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13.12.2013

16:12 Uhr

Atomstreit

Iran unterbricht Verhandlungen nach neuen US-Sanktionen

Iran hat die Atomgespräche in Wien unterbrochen, weil die USA neue Sanktionen gegen sein Nuklearprogramm verhängt haben. Laut US-Außenminister John Kerry würden die Verhandlungen aber bald fortgesetzt.

Die Flagge der IAEA vor dem UN-Gebäude in Wien. Bei den Atomgesprächen mit dem Iran gab es zwar eine Unterbrechung, doch deutet sich weiterhin nach jahrelangem Stillstand ein erster Durchbruch an. dpa

Die Flagge der IAEA vor dem UN-Gebäude in Wien. Bei den Atomgesprächen mit dem Iran gab es zwar eine Unterbrechung, doch deutet sich weiterhin nach jahrelangem Stillstand ein erster Durchbruch an.

Wien/BrüsselNach der Verhängung von neuen US-Sanktionen gegen sein Nuklearprogramm hat der Iran die Atomgespräche in Wien unterbrochen. US-Außenminister John Kerry beteuerte am Freitag dennoch, die Verhandlungen über einen Kompromiss im Atomstreit seien nicht in Gefahr und würden bereits in den kommenden Tagen fortgesetzt.

Die Iraner hatten nach Angaben von Diplomaten möglicherweise aus Verärgerung über die Ausweitung der Sanktionen die Beratungen auf Expertenebene in Wien ausgesetzt. Wie Kerry betonten auch mehrere Diplomaten, das vor etwa drei Wochen ausgehandelte Abkommen mit dem Iran sei nicht in Gefahr.

Die US-Regierung hatte zuvor am Donnerstag weitere Unternehmen und Personen aus dem Iran auf ihre schwarze Liste gesetzt. Trotz der jüngsten Vereinbarung würden all jene in die Sanktionen einbezogen, die das iranische Atomprogramm unterstützten, hieß es in Washington. Bei den Betroffenen soll es sich um Firmen und Personen handeln, die Geschäfte für andere vornehmen, die bereits auf der Liste stehen.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Irans Vize-Außenminister Abbas Arakchi kritisierte am Freitag die neuen Maßnahmen. "Das verstößt gegen den Geist der Vereinbarung", sagte er der Nachrichtenagentur Fars. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums schlug in dieselbe Kerbe. Eine Erweiterung der US-Liste könnte es schwieriger machen, das in Genf getroffene Abkommen umzusetzen, sagte sie.

Ende November hatten sich der Iran sowie die fünf UN-Vetomächte und Deutschland auf ein Abkommen geeinigt, das erste vertrauensbildende Schritte im Atomstreit vorsieht. Darin erklärt sich der Iran bereit, Teile seines Atomprogramms auszusetzen und intensivere Kontrollen der Vereinten Nationen zuzulassen. Im Gegenzug werden einige Sanktionen gelockert. Insbesondere der Westen vermutet, dass der Iran an Atomwaffen arbeitet. Die Regierung in Teheran weist dies zurück.

Von

rtr

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