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19.12.2015

15:16 Uhr

Atom-Abkommen

Iran kündigt Abtransport von Uran-Vorräten nach Russland an

Der Atom-Deal mit dem Iran zeigt eine erste Wirkung: Teheran hat angekündigt, den größten Teil seines Urans abtransportieren zu wollen. Rund neun Tonnen des spaltbaren Materials werden nun nach Russland verschifft.

Erst nach zwölfjährigen Verhandlungen konnten die Uno-Vetomächte und Deutschland Teheran dazu bewegen, das iranische Atomprogramm einzuschränken. AFP

Historischer Deal

Erst nach zwölfjährigen Verhandlungen konnten die Uno-Vetomächte und Deutschland Teheran dazu bewegen, das iranische Atomprogramm einzuschränken.

DubaiDer Iran will in den kommenden Tagen den größten Teil seines angereicherten Urans nach Russland abtransportieren. Damit setzt die Islamische Republik einen Teil der Forderungen des Atom-Abkommens mit den fünf Uno-Vetomächten und Deutschland um. Rund neun Tonnen des spaltbaren Materials würden per Schiff nach Russland gebracht, sagte der Chef der iranischen Atom-Behörde, Ali Akbar Salehi, am Samstag der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Dies entspricht in etwa der Menge, die das Land laut Abkommen ausführen muss. Gleichzeitig muss der Iran auch die Zahl der in Uran-Anlagen eingebauten Zentrifugen reduzieren.

Die Mitte Juli geschlossene Vereinbarung sieht eine schrittweise Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran vor, wenn das Land sein Atomprogramm beschränkt. Die Regierung in Teheran hatte am Mittwoch angekündigt, in den kommenden zwei bis drei Wochen die Vorgaben des Vertrags zu erfüllen. Tags zuvor hatte die Internationale Atomenergiebehörde nach zwölf Jahren ihre Ermittlungen zum mutmaßlichen Atomwaffenprogramm des Irans eingestellt. Die Islamische Republik soll unter dem Deckmantel eines Programms zur zivilen Nutzung der Kernenergie heimlich an Atomwaffen gearbeitet haben. Die Führung in Teheran hatte dies stets zurückgewiesen.

Atomdeal mit Iran: Milliardengeschäfte für „Made in Germany“?

Was erwartet die deutsche Wirtschaft?

„Deutschland wird zusammen mit Frankreich und Italien zu den Ländern gehören, die mehr von der Einigung profitieren als andere“, sagt Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik. Deutsche Wirtschaftsverbände halten mittelfristig eine Vervierfachung des Exportvolumens von heute knapp 2,5 Milliarden auf über 10 Milliarden für möglich. „Das Land hat einen Riesennachholbedarf“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier, der am Dienstag in diesem historischen Moment passenderweise in Teheran ist, der Deutsche Presse-Agentur. Derzeit seien im Iran 80 deutsche Firmen mit eigenem Geschäft tätig, dazu kämen etwa 1000 Repräsentanten und Vertriebsleute.

Sind jetzt alle Probleme gelöst?

Nein, denn die Sanktionen sollen schrittweise abgebaut werden. „Das Embargorecht für das Irangeschäft weiterhin bleibt damit relevant. Das kann im Detail viele Hemmnisse bedeuten“, erklärt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Hinzu kommt: Auch wenn das Abkommen in den USA angenommen wird, muss US-Präsident Barack Obama dem Kongress alle 90 Tage bescheinigen, dass der Iran keine Terrororganisationen unterstützt. Andernfalls dürfte der Kongress schnell neue Sanktionen erlassen. „Der US-Kongress wird versuchen, die Unsicherheit zu bewahren“, sagt Perthes.

Welche Rolle spielen deutsche Banken?

Wie teuer Ärger mit den USA werden kann, erlebte jüngst die Commerzbank. Das Institut musste für einen Vergleich mit US-Behörden insgesamt 1,45 Milliarden Dollar hinblättern, um ein Verfahren wegen Geldwäsche und Geschäften mit „Schurkenstaaten“ wie dem Iran beizulegen. Wirtschaftsverbände wie der VDMA fordern nach dem Durchbruch von Wien, dass die Banken jetzt rasch reagieren: „Wenn die Finanzinstitute trotz des klaren Politikwechsels ihre eigene Geschäftspolitik weiterhin nicht anpassen, lassen sie die produzierende Industrie im Regen stehen“, warnt VDMA-Exportchef Ulrich Ackermann.

Wie stark sind die Wettbewerber in dem Land?

Insbesondere die Konkurrenz aus China profitierte von den Sanktionen, die die USA und die EU verhängt hatten. Gerade einmal 6,3 Prozent der Importe stammen derzeit noch aus Deutschland, Chinas Anteil liegt nach Angaben des Kreditversicherers Euler Hermes mit 15 Prozent etwa doppelt so hoch. Aber: „Iraner haben chinesische Produkte nicht gekauft, weil sie das wollten, sondern weil Alternativen fehlten“, sagt Perthes.

Welche Branchen könnte besonders von der Einigung profitieren?

„Die Modernisierung der Ölindustrie und anderer Branchen ist ein spannender Markt vor allem für den Maschinenbau“, sagt Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Gefragt sind nach Einschätzung Perthes vor allem Turbinen, Kraftwerke, Lastwagen und Technologien zur Ölexploration „Made in Germany“. Nach Berechnungen von Euler-Hermes-Chefvolkswirt Ludovic Subran fehlen Iran von 2011 bis heute Importe in Höhe von 30 Milliarden Euro. „Ausländische Waren wie zum Beispiel Haushaltswaren sind derzeit sehr schwer zu bekommen, ganz zu schweigen von Autos oder Maschinen“, sagt Subran.

Wie stark ist die Konkurrenz inzwischen in dem Land?

Deutlich haben sich zum Beispiel die Verhältnisse im Maschinen- und Anlagenbau verschoben. Einst lag die deutsche Schlüsselindustrie mit einem Marktanteil von 30 Prozent auf Rang eins. Inzwischen dominieren chinesische Exportunternehmen. Maschinen im Wert von gut 5 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr in den Iran exportiert. Davon entfielen 630 Millionen Euro auf Deutschland und 2,3 Milliarden Euro auf China. „Selbst im Optimalfall wird der chinesische Maschinenbau bei mehr als 10 Prozent Marktanteil bleiben, Korea wird seine neu gewonnenen Prozente hart verteidigen, und nicht zu vergessen - die USA sind wieder im Spiel“, sagt VDMA-Experte Klaus Friedrich. Ein Marktanteil von 15 bis 20 Prozent für den deutschen Maschinenbau wäre daher ein großer Erfolg.

Quelle: dpa

Von

rtr

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