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30.11.2014

10:34 Uhr

Athen vor wichtigen Wochen

Bruchlandung oder sanftes Aufsetzen?

Vier Jahre lang haben die Griechen harte Sparmaßnahmen und Kürzungen ertragen und dennoch ist ein Ausweg nicht in Sicht. Im Gegenteil: Dem Land droht eine Bruchlandung.

Touristen an der Akropolis in Athen: Griechenland stehen schwierige Wochen bevor. dpa

Touristen an der Akropolis in Athen: Griechenland stehen schwierige Wochen bevor.

AthenEigentlich müsste in Athen dieser Tage Optimismus herrschen. Ende des Jahres läuft das Hilfsprogramm der EU aus. Griechenland hegte Hoffnungen, bald wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. Doch das Land gerät ökonomisch und politisch immer mehr in die Sackgasse. Die Gespräche mit den Geldgebern drehen sich im Kreis und innenpolitisch wird die Lage immer instabiler.

Regierungschef Antonis Samaras hatte noch vor wenigen Wochen gehofft, den Schritt zurück an die Finanzmärkte wagen zu können. Doch die zeigten knallhart, was sie davon halten. Die Renditen schossen in die Höhe und die griechische Börse stürzte ab. Daraus hat man in Athen gelernt. „Wir brauchen eine sanfte Landung“, sagt der griechische Vize-Außenminister Dimitris Kourkoulas.

Die EU hat dieser „sanften Landung“ bereits einen Namen gegeben: Vorsorgliche Kreditlinie. Die Griechen werden auch im neuen Jahr eine Art Sicherheitspolster brauchen, um den Übergang vom geschützten Raum der EU-Hilfen zum freien Geldmarkt zu schaffen. Es sollen Kredite sein, auf die Athen zu günstigen Bedingungen zurückgreifen könnte, falls die Märkte den Griechen kein Geld oder nur zu extrem hohen Zinsen leihen wollen. Im Gegenzug wollen die Geldgeber Athen unter Kontrolle halten. Die Angst ist groß, dass die Politiker des Landes wieder zum ungebremsten Schuldenmachen übergehen könnten.

Die Menschen aber wollen keine neuen Sparmaßnahmen mehr ertragen. In allen Umfragen führt das oppositionelle Bündnis der radikalen Linken unter seinem Chef Alexis Tsipras im Rennen um die Gunst der Wähler. Sollten Neuwahlen stattfinden, gilt Tsipras mittlerweile als der große Favorit. Und er hat auch das Mittel, vorgezogene Wahlen zu erzwingen. Bis spätestens Februar muss das Parlament einen neuen Staatspräsidenten wählen. Dafür sind 180 Stimmen notwendig. Samaras und sein sozialistischer Koalitionspartner Evangelos Venizelos haben nur 155 Stimmen im Parlament. Sollten sie nicht die nötige Zahl unabhängiger Abgeordneter auf ihre Seite bringen, müssten vorgezogene Wahlen stattfinden. Ein Regierungswechsel wäre dann möglich.

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