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17.03.2017

15:13 Uhr

Atomare Bedrohung

Nordkorea wird für Trump zum Härtetest

VonTorsten Riecke

Nordkoreas Kim Jong-Un provoziert mit Raketentests und droht mit Atomschlägen. Die USA erwägen als Antwort nun eigene Militärschläge. Für Präsident Trump könnte der Konflikt mit einem unliebsamen Deal enden. Eine Analyse.

Laut Experten könnte Nordkorea bald in der Lage sein, mit seinen Interkontinentalraketen Los Angeles zu treffen. dpa

Waffenschau

Laut Experten könnte Nordkorea bald in der Lage sein, mit seinen Interkontinentalraketen Los Angeles zu treffen.

Das Schicksal fast aller amerikanischen Präsidenten war es bislang, dass ihre Entschlossenheit früher oder später von den Gegnern Amerikas getestet wird. Für Donald Trump könnte dieser Härtetest schon sehr bald kommen: Sein Außenminister Rex Tillerson hat gerade dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-Un mit militärischen Maßnahmen gedroht, falls der die USA weiter mit atomaren Langstreckenraketen bedrohen sollte. Die USA loteten „eine Reihe neuer diplomatischer, sicherheitspolitischer und wirtschaftlicher Maßnahmen“ im Umgang mit Pjöngjang aus. Die bisherige Politik der USA und andere Bemühungen um ein atomwaffenfreies Nordkorea seien gescheitert, sagte Tillerson. Militärische Aktionen der USA nannte er eine Option.

Nach Meinung von Experten könnte Nordkorea bald in der Lage sein, mit seinen Interkontinentalraketen Los Angeles zu treffen. Auch Südkorea, Japan und China liegen in Reichweite des Diktators in Pjöngjang. Dass Kim Jong-un keine Skrupel kennt, hat er erst vor kurzem bewiesen, als er seinen Halbbruder mit einem Säureattentat auf dem Flughafen in Malaysia aus dem Weg räumen ließ. Zudem führt Nordkorea regelmäßig Raketentests durch, damit sein Drohpotenzial nicht in Vergessenheit gerät. Der letzte Test kam pünktlich Mitte Februar als Trump mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Florida beim Abendessen saß.

Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm (2016)

6. Januar 2016

Nordkorea führt seinen vierten Nukleartest aus. Nach eigenen Angaben wurde eine „miniaturisierte“ Wasserstoffbombe getestet. Experten ziehen die Angaben in Zweifel. (Quelle: AP)

7. Februar 2016

Nordkorea schießt nach eigenen Angaben eine Langstreckenrakete ins All.

9. März 2016

Machthaber Kim Jong Un erklärt, sein Land habe verkleinerte Atombomben entwickelt, die auf Raketen platziert werden können.

18. März 2016

Zum ersten Mal seit 2014 feuert Nordkorea eine Mittelstreckenrakete vom Typ Rodong ab. Das Geschoss fliegt rund 800 Kilometer weit, ehe es östlich des Landes ins Wasser fällt.

23. April 2016

Nordkorea schießt eine Rakete von einem U-Boot ab. Aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium heißt es daraufhin, das Geschoss habe eine Strecke von knapp 30 Kilometern zurückgelegt. Pjöngjang erklärt, der Start ziele darauf ab, die Atomsprengkopftechnologien voranzubringen.

22. Juni 2016

Washington und Seoul melden, dass Nordkorea zwei mutmaßliche Mittelstreckenraketen vom Typ Musudan abgefeuert hat. Diese Raketen könnten eines Tages in der Lage sein, weit entfernte Militärbasen der USA in Asien zu treffen. Pjöngjang gibt später bekannt, erfolgreich eine Mittelstreckenrakete getestet zu haben. Diese habe eine Höhe von 1400 Kilometern erreicht, bevor sie wie geplant in 400 Kilometer entfernten Gewässern gelandet sei.

19. Juli 2016

Nordkorea schießt drei Raketengeschossen ab. Zwei davon fliegen 500 bis 600 Kilometer weit. Die Tests sind nach Angaben der Führung in Pjöngjang Teil eines simulierten Präventivschlags auf südkoreanische Häfen und Flugplätze.

3. August 2016

Regierungsbeamten aus Südkorea und Japan zufolge legt eine nordkoreanische Mittelstreckenrakete einen Weg von rund 1000 Kilometern zurück und landet in der Nähe von japanischen Hoheitsgewässern. Es handelt sich vermutlich um eine Rodong-Rakete.

24. August 2016

Eine erneut von einem U-Boot abgefeuerte Rakete ist 500 Kilometer unterwegs, ehe sie nahe Japan ins Wasser stürzt. Kim erklärt, sein Land habe die Fähigkeit erlangt, einen vollausgerüsteten Atomangriff auszuführen. Auch das US-Festland befinde sich in Schlagdistanz.

5. September 2016

Wieder fliegen drei mutmaßliche Mittelstreckenraketen Nordkoreas fast 1000 Kilometer weit, ehe sie in Gewässern nahe Japan landen.

9. September 2016

Nordkorea hat nach eigenen Angaben einen nuklearen Sprengkopf erfolgreich zur Explosion gebracht.

