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08.04.2014

19:56 Uhr

Atomstreit

Kerry schlägt gegen den Iran schärfere Töne an

Bei den Atomverhandlungen über den Iran liegen die Positionen der Verhandlungspartner weit auseinander. US-Außenminister Kerry legte jetzt noch einmal verbal nach und schlug einen schärferen Ton an.

John Kerry: Der Iran kann bald über waffenfähiges Atommaterial verfügen – wenn er will. dpa

John Kerry: Der Iran kann bald über waffenfähiges Atommaterial verfügen – wenn er will.

WienIm Atomstreit mit dem Iran haben die USA parallel zu einer neuen Verhandlungsrunde einen schärferen Ton angeschlagen. Es sei kein Geheimnis mehr, dass der Iran innerhalb von zwei Monaten genug spaltbares Material für eine Atombombe herstellen könnte, sollte die Führung in Teheran dies wünschen, sagte US-Außenminister John Kerry am Dienstag bei einer Parlamentsanhörung in Washington. Seine Äußerungen unterstrichen noch einmal die Brisanz der laufenden Verhandlungen zwischen der sogenannten Sechser-Gruppe und dem Iran, die am Dienstag in Wien in eine weitere Etappe gegangen waren.

In der bis Mittwoch laufenden Verhandlungsrunde geht es vor allem um die Frage, wie das iranische Atomprogramm überwacht werden kann und wie mit den seit 2006 verabschiedeten Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verfahren werden soll. Diplomaten warnten vor überzogenen Hoffnungen auf einen raschen Durchbruch. „Wir sind noch in der Erkundungsphase“, sagte ein Diplomat.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Nach Einschätzung westlicher Unterhändler liegen die Positionen der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands sowie des Irans in entscheidenden Punkten noch weit auseinander. Die USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland wollen bis spätestens Juni einen konkreten Vorschlag für eine Vereinbarung mit der Regierung in Teheran ausarbeiten, wie der seit Jahren andauernde Atomstreit beendet werden kann.

Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines Programms für Kernenergie auch nach Atomwaffen zu streben, was die Regierung in Teheran zurückweist. Im November hatten die Verhandlungspartner eine vorläufige Verständigung erzielt, um mehr Zeit für weitere Gespräche zu gewinnen. Der Iran verzichtete demnach auf eine höhere Uran-Anreicherung, im Gegenzug wurden einige Sanktionen gelockert. Die Frist für eine endgültige Einigung läuft im Juli ab. Die Verhandlungen könnten aber um ein halbes Jahr verlängert werden, wenn beide Seiten zustimmen.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

09.04.2014, 08:21 Uhr

Das sind Vorbereitungen für einen Überfall auf Persien.

Das Problem ist nur, dass es unter Obama keinen Überfall geben wird, denn er ist "O BA MA", was auf Farsi (der Persischen Sprache "der welcher auf unserer Seite steht" bedeutet (das stammt aus einer alten Prophezeiung aus dem 16. Jahrhundert, einem sogenannten Hadith).

Die Juden werden ihn schon umbringen müssen, wenn sie ihren Krieg wollen, wenn sie ihr scheiss Bankensystem (das Westliche) retten wollen und das werden sie auch seeeehr bald tun. 1914 lässt grüßen.

@ Santos: Naivling.

Account gelöscht!

09.04.2014, 08:25 Uhr

USA und Israel als "Friedens Engel". Irgendwie habe ich ein komisches Gefühl, wenn ich mir aggressive Aussenpolitik und die militärische Vergangenheit dieser Staaten anschaue. Zwei Wölfe wollen einen Fuchs überzeugen und zwingen Vegetarier zu werden.

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09.04.2014, 14:57 Uhr

Ich denke, der Bogen ist überdehnt, die Drohungen ziehen nicht mehr. Nachdem es eine deutliche Annäherung zwischen Russland und Iran gibt, bricht einer neuen Sanktionsdrohung die Flanke weg. Auch wenn die iranische Wirtschaft leidet - dadurch ist den USA und Israel nicht geholfen. Im Übrigen ist es ein gelungener Schachzug des Iran, seine Fähigkeiten zum Bau einer A-Bombe voranzutreiben, ohne den letzten Schritt zu gehen, welcher (international) sanktionswürdig wäre. Allein -die Fähigkeiten selbst zu entwickeln- erhöht den Einigungsdruck auf den "Westen", und der Iran kann selbstbewusster damit auftrumpfen, wohl wissend, dass auch seine konventionellen Fähigkeiten der Luftabwehr immer besser bzw. unberechenbarer werden. Das Risiko für Israel bei einem Angriff steigt, die USA verzetteln sich zunehmend auf der halben Welt in unlösbare Probleme. Umgekehrt steigt damit auch das Risiko, dass wenn es irgendwo zum offenen Konflikt kommt, sich die Angelegenheit über die Welt bzw. die anderen Krisenherde unkontrolliert ausdehnt.

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