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24.11.2014

14:00 Uhr

Atomgespräche mit Iran

Keine Einigung, aber Verlängerung bis 2015

Die Frist für die Atomverhandlungen mit dem Iran läuft heute ab. Eine Einigung gibt es nicht. Immerhin sollen die Gespräche ab Dezember fortgesetzt werden. Ein Diplomat berichtet von Fortschritten in den Verhandlungen.

Frist soll verlängert werden

Keine Einigung in Atomgesprächen mit dem Iran

Frist soll verlängert werden: Keine Einigung in Atomgesprächen mit dem Iran

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Die internationalen Atomverhandlungen mit dem Iran werden voraussichtlich bis zum 1. Juli 2015 verlängert. Das teilte ein westlicher Diplomat am Montag am Verhandlungsort in Wien mit. Ursprünglich hatten sich die Verhandlungspartner darauf verständigt, bis zum 24. November eine abschließende Einigung erzielen zu wollen.

Als Tagungsort für die nächste Runde sind demnach wieder Wien sowie der Wüstenstaat Oman im Gespräch. Ein anderer Diplomat sagte, man müsse in den Hauptstädten Rücksprache halten und werde sich vor Jahresende erneut treffen. „Es sind Fortschritte erzielt worden.“

In den Verhandlungen geht es um eine Beschränkung des iranischen Atomprogramms. Im Gegenzug sollen die internationalen Sanktionen gegen die Islamische Republik schrittweise aufgehoben werden. Nach Angaben eines Diplomaten kann nach die Führung in Teheran nach der Vertagung der Gespräche zunächst nicht auf eine weitere Lockerung der Strafmaßnahmen hoffen.

Vor allem der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung Atomwaffen zu entwickeln. Die Führung in Teheran bestreitet dies. Auch Regierungen in der Region verfolgen die Gespräche mit Spannung: So fürchtet Israel, dass der Iran nur vage Zusagen macht und behält sich eine Zerstörung der Atomanlagen vor. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte in einem BBC-Interview: „Kein Abkommen ist besser als ein schlechtes Abkommen.“ Der Iran wolle die Aufhebung der Sanktionen erreichen und trotzdem weiter Uran anreichern. Auch Saudi-Arabien fürchtet einen Aufstieg des Nachbarn zur Atommacht.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Dass es bis zum Ablauf der Frist am Montag Mitternacht keinen Durchbruch in den Verhandlungen geben würde, hatte sich wegen der Differenzen bereits seit Wochen abgezeichnet. Dennoch verbreitete der Iran weiter Zuversicht: die Diplomaten des Landes arbeiteten noch immer auf eine Einigung hin, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Irna. Die russische Nachrichtenagentur Tass meldete, Präsident Wladimir Putin wolle am Montag am Telefon mit seinem iranischen Kollegen Hassan Ruhani über den Konflikt sprechen.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte bereits am Sonntag die Erwartungen gedämpft: „Wir sind bei diesem komplexen Konflikt in vielen Punkten noch auseinander“, sagte er der ARD. Am Montag traf er sich erneut mit seinen Kollegen aus dem Iran und den fünf UN-Vetomächten USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich. Ursprünglich sollten die Verhandlungen am 20. Juli abgeschossen werden. Als das nicht gelang, wurde die Frist auf den 24. November verlängert. Größter Streitpunkt ist, in welchem Umfang der Iran Uran anreichern darf. Das Material kann für die Energieproduktion wie auch für Atomwaffen verwendet werden.

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