössten Wirtschaftsprüfer Firmen. Es handelte sich in einem Fall um einen Kunden der die eine oder andere Frage nicht beantworten wollte und sich telefonisch beschwerte. Anststt belohnt zu werden für die gute und ausführliche Arbeit wird man entlassen. Der Kunde, wie sich later heraus stellte war auch woanders aufgefallen, er kam in Bonn for Gericht. 18 Monate Freiheitsentzug für den Geschäftsführer dieser Firma war das Resultat.

Wer sich dann weiter in der Gesellschaft engagiert finded dass selbst Vorzeigeorganisationen in Sachen Demokratie weit unter Niveau arbeiten, ich denke da an drei sehr bekannte deutsche Stiftungen die anderen Ländern tätig sind.

Wie man sehen kann, es raubt mir immer wieder den Schlaf, es ist lediglich drei Uhr in der Früh.

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