Wie soll Trump auf diesen Härtetest reagieren? Im Wahlkampf hat er noch versprochen, er wolle mit Kim Jong-Un reden. Das hat Tillerson jetzt erst mal ausgeschlossen. Die Aufrüstung der Nordkoreaner einfach hinnehmen kann der neue US-Präsident aber auch nicht, wenn amerikanische Städte bedroht sind. Und mit ein paar Bomben lässt sich das Problem vermutlich nicht mehr lösen – zumal die Risiken beträchtlich sind, damit einen Krieg mit Millionen Opfern auf der koreanischen Halbinsel auszulösen. Also doch reden und verhandeln?

Es spricht einiges dafür, dass Trump bei einer Verhandlungslösung zu einem ähnlichen Ergebnis kommen könnte, wie sein Vorgänger Barack Obama mit dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran: die Nordkoreaner müssten ihr Nuklearprogramm einfrieren und im Gegenzug würden die USA die Sanktionen gegen das Land lockern. Trump hat ein solches Geschäft im Falle Irans als den „schlechtesten Deal aller Zeiten“ geschmäht. Angesichts der Alternativen wäre jedoch die Eindämmung der Bedrohung noch das geringste Übel.

Tillerson hat jetzt eine neue Politik gegen Nordkorea angekündigt und wird diese womöglich bereits am Wochenende bei seinem Besuch in Peking mit der chinesischen Führung ausloten. Trump braucht China, um Nordkorea mit friedlichen Mitteln im Zaum zu halten. Da kommt es nicht gut an, wenn er den Chinesen gleichzeitig mit einem Handelskrieg droht. Zudem stellte der US-Präsident Chinas Haltung im Konflikt mit Nordkorea in Frage. „Nordkorea benimmt sich sehr schlecht“, schrieb Trump am Freitag auf Twitter. „Sie haben jahrelang mit den USA gespielt.“ China habe in dem Konflikt wenig getan, um zu helfen.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

17.03.2017, 15:34 Uhr

Nordkorea rasselt schon seit Jahrzehnten....Nordkorea hätte schon längst losgeschlagen...aber Nordkorea weis ganz genau...und hier besonders die Führungsspitze...fängt man den Krieg an, so hat man auch bereits verloren...und die Herrscher wollen ihre Macht über das Volk/Menschen nicht abgeben...darum werden die auch NIE einen Krieg anfangen....ein Krieg durch und für Nordkorea würde das Ende der Diktatur in Nordkorea bedeuten. Das Atomwaffenprogramm Nordkoreas dient einzig und alleine um sein eigenes Volk einzuschüchtern um es zu beherrschen. Für den Rest der Welt ist Nordkorea nur ein Armes und ausgezehrtes Land, dass sich immer noch im Mittelalter befindet.

Herr Holger Narrog

17.03.2017, 16:00 Uhr

China hat Nordkorea 1951 vor den US geführten UN Truppen mit dem Einsatz von 1 Mio. Soldaten am Yalu Fluss gerettet und die zahlenmässig weit unterlegenen US Truppen in die Flucht geschlagen..Irgendwann ist dann der Krieg am 38. Breitengrad eingefroren.

China ist Haupthandelspartner und Schutzmacht Nordkoreas und würde ein US affines Südkorea nicht an seiner Grenze dulden. Somit bedarf es letztlich einer Einigung der USA mit China um Nordkorea zum Einlenken zu bewegen. China hat seinem Schützling Nordkorea bereits sanktioniert indem es die Kohleimporte aus Nordkorea vorrübergehend gestoppt hat.

Ich nehme an die Botschaft ist indirekt an China gerichtet und eine Aufforderung an China Nordkorea weiter zu sanktionieren damit dieses die Atomaktivitäten einfriert.

Unbekannt

17.03.2017, 18:12 Uhr

HB : " Die bisherige Politik der USA und andere Bemühungen um ein atomwaffenfreies Nordkorea seien gescheitert, sagte Tillerson."
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Diese Bemühungen zielten auf eine Wiedervereinigung des kommunistischen Nord-Koreas mit dem demokratischen Südkorea - entsprechend der Regelung in D - und das liegt nicht im chinesischen Interesse; denn damit würde der Westen näher an die Grenze Chinas vorrücken.
Nordkorea wird von China wirtschaftlich und auch militärisch unterstützt und die A-Waffen Nordkoreas können de facto dem chinesischen A-Waffen-Arsenal zugerechnet werden. Chinesische Interkontinentalraketen können US-Städte erreichen, genau so wie russische Interkontinentalraketen US-Städte erreichen können und zwischen Nuklear-Mächten hat das Gesetz Gültigkeit : Wer zuerst schießt, stirbt als Zweiter !
Fazit : China testet Mr. Trump via Nordkorea --- aber China kritisierte bereits die beabsichtigte Aufstellung eines Raketenabwehrsystems in der Nähe Chinas. Daraus ergibt sich der Hinweis auf Verhandlungen.
Wie sagte es Egon Bahr in Zeiten des Kalten Krieges : "Wir erreichen den Wandel durch Annäherung" und das funktionierte. Mr. Trump wollte, lt. seinen Aussagen im Wahlkampf, mit dem Despoten in Nordkorea sprechen. Wahrscheinlich dürfte genau das der richtige Weg sein --
auch wenn sich der Magen dabei umdreht. Er sollte es zumindest versuchen.
Offen ist jedoch, was das Ergebnis von Verhandlungen sein wird und wie dabei chinesische Interessen Berücksichtigung finden können.

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