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20.01.2014

18:25 Uhr

Atomabkommen

EU setzt Sanktionen gegen Iran teilweise aus

Die Europäische Union hat einige der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran vorübergehend unterbrochen. Jetzt darf sich das Land ab Februar erstmals an ehemals eingefrorenen Ölgeldern bedienen.

Die iranische Flagge an einer Hauswand. Die EU hat einige der Sanktionen gegen den Iran jetzt ausgesetzt. AFP

Die iranische Flagge an einer Hauswand. Die EU hat einige der Sanktionen gegen den Iran jetzt ausgesetzt.

BrüsselNach der Einigung im Atomstreit mit dem Iran hat die Europäische Union einen Teil ihrer Wirtschaftssanktionen gegen Teheran ausgesetzt. Das teilte die EU am Montag mit. Zuvor hatte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA mitgeteilt, dass der Iran wie verlangt die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent eingestellt habe. Damit kam die Regierung in Teheran einer wichtigen Vereinbarung des Atomabkommens nach, das das Land im vergangenen November mit den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats und Deutschland ausgehandelt hatte.

Für den Iran bedeutet die Aussetzung der Sanktionen der Europäischen Union und der USA, dass schon Anfang Februar erste eingefrorene Ölgelder fließen. Eine erste Tranche über 550 Millionen Dollar (etwa 406 Millionen Euro) der insgesamt 4,2 Milliarden Dollar an im Ausland eingefrorenen Öleinnahmen soll am 1. Februar ausgezahlt werden.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Darüber hinaus soll der Iran wieder petrochemische Produkte ausführen dürfen. Zudem sollen die Einfuhr von Gütern für die Autoindustrie sowie der Handel mit Edelmetallen erlaubt werden. Ferner kann der Iran seine Ölexporte von geschätzten eine Million Barrel täglich beibehalten. Während der Dauer des vorläufigen Atomabkommens muss der Iran mit keinen weiteren Sanktionen rechnen.

Der Westen befürchtet, dass hoch angereichertes Uran letztlich zum Bau einer Atombombe führen könnte. Deshalb wurde der Iran mit dem Atomabkommen für sechs Monate verpflichtet, die Anreicherung auf 20 Prozent zu stoppen. In dem halben Jahr wollen die Beteiligten ein endgültiges Abkommen aushandeln, das den Iran dauerhaft vom Bau von Atomwaffen abhalten soll.

Von

ap

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