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22.05.2012

11:15 Uhr

Atomprogramm

IAEA und Iran schließen Abkommen

Die Internationale Atomenergie-Behörde hat sich mit dem Iran auf eine Untersuchung der umstrittenen Atomanlagen geeinigt. Laut IAEA wird eine neue Vereinbarung auch Zugang zu militärischen Anlagen in Parchin sichern.

huGO-BildID: 26395481 (FILES) A file picture taken on November 17, 2011 shows International Atomic Energy Agency (IAEA) Director-General Yukiya Amano smiling during the board of governors conference at the agency headquarters in Vienna. IAEA director general Yukiya Amano will visit Iran on May 21, 2012 and meet Tehran's chief nuclear negotiator Saeed Jalili, the UN nuclear watchdog said on May 18. Amano will "discuss issues of mutual interest with high Iranian officials," the International Atomic Energy Agency said in a statement. AFP PHOTO/SAMUEL KUBANI AFP

huGO-BildID: 26395481 (FILES) A file picture taken on November 17, 2011 shows International Atomic Energy Agency (IAEA) Director-General Yukiya Amano smiling during the board of governors conference at the agency headquarters in Vienna. IAEA director general Yukiya Amano will visit Iran on May 21, 2012 and meet Tehran's chief nuclear negotiator Saeed Jalili, the UN nuclear watchdog said on May 18. Amano will "discuss issues of mutual interest with high Iranian officials," the International Atomic Energy Agency said in a statement. AFP PHOTO/SAMUEL KUBANI

WienDie Internationale Atomenergie-Organisation IAEA und Teheran haben sich auf ein Abkommen zur genaueren Untersuchung des umstrittenen iranischen Atomprogramms geeinigt. Eine entsprechende Vereinbarung solle bald unterzeichnet werden, sagte IAEA-Chef Yukiya Amano nach seiner Rückkehr aus Teheran am Dienstag auf dem Wiener Flughafen. Einige kleinere Meinungsverschiedenheiten müssten allerdings noch geklärt werden

Amano sagte, Teil der Vereinbarung sei auch der Zugang zu der militärischen Forschungsanlage in Parchin nahe Teheran. Der Westen verdächtigt den Iran, dort Tests mit Atomsprengköpfen zu simulieren. In dem Abkommen sollen die Bedingungen festgehalten werden, unter denen der Iran der IAEA Zugang zu Dokumenten, Experten und Anlagen gewährt. Amano sagte: „Es bestehen noch einige Unterschiede, aber Herr Dschalili erklärte, diese werden kein Hindernis sein, um eine Einigung zu erzielen.“ Details nannte der IAEA-Chef nicht.

Irans Atomanlagen

Angst vor der Bombe

Die westlichen Staaten befürchten, dass der Iran mit seinem Atomprogramm auch Bomben bauen will. Ein Überblick über die iranischen Nuklearanlagen.

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird Uran schwach angereichert. Das Material wird in Atomkraftwerken für die Stromgewinnung eingesetzt.

Für den Bau einer Atombombe müsste Uran weiter auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden. Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurde die Zahl der dazu nötigen Zentrifugen von 2600 auf 8808 erhöht.

Fordo

Erst 2009 gab Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Inzwischen sollen dort mehr als 100 Kilogramm auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran hergestellt worden sein.

Buschehr

Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb. Es hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Nach der islamischen Revolution 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Bauprojekt zurück.

Später stiegen die Russen ein. Das Kraftwerk hat zwei Atomreaktoren und steht im Südwesten des Landes.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Der erste iranische Brennstab wurde jüngst im Akw Buschehr eingefügt. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Den USA ist die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes seit 2002 bekannt. Hier fällt potenziell Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er auf 20 Prozent angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Parchin

Im Januar und Februar verweigerte der Iran IAEA-Inspekteuren den Zugang zur Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Möglicherweise wurden dort Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

Amano hatte sich am Montag mit Irans Atom-Chefunterhändler Said Dschalili in Teheran getroffen. Das Gespräch diente als Vorstufe zur großen Verhandlungsrunde der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates (USA, Russland, Frankreich, Großbritannien, China) sowie Deutschlands mit dem Iran an diesem Mittwoch in Bagdad.

Der Iran verweigert bislang den Zugang zu bestimmten Forschungszentren, in denen nach Vermutung des Westens an geheimen Militärprogrammen zum späteren Bau von Atomwaffen gearbeitet wird. Das Land leidet aber unter den vom Sicherheitsrat verhängten Wirtschaftssanktionen und könnte daher zu den Zugeständnissen bereit sein. Verhandlungen zwischen der IAEA und Vertretern aus dem Iran waren vor einer Woche ohne Ergebnis beendet worden.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Thomas

22.05.2012, 11:53 Uhr

Dieser Vorgang verwundert mich überhaupt nicht, wurde er doch von Iranicum bereits lange zuvor erwartet:



http://www.iranicum.com/2012/05/iran-und-obama-immer-mehr-auf-versohnungskurs/2997

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