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28.06.2015

18:30 Uhr

Atomabkommen

Gespräche mit Iran werden verlängert

In den Verhandlungen über ein Atomabkommen mit dem Iran gibt es in besonders schwierigen Punkten noch Differenzen. Über den Zugang zu iranischen Militäranlagen wird noch heftig diskutiert.

Der Außenminister Mohammed Dschawad Sarif (rechts) kehrt kurz nach Teheran zurück. ap

U.S. Secretary of Energy Moniz, U.S. Secretary of State Kerry and U.S. Under Secretary for Political Affairs Sherman meet with Iranian FM Zarif in Vienna, Austria

Der Außenminister Mohammed Dschawad Sarif (rechts) kehrt kurz nach Teheran zurück.

TeheranDie Atomgespräche in Wien werden nach Angaben des Sprechers der iranischen Delegation über die Frist des 30. Juni hinaus verlängert. „Da noch viel Arbeit zu tun bleibt, werden die Delegationen über den 1. Juli hinaus in Wien bleiben, um die Verhandlungen fortzusetzen, um ein gutes globales Ergebnis zu erreichen“, sagte der Sprecher am Sonntag. Kurz zuvor hatten iranische Medien unter Berufung auf die iranische Delegation berichtet, Außenminister Mohammed Dschawad Sarif werde die Verhandlungen verlassen, um für einen Tag nach Teheran zurückzukehren.

Die Reise sei bereits im Vorfeld geplant gewesen, hieß es. Sarif und sein US-Kollege John Kerry hätten ihren Teams die nötigen Anweisungen gegeben, wie weiter zu verfahren sei. Sarif und Kerry hatten am Samstag mit einem Treffen die Endrunde in dem jahrelangen Atomstreit eingeläutet. Der Iran und die Gruppe der fünf Uno-Vetomächte und Deutschland wollen bis Ende Juni ein vollständiges Abkommen zur Beilegung des jahrelangen Streits ausarbeiten.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Auch Frankreichs Außenminister Laurent Fabius traf am Samstag in Wien ein, am Sonntag kamen zudem die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und sein britischer Kollege Philipp Hammond hinzu. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) wurde in Wien erwartet.

Die Verhandlungen über das Atomabkommen sind schon weit fortgeschritten, doch bleiben in einigen besonders schwierigen Punkten noch Differenzen, weshalb eine Verlängerung zuletzt nicht mehr ausgeschlossen wurde.

Für Diskussionen sorgt insbesondere die Forderungen der 5+1-Gruppe, dass die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) auch Zugang zu iranischen Militäranlagen erhalten, um sicherzustellen, dass dort nicht insgeheim neue Atomanlagen aufgebaut werden. Zudem sorgt der Zeitplan für die Aufhebung der Sanktionen für Streit. Teheran will die schmerzhaften Finanz- und Handelssanktionen sofort bei Unterzeichnung des Abkommens aufgehoben sehen. Die 5+1-Gruppe will dies aber erst tun, wenn der Iran seine wichtigsten Verpflichtungen erfüllt hat.

Von

afp

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