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17.06.2013

09:51 Uhr

Atomare Abrüstung

Südkorea fordert Taten von Nordkorea

Den freundlicheren Worten der vergangenen Wochen sollen auch endlich Taten folgen: Das fordert Südkorea vom kommunistischen Bruderstaat im Norden. Damit orientiert sich die Führung an den Aussagen der US-Regierung.

Die südkoreanische Führung schließt sich den Worten des White House-Stabschefs Denis McDonough (Foto) an. ap

Die südkoreanische Führung schließt sich den Worten des White House-Stabschefs Denis McDonough (Foto) an.

SeoulSüdkorea hat sich den Forderungen der USA an Nordkorea nach „konkreten” Schritten hin zu einer atomaren Abrüstung angeschlossen. Das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium stellte am Montag klar, dass Washington und Südkorea gegenüber Nordkorea eine gemeinsame Linie verfolgten: „Das Fenster des Dialogs ist offen”, aber Nordkorea müsse „zuerst konkrete Schritte unternehmen”, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag. Der Stabschef im Weißen Haus, Denis McDonough, hatte am Sonntag gesagt, Pjöngjang werde an seinen „Taten, nicht an schönen Worten” gemessen.

Washington hatte am Sonntag ablehnend auf einen nordkoreanisches Gesprächsangebot ohne Vorbedingungen über sein umstrittenes Atomprogramm reagiert. Das international weitgehend isolierte Nordkorea hatte in den vergangenen Monaten mit Raketenstarts sowie einem Atomtest einen harten Konfrontationskurs gefahren.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

In den vergangenen Wochen sandte Pjöngjang dann jedoch wieder Signale der Entspannung aus. Eigentlich hätten am vergangenen Mittwoch und Donnerstag ranghohe Vertreter Nord- und Südkoreas in Seoul zu Gesprächen über eine Entspannung der Lage auf der koreanischen Halbinsel zusammenkommen sollen. Es wären die ersten derartigen Gespräche auf Regierungsebene seit sechs Jahren gewesen. Sie wurde allerdings nach einem Treffen auf Arbeitsebene abgesagt, offenbar wegen eines Streits um die Zusammensetzung der Delegationen.

Von

afp

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