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17.01.2015

16:14 Uhr

Athen

Zentralbank wappnet sich für Hilferufe

Griechenland bangt um die Wahl am Sonntag in einer Woche: Die Athener Zentralbank rechnet bereits mit zahlreichen Hilferufen der heimischen Finanzinstitute. Nur wenige Banken des Landes wollen ohne Stütze auskommen.

Eine Flagge der EU und von Griechenland: Die Athener Zentralbank bereitet sich auf Hilferufe der heimischen Finanzinstitute vor. dapd

Eine Flagge der EU und von Griechenland: Die Athener Zentralbank bereitet sich auf Hilferufe der heimischen Finanzinstitute vor.

AthenRund eine Woche vor der Parlamentswahl in Griechenland bereitet die Zentralbank Insidern zufolge einen Schutzschild für die Finanzbranche des Euro-Landes vor. Die Notenbank habe bei der Europäischen Zentralbank (EZB) die Genehmigung sogenannter Not-Liquiditätshilfen (ELA) für die vier führenden Geldhäuser beantragt, sagte ein Vertreter der griechischen Zentralbank am Samstag.

Es sei die Entscheidung der einzelnen Institute, ob sie die Gelder in Anspruch nehmen wollten. Details wurden nicht bekannt. Am Vortag hatten zwei der vier Branchengrößen erklärt, sie wollten wegen ihrer angespannten Liquiditätslage vorbeugend Hilfen beantragen. Angesichts der politischen Unsicherheit vor der Wahl hatten zuletzt viele Griechen ihr Geld abgehoben.

Bei Liquiditätsengpässen können die Banken in der Euro-Zone auf Not-Liquiditätshilfen (ELA) ihrer nationalen Notenbank zurückgreifen. Der EZB-Rat muss den Einsatz dieser Unterstützung genehmigen. Die Alpha Bank und die Eurobank wollen die Mittel beantragen, sprechen aber von einer reinen Vorsichtsmaßnahme.

Griechenland – Gefahrenherd für Europa?

Der ESM

Anders als zu Beginn der Krise, als Politiker auf hektischen Gipfeltreffen mit improvisierten Maßnahmen der Probleme Herr zu werden versuchten, verfügt die Eurozone heute über eine Institution, die speziell für die Rettung angeschlagener Mitglieder geschaffen wurde. Der Europäische Stabilitäts-Mechanismus (ESM) kann Staaten im Notfall mit bis zu 500 Milliarden Euro beispringen. Staaten können Hilfen auch beantragen, wenn Kapitallücken im Bankensystem klaffen.

Die Lage der anderen Krisenländer

Neben Griechenland mussten während der Eurozonen-Krise auch Portugal, Irland und Zypern unterstützt werden. Anders als damals gibt es heute aber keine auf der Hand liegenden Kandidaten mehr, auf die eine Krise überspringen könnte. Die Lage der Staatsfinanzen in Portugal und Irland hat sich deutlich verbessert, in Spanien wuchs die Wirtschaft zuletzt wieder kräftig. Nur bei den Schwergewichten Frankreich und Italien sind kaum Fortschritte beim Abbau des Haushaltsdefizits und den Strukturreformen zu verzeichnen.

Die EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Finanzmärkten klar gemacht, dass sie den Euro verteidigen will. Im Juli 2012 erklärte EZB-Präsident Mario Draghi, man werde „alles Erforderliche“ tun, um den Euro zu retten. Seitdem hat die EZB ihre Geldpolitik deutlich gelockert. Die Märkte erwarten, dass die EZB im ersten Quartal 2015 den breit angelegten Kauf von Staatsanleihen verkünden wird. Dank der Käufe dürften Euroländer ihre Haushalte zu besseren Konditionen finanzieren können. Das würde nicht nur Griechenland zugutekommen.

Das europäische Bankensystem

Beim Ausbruch der Eurozonen-Krise im Jahr 2010 fürchteten die Kapitalmärkte die Folgen einer griechischen Staatspleite für den europäischen Bankensektor. 2012 verzichteten private Gläubiger Griechenlands – darunter auch Banken – auf die Rückzahlung von 100 Milliarden Euro Schulden. Im Vergleich dazu sind Europas Banken heute nicht mehr so stark in Griechenland engagiert.

Branchenprimus National Bank und die Nummer Zwei, Piraeus Bank, können dagegen nach eigenen Angaben ohne die Stütze auskommen. Die Griechen wählen am 25. Januar ein neues Parlament, drei Tage vorher tagt in Frankfurt der EZB-Rat.

In Umfragen führt derzeit die linke Oppositionspartei Syriza. Sie will die Reformvereinbarungen des hoch verschuldeten Euro-Staates mit den internationalen Gläubigern kippen. Die EZB hat bereits deutlich gemacht, dass sie die Ausnahmeregeln bei der Refinanzierung der griechischen Banken nur dann weiter gewähren wird, wenn das Land nicht aus dem Rettungsprogramm ausschert.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

19.01.2015, 10:01 Uhr

Der Bank Run hat doch schon lange begonnen, täglich müssen massenhaft EUR für die Griechen-Banken nachgeschoben werden, wie lange will man sich und uns das noch antun???

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