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30.06.2015

17:34 Uhr

Atomstreit

Iran hat Auflagen erfüllt, Gespräche gehen weiter

Der Iran hat die Auflagen zur Reduzierung seines Uran-Vorrats erfüllt. Ein Kompromiss scheint damit so nah wie noch nie. Die Gespräche über ein endgültiges Atomabkommen gehen weiter – trotz ablaufender Frist.

John Kerry (3. von links) und Mohammad Javad Zarif (2. von rechts) sitzen an einem Tisch. dpa

Treffen in Wien

John Kerry (3. von links) und Mohammad Javad Zarif (2. von rechts) sitzen an einem Tisch.

WienDie Frist für eine Einigung bei den Atomverhandlungen mit dem Iran ist bis zum 7. Juli verlängert worden. Darauf haben sich die 5+1-Gruppe (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland) und der Iran nach Angaben des US-Außenministeriums am Dienstag verständigt.

Eigentlich wäre die selbst gesetzte Frist in der Nacht zum Mittwoch (Mitternacht) abgelaufen. Die EU hat ihrerseits beschlossen, die bisherigen Vereinbarungen zur teilweisen Aufhebung von Sanktionen gegen die Islamische Republik ebenfalls bis zum 7. Juli zu verlängern.

Diplomaten erklärten zudem, die Gespräche sollten so lang wie nötig fortgesetzt werden, um eine Einigung zu finden. „Ich bin hier, um ein endgültiges Abkommen abzuschließen und ich glaube, wir können das erreichen“, sagte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif nach seiner Ankunft. US-Außenminister John Kerry erklärte nach einem Treffen mit Sarif lediglich: „Wir hatten ein gutes Gespräch.“

Am Dienstag endete eigentlich die Frist für eine Einigung. Da aber nach einer Woche intensiver Verhandlungen auf Fachebene ein Kompromiss so nah wie nie zuvor schien, wurden die Gespräche auf Außenminister-Ebene fortgesetzt. Trotzdem warnten Verhandlungsbeteiligte vor verfrühten Optimismus. Es würden weiterhin schwierige Fragen auf dem Weg zu einem Kompromiss zu lösen sein, sagte ein Vertreter der US-Regierung. „Wir wissen immer noch nicht, ob es möglich sein wird, da hin zu kommen.“ US-Diplomaten erklärten, bis spätestens am 9. Juli müsse eine Einigung stehen. Andernfalls würden sich die Entscheidungsprozesse für ein Aufheben der Sanktionen in den USA dermaßen in die Länge ziehen, dass eine Einigung gefährdet werde.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Neben dem Iran und den USA nahmen Vertreter Großbritanniens, Chinas, Frankreichs, Deutschlands, Russlands sowie der Europäischen Union an den Gesprächen teil. Westliche Staaten werfen dem Iran vor, die Entwicklung von Atomwaffen anzustreben. Die islamische Republik weist das zurück, lässt aber auch internationale Kontrollen seiner Nuklearanlagen nicht zu. Um den Druck zu erhöhen, ist das Land mit einer Reihe von Wirtschaftssanktionen belegt worden.

Einer der offenen Streitpunkte ist die internationale Kontrolle von Militäranlagen. Zwar erklärten westliche Diplomaten, in dieser Frage nähere man sich einer Resolution an. Allerdings hat das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, den Zugang zu Militäranlagen für nicht verhandelbar erklärt. Strittig war zudem, in welchem Tempo die Sanktionen gegen den Iran abgebaut werden sollen.

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Gute Gründe für eine Einigung mit dem Iran

Handelsblatt in 99 Sekunden: Gute Gründe für eine Einigung mit dem Iran

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Kommentare (1)

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Herr reiner tiroch

01.07.2015, 08:47 Uhr

in einem anderen bericht war zu Lesen, dass die USA im Falle keiner Einigung eine Super A-Bombe für das AKW dort zum Einsatz kommen wird. das ist eine ernstzunehmende Drohung.

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