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02.04.2011

18:11 Uhr

Atomkatastrophe

Radioaktivität verstrahlt Japan immer stärker

Die Meldungen aus Fukushima klingen bedrohlich: Jetzt sickert hochgradig verseuchtes Wasser ins Meer; Tokio ängstigt sich wieder vor der Atomwolke. Die japanische Regierung denkt unterdessen über radikale Schritte nach.

Die Menschen in der Region Fukushima fürchten sich vor der radioaktiven Gefahr. Quelle: dapd

Die Menschen in der Region Fukushima fürchten sich vor der radioaktiven Gefahr.

Fukushima/TokioDie Atomkatastrophe von Fukushima zieht immer weitere Kreise. Aus einem 20 Zentimeter langen Riss in einer Reaktorwand des havarierten Kraftwerks sickert radioaktives Wasser ins Meer. Der AKW-Betreiber Tepco bestätigte am Samstag nach Angaben des Fernsehsenders NHK, dass aus dem Leck unter Reaktor zwei Wasser mit einer Strahlung von mehr als 1000 Millisievert pro Stunde ins Meer laufe.

Greenpeace-Experte Wolfgang Sadik bezeichnete die gemessenen Werte als „lebensbedrohlich“. Der Riss ist laut NHK in der Wand einer zwei Meter tiefen Grube für Stromkabel. Tepco wolle das Loch mit Beton dichten, hieß es weiter. Um das verseuchte Wasser in der Anlage zu beseitigen, soll die Flüssigkeit unter den Turbinengebäuden in Tanks geleitet werden, meldeten die Nachrichtenagenturen Kyodo und Jiji Press. An diesem Sonntag sollen zudem Tests zum Besprühen der Anlage mit Harz zur Eindämmung der Strahlen fortgesetzt werden.

Das Wissenschaftsministerium veröffentlichte Werte des gefährlichen Jod-131, die im Meer rund 40 Kilometer von der Atomruine entfernt doppelt so hoch waren wie der zulässige Grenzwert. Es war das erste Mal, dass Radioaktivität über den gesetzlich zugelassenen Werten so weit vor der Küste gemessen wurde, wie NHK weiter meldete. Japanische Fischer reagierten mit Entsetzen und Wut auf die Nachrichten. „Was soll nur aus unserem Leben nun werden“, zitierte Jiji Press einen Fischer.

Meteorologen befürchten unterdessen, dass radioaktive Partikel aus dem havarierten Atomkraftwerk am Sonntag nach Tokio wehen könnten. Denn der Wind in Japan kommt immer mehr aus Nordost. „Tokio könnte etwas abkriegen“, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. Bislang trug der Wind die Strahlenbelastung hauptsächlich auf den offenen Pazifik hinaus. Unterdessen fallen die Temperaturen in den kommenden Nächten in Japan wieder unter den Gefrierpunkt. Dabei kommt es vor allem an der Westküste immer wieder zu Schauern. Um Tokio und Fukushima bleibt es hingegen weitgehend trocken.

Die japanische Regierung denkt mittlerweile über eine Umsiedlung von Menschen aus den vom Tsunami zerstörten Küstengebieten nach. Unter anderem werde die Möglichkeit erwogen, dort Landflächen und Grundstücke aufzukaufen, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag unter Berufung auf Regierungskreise. Die Bewohner könnten in höher gelegene Gebiete ziehen, die Wohnviertel an der Küste komplett aufgegeben werden.

Allerdings dürfte eine solche Massen-Umsiedlung auf den Widerstand der Bevölkerung treffen, hieß es. Viele der Menschen seien alt und wollten nicht wegziehen. Zudem wäre ein solches Unterfangen eine erhebliche Belastung für den ohnehin schon hochverschuldeten Staat, hieß es weiter.

Kommentare (8)

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Andyarbeit

02.04.2011, 19:41 Uhr

Eine sehr schlechte Lage für Japan. Wenn bereits jetzt darüber nachgedacht wird ganze Gebiete um zu siedeln, zeigt diese Überlegung das volle Ausmaß der Katastrophe.

Eine Sache die DL vollkommen unmöglich wäre, wohin sollen hier Menschen umsiedeln wenn's kracht?

Ich bleibe dabei, in der Tat mit Atomkraft ist in Zukunft kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Das zeigen aber auch so genante Leukämie Cluster bei Kleinkindern die in der Nähe von Atomkraftwerken leben.

Wir wissen nicht erst seit Fukushima das Atomkraft uns Menschen schwersten Schaden zu fügen kann.

Account gelöscht!

02.04.2011, 19:44 Uhr

Also ich bin bestimmt kein Grüner, aber das ist doch jetzt klar. Bevor man keine AKW so umrüsten kann, dass sie in jeder Lage gefahrlos wieder auseinandergebaut und entsorgt werden können, müssen sie ALLE WEG !
Das müssen alle Parteien in Deutschland begreifen, denn die Grünen werden brechtigterweise solange auf dem Thema ERFOLGREICH herumreiten, wie die regierenden nicht eine kurzfristige EU-AKW-Ausstiegs-Strategie beschlossen haben
Solange werden die Grünen weiter profitieren.

Hoffentlich kapieren das die konservativen Parteien sehr schnell !!!

Island

02.04.2011, 20:11 Uhr

Die Forschung in neuen AKW Reaktortypen wurde im unseren Land systematisch sabotiert, der schnelle Brüter ist ein Beispiel.

Wenn wir uns vor Augen führen das mit den heutigen Leichtwasserreaktoren wir nur ein Bruchteil der erzeugten Energie nutzen können, müssten wir bedenken das zukünftige Reaktortypen effizienter sind und sicherer.

Die Vorräte von Uran 238 sind begrenzt, lange Zeit ist man davon ausgegangen das die Vorräte nur für 50 Jahre reichen.

Die neuen Reaktortypen funktionieren und sind durch ihren Aufbau sicherer und es können andere Uranvorräte genutzt werden.

Wir dürfen auch nicht vergessen wir haben bis zum heutigen Tage, keine Wiederaufbereitungsanlage, geschweige den ein „Zwischenlager“ oder ein Endlager.

Das Zwischenlager der Schweden wäre ein großer Fortschritt für uns. Das Zwischenlager „Asse“ war nur für 15 Jahre dicht. Die damalige Umweltministerin Frau Merkel hat den Bericht für Asse gekannt! (Dem Ministerium wurde der Bericht zum Zeitpunkt von Frau Merkels Tätigkeit zugesandt)


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