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05.08.2015

15:40 Uhr

Asylbewerber in Europa

Österreich verzweifelt an Flüchtlingen

VonHans-Peter Siebenhaar

Österreich fühlt sich von den Flüchtlingen überrannt. Die Volksanwaltschaft schlägt Alarm über die unhaltbaren Zustände der Unterbringung von Asylbewerbern. Politischer Nutznießer könnte die fremdenfeindliche FPÖ sein.

20 Kilometer südlich von Wien offenbart sich die ganze Flüchtlingsproblematik: In provisorischen Camps harren ganze Familien hinter Gitterzäunen in kaum regensicheren Zelten aus. AFP

Flüchtlinge in Traiskirchen

20 Kilometer südlich von Wien offenbart sich die ganze Flüchtlingsproblematik: In provisorischen Camps harren ganze Familien hinter Gitterzäunen in kaum regensicheren Zelten aus.

WienMalerisch präsentiert sich die Landschaft rund um das österreichische Städtchen Traiskirchen, 20 Minuten mit dem Auto von Wien. An den Hängen des Wienerwaldes leuchten die Weingärten in dunklem Grün. Die in der Alpenrepublik so beliebten Heurige laden zu einem weinseligen Abend ein.

Die touristische Szenerie ist meilenweit von der Realität des ebenfalls in Traiskirchen ansässigen Flüchtlingslagers entfernt. Das niederösterreichische Städtchen, nicht weit von der ungarischen Grenze, beherbergt die Bundesbetreuungsstelle für Asylbewerber, wie es offiziell heißt. Das Lager platzt mit derzeit 4000 Flüchtlingen aus allen Nähten. In der Nacht zum Mittwoch wurde ein Aufnahmestopp verhängt.

Die Situation für die Flüchtlinge in Traiskirchen ist katastrophal. 1500 Asylsuchende haben dort nicht einmal einen Schlafplatz. „Wir haben sehr unerfreuliche Zustände angetroffen“, berichtet Franjo Schruiff, Leiter der Kommission der österreichischen Volksanwaltschaft, über den letzten Besuch in Traiskirchen.

Das staatliche Gremium funktioniert als Ombudsmann, um die österreichischen Behörden zu kontrollieren und auf Missstände hinzuweisen. „Es ist eine sehr, sehr schwierige Situation“, sagt der gelernte Jurist Schruiff am Mittwoch in Wien. „Schwangere liegen am Boden und haben nichts zu trinken. Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

Am schlimmsten trifft es Kinder und Jugendliche, die sich ohne ihre Eltern in dem Lager aufhalten. Das bestätigen auch Flüchtlingsorganisationen. „Das Schlimmste, was man einem traumatisierten Menschen antun kann, ist nichts zu tun“, sagt Anahita Tasharofi, Vorsitzende der österreichischen Hilfsorganisation „Flucht nach vorn“. „Die Menschen wollen ein Leben in Sicherheit und Würde“, fasst die junge Frau den Traum vieler Asylbewerber aus Syrien, dem Irak und vielen afrikanischen Ländern zusammen.

Von der Würde ist man im Lager Traiskirchen bei Wien offenbar meilenweit entfernt. Es gibt nach Angaben der Volksanwaltschaft nicht genügend Duschen, bisweilen nicht einmal ausreichend Toilettenpapier. Die medizinische Versorgung ist miserabel.

Kommentare (27)

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Herr Peter Spiegel

05.08.2015, 15:59 Uhr

Die FPÖ steuert die 30% an. Ein Lichtblick mehr in der Eu-Diktatur.

Dirk Meyer

05.08.2015, 16:02 Uhr

Die rechtsgerichtete fremdenfeindliche FPÖ ist stärkste politische Kraft Österreichs. Ist damit Österreich rechtsradikal? Die Gitmenschen würden den Begriff "Nazi" verwenden. Ich denke, die derzeitige Regierung Österreichs negiert den Bürgerwillen. Und der Bürger weiß sich nicht anders zu wehren. i

Herr Edmund Stoiber

05.08.2015, 16:18 Uhr

"...fremdenfeindliche FPÖ ..."

Ich denke der Schreiberling meinte "fremdenkritisch".
Das ist zwar etwas anderes, aber deckt sich nicht mit dem Niveau des Schreiberlings!

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