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21.08.2012

12:59 Uhr

Atomstreit-Folgen

Iran will Banken-Sanktionen via Armenien umgehen

Für den Iran könnte es Nachbarschaftshilfe im großen Stil sein. Um überhaupt noch größere Transaktionen in Dollar oder Euro durchführen zu können, sollen jetzt armenische Banken ran. Es geht um eine Milliarden-Summe.

Irans Präsident Mahmud Achmadinedschad. In Teheran wird an einer schnellen Lösung gearbeitet, die Banken-Sanktionen zu umgehen. AFP

Irans Präsident Mahmud Achmadinedschad. In Teheran wird an einer schnellen Lösung gearbeitet, die Banken-Sanktionen zu umgehen.

New YorkDie wegen des Atomstreits mit dem Iran verschärften Sanktionen gegen das Land zeigen offenbar Wirkung. Um ihre Bank-Geschäfte abwickeln zu können, streckt die Islamische Republik nun ihre Fühler nach Armenien aus, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus vertraulichen Gesprächen mit Diplomaten erfuhr sowie aus verschiedenen Dokumenten hervorgeht. Der Schritt sei notwendig geworden, um die wegen der Sanktionen ausgefallenen Kontakte zu vielen Ländern wettzumachen. Die frühere Sowjet-Republik Armenien erklärte, das Land unterhalte keine illegalen Banken-Verbindungen zum Iran.

Armenien pflegt Handelsverbindungen zum Iran. Dazu zählt unter anderem eine im Bau befindliche Ölleitung. Nach Angaben der iranischen Führung haben die Beziehungen insgesamt ein Volumen von rund einer Milliarde Dollar pro Jahr. Um den Handel abzuwickeln, bedarf es folglich auch einiger Banken-Kontakte, die damit bereits bestehen dürften. Ein festeres Standbein in einer Landeswährung eines Nachbarlandes wie Armenien könnte für den Iran hilfreich sein, um Zahlungskontakte mit dem Ausland zu verschleiern.

Die Sanktionen haben dazu geführt, dass der Iran kaum noch Finanztransaktionen in Dollar oder Euro abwickeln kann. Auch ein Expertenbericht der Vereinten Nationen (UN) kam jüngst zu dem Schluss, dass der Iran mit Hochdruck nach Wegen sucht, um die Restriktionen für seinen Bankensektor zu umgehen. Diplomaten hatten dabei ebenfalls Armenien genannt.

Auf Basis der bestehenden Sanktionen ist es nicht grundsätzlich verboten, mit iranischen Banken Geschäfte zu machen. Voraussetzung ist aber, dass die Transaktionen nichts mit dem Atom- oder Raketen-Programm des Landes zu tun haben oder mit Firmen oder Einzelpersonen, die mit Sanktionen von USA, der Europäischen Union (EU) oder den Vereinten Nationen (UN) belegt sind. Jüngst war die britische Bank Standard Chartered in die Schlagzeilen geraten. Über Jahre hinweg soll sie Transaktionen mit dem Iran in Milliardenhöhe bewusst an den US-Behörden vorbei getätigt haben.

Von

rtr

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