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09.03.2014

17:18 Uhr

Atomgespräche mit Iran

Ashton warnt vor überhöhten Erwartungen

Die EU-Außenbeauftragte Ashton bremst die Erwartungen zu den Atomgesprächen mit dem Iran. Ein Abkommen sei nicht garantiert. Teheran pocht gegen den Wunsch der Partner auf sein Recht, selbst Uran anzureichern.

EU-Außenbeauftragte Ashton mit dem iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif: „Schwierige Verhandlungen“. ap

EU-Außenbeauftragte Ashton mit dem iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif: „Schwierige Verhandlungen“.

TeheranDie EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat vor zu großen Erwartungen bei den Atomgesprächen mit dem Iran gewarnt. Die Verhandlungen seien „schwierig und herausfordernd", ein endgültiges Abkommen sei nicht garantiert, sagte Ashton am Sonntag bei ihrem ersten Besuch in Teheran seit ihrem Amtsantritt 2009. Dieser stieß in Israel auf scharfe Kritik.

Ashton leitet die derzeitigen Verhandlungen der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands mit Teheran. Bis Ende Juli soll eine Lösung gefunden werden, die dem Iran die friedliche Nutzung der Atomenergie erlaubt, die Entwicklung von Atomwaffen jedoch dauerhaft verhindert. Im Gegenzug sollen sämtliche Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden. Als einen ersten Schritt hatte Teheran in einem Interimsabkommen vom November unter anderem zugesagt, seine Urananreicherung für zunächst sechs Monate einzufrieren.

Teheran pocht jedoch gegen den Wunsch seiner Verhandlungspartner auf sein Recht, selbst Uran anzureichern. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif bekräftigte auch nach dem Gespräch mit seiner EU-Kollegin, das Abkommen müsse das Recht des iranischen Volks respektieren.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Ashton hält sich seit Samstag zu einem dreitägigen Besuch im Iran auf, in dessen Rahmen sie auch mit Präsident Hassan Ruhani zusammenkam. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna rief Ruhani zu engeren Beziehungen seines Landes mit der EU im Handels- und Energiebereich auf. Gleichzeitig bot er eine stärkere Kooperation im „Kampf gegen Terrorismus und Drogenhandel“ und bei der Suche nach einer Lösung der Konflikte in „Afghanistan, Irak oder auch Syrien“ an.

Israel lehnt die Atomverhandlungen mit Teheran ab. Es wirft dem Westen allzu großes Vertrauen in den neuen iranischen Präsidenten vor. Am Mittwoch brachte die israelische Armee nach eigenen Angaben im Roten Meer einen Frachter mit Raketen aus dem Iran auf. Das Schiff wurde in den Hafen von Eilat gebracht, wo seine Ladung untersucht wurde. Israel geht davon aus, dass die Waffen für den Gazastreifen bestimmt waren. Radikale Palästinenser feuern von dort aus immer wieder Raketen auf Israel ab. Teheran weist die Vorwürfe zurück.

Ashtons Teheran-Besuch stieß nun vor allem vor dem Hintergrund des mutmaßlichen Raketenfunds auf scharfe Kritik der israelischen Regierung. Geheimdienstminister Juval Steinitz sagte, er hätte von der EU-Außenbeauftragten erwartet, dass sie ihren Besuch „absagt oder zumindest vertagt“. Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, er würde von Ashton gern wissen, ob sie „ihre iranischen Gastgeber auf die Waffenlieferungen für Terrorgruppen angesprochen hat, und wenn nicht, warum nicht“. Niemand dürfe die „mörderischen Aktionen des Regimes in Teheran ignorieren“.

Von

afp

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