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01.03.2012

12:11 Uhr

Atomstreit

Liebesgrüße aus Nordkorea kommen gut an

Die überraschende Aussetzung des nordkoreanischen Atomprogramms wird weltweit positiv aufgenommen. Gleichzeitig wächst bei vielen Ländern die Hoffnung, dass dies der Anfang einer neuen Entspannungspolitik sein könnte.

Nordkorea erklärt sich zu Atomteststopp bereit

Video: Nordkorea erklärt sich zu Atomteststopp bereit

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Seoul/Peking/TokioNach der Einigung zwischen USA und Nordkorea ist die Wiederaufnahme der Sechs-Länder-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm nähergerückt. Diese Ansicht vertraten am Donnerstag China und Japan, die neben den USA, den beiden koreanischen Staaten und Russland an den Gesprächen beteiligt sind. Die am Mittwoch erzielte Einigung sieht eine Aussetzung des Atomprogramms im Tausch für Nahrungsmittelhilfen aus den USA vor.

Und offenbar plant der Chefunterhändler Nordkoreas auch eine Reise in die USA, wie die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Verhandlungskreise meldet. Der Unterhändler Ri Yong Ho werde in der kommenden Woche im US-Staat New York erwartet, wo er an einem Forum an der Syracuse University teilnehmen werde, erklärten zwei Gewährsleute. Am Rande der von der Friedrich-Ebert-Stifung mitorganisierten Veranstaltung werde Ri vermutlich mit Vertretern der US-Regierung zusammentreffen.

Nordkorea hatte sich am Mittwoch nach Verhandlungen mit den USA bereit erklärt, seine umstrittene Urananreicherung auf Eis zu legen und alle Atom- und Langstreckentests zu unterbrechen.

Militär in Nord- und Südkorea

Zwei militärische Regionalmächte

An Koreas Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad stehen sich zwei von Großmächten unterstützte militärische Regionalmächte gegenüber. Während im westlich orientierten Südkorea Angaben über das Militär meist öffentlich zugänglich sind, beruhen Daten zur Armee des abgeschotteten Nordens meist auf Schätzungen.

Truppenstärke

Rund 1,19 Millionen Streitkräfte stehen Nordkorea zur Verfügung. Davon entfallen 1,02 Millionen auf das Heer, 60.000 auf die Marine und 110.000 auf die Luftwaffe. Außerdem stehen 600.000 Reservisten bereit. Südkorea besitzt eine Truppenstärke von rund 655.000 Menschen, wobei 522.000 auf das Heer, 68.000 auf die Marine und 65.000 auf die Luftwaffe entfallen. Zusätzlich gibt es in Südkorea 4,5 Millionen Reservisten.

Kampfpanzer

Nordkorea verfügt über 3.500 Kampfpanzer. In Südkorea sind es 2.750 an der Zahl.

Artilleriegeschütze

10.774 Artilleriegeschütze befinden sich im Besitz von Südkorea. Mehr als das doppelte, insgesamt etwa 21.000 Stück sind es in Nordkorea.

Boden-Boden-Raketen

Zu den Boden-Boden-Raketen zählen solche, die vom Boden aus gegen Bodenziele eingesetzt werden. Darunter fallen unter anderem Raketengranaten oder Panzerfäuste. 64 solcher Waffen hat Nordkorea zur Verfügung, 30 sind es in Südkorea.

Kampfflugzeuge

Etwa 620 Kampfflugzeuge sind in Nordkorea für den Einsatz bereit, davon entfallen 458 auf Jagdflugzeuge, 80 sind reine Bomber. Südkorea verfügt über 490 einsatzbereite Kampfflugzeuge, worunter sich 467 Jagdflugzeuge befinden.

Kriegsschiffe

Über lediglich drei Kriegsschiffe verfügt Nordkorea - allesamt Fregatten. 47 Schiffe stehen Südkorea zur Verfügung, darunter ein Kreuzer, 6 Zerstörer, 12 Fregatten und 30 Korvetten.

Taktische U-Boote

Solche U-Boote sind für gewöhnlich mit Torpedos bewaffnet. 70 dieser Boote hat Nordkorea auf Lager, 23 sind es in Südkorea.

Kleinere Küstenwachtboote

Nordkorea verfügt zusätzlich über 383 Küstenwachtboote. Südkorea kommt auf eine Zahl von 111.

Der Ost-Asien-Experte der Konrad-Adenauer-Stiftung, Oliver Beckmann, sieht im Aussetzen des nordkoreanischen Atomprogramms ein „überraschendes und optimistisch stimmendes Signal“. „Es geht natürlich um Lebensmittellieferungen - aber nicht nur. Denn das Aussetzen des Atomprogramms ist ein politisches Signal und hoffentlich ein Zeichen für den Willen zum politischen Wandel“, sagte Beckmann dem „Tagesspiegel“.

Schon die Tatsache, dass am Mittwoch das US-amerikanische State Department und das offizielle nordkoreanische Propagandaorgan Korean Central News Agency (KCNA) gleichzeitig und fast wortgleich auf ihren Seiten verkündet haben, das Moratorium durchzuführen und Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) ins Land zu lassen, „spricht dafür, dass die neue nordkoreanische Führung es ernst meint“.

Mit der Ankündigung gehe Nordkorea in „Vorleistung“ zu den voraussichtlich ab Sommer wieder beginnenden Sechs-Parteien-Gesprächen, an denen neben Nordkorea auch Südkorea, China und Russland sowie Japan und die Vereinigten Staaten teilnehmen.

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