Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.11.2013

11:43 Uhr

Atom-Gespräche mit Iran

Russland sieht „reale Chance“ für Einigung

In den Atomgesprächen mit dem Iran scheint ein Deal unmittelbar bevorzustehen. Die Außenminister der fünf Veto-Mächte im Sicherheitsrat und Deutschlands sind unterwegs nach Genf. China sprach vom „finalen Moment“.

Russlands Außenminister Lawrow: Optimismus bezüglich der Atom-Verhandlungen. ap

Russlands Außenminister Lawrow: Optimismus bezüglich der Atom-Verhandlungen.

WashingtonIn den Atomgesprächen mit dem Iran gibt es nach Einschätzung des amtierenden Bundesaußenministers Guido Westerwelle (FDP) eine Chance auf eine Einigung. Allerdings gebe es weiter Differenzen, die nun überbrückt werden müssten, sagte Westerwelle am Samstag nach seiner Ankunft in Genf. „Es ist eine realistische Chance dafür da, aber es ist noch eine Menge Arbeit zu tun“, sagte Westerwelle.

Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow sieht bei den Verhandlungen um das umstrittene iranische Atomprogramm in Genf eine „reale Chance“ für eine Einigung. Das teilte das russische Außenministerium am Samstag nach Lawrows Treffen in Genf mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif mit. Bei den Gesprächen sei es besonders um konkrete Details gegangen, die bisher einen Durchbruch verhindert hätten.

Ziel sei es, diesmal zu einem Ergebnis zu kommen. „Es ist im allgemeinen Interesse, diese Chance zu ergreifen“, hieß es in der Mitteilung. Zuvor hatte sich auch Kremlchef Wladimir Putin nach einem Gespräch mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani optimistisch geäußert, dass es diesmal zu einer Lösung im Atomstreit kommen könne.

Nach Angaben der iranischen Delegation geht nur noch um wenige Streitfragen. Es gebe „zwei oder drei Streitpunkte“, sagte Irans Verhandlungsführer Abbas Aragschi am Samstag der Nachrichtenagentur Fars. Beide Seiten kämen einem Abkommen aber immer näher. „Wir sollten schauen, ob wir diese Differenzen ausräumen können“, sagte der Vizeaußenminister vor der Fortsetzung der Gespräche.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Am Samstagmorgen traf auch US-Außenminister John Kerry in Genf ein. Die Verhandlungen zwischen Teheran und den fünf Uno-Vetomächten USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich sowie Deutschland (5+1) gehen am Samstag in den vierten Tag. Bis kurz vor Ende des dritten Tages hatte es nach einem erneuten Scheitern ausgesehen. Mit dem Eintreffen Lawrows kam aber Bewegung in die Verhandlungen. Die iranische Delegation sprach erstmals von Fortschritten, die beide Seiten einem Durchbruch näher gebracht hätten.

Die Gespräche hätten ihren „finalen Moment“ erreicht, sagte auch der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Hong Lei, am frühen Samstagmorgen der Agentur Xinhua zufolge. Unmittelbar zuvor war bekannt gegeben worden, dass sich noch in der Nacht auch Chinas Außenminister Wang Li auf den Weg nach Genf gemacht hat.

Dies war zuvor schon von seinen Amtskollegen der anderen Uno-Vetomächte USA, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschlands bekannt geworden. Unterhändler hatten von Fortschritten gesprochen und die Hoffnung geäußert, die strittige Frage der Uran-Anreicherung werde gelöst. Ein hochrangiger EU-Diplomat hatte gesagt, die Außenminister würden nur anreisen, wenn ein Abkommen unterschriftsreif sei.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×