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08.03.2012

20:57 Uhr

Atomstreit mit Iran

Weltmächte fordern Zugang zu Militäranlage

In den Atomstreit mit dem Iran kommt Bewegung. Die Weltmächte wollen wieder mit Teheran verhandeln. Der islamische Staat soll aber mit der Internationalen Atomenergiebehörde kooperieren.

Der Botschafter der USA bei der IAEA, Robert Wood, in Wien. AFP

Der Botschafter der USA bei der IAEA, Robert Wood, in Wien.

Wien/TeheranDie Weltmächte erhöhen im Atomstreit den Druck auf Teheran. Die iranische Führung soll der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Zugang zur Militäranlage Parchin gewähren, forderten die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sowie Deutschland in einer gemeinsamen Stellungnahme vor dem Gouverneursrat der IAEA. In dem Text der sechs Staaten - neben Deutschland China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA - heißt es: „Wir fordern Iran dringend auf, seine Versprechen, Zugang zu Parchin zu gewähren, einzulösen.“ Die Europäische Union schloss sich dem Appell an.

Der Iran hatte Experten der IAEA wiederholt den Zugang zu der verdächtigen Militäranlage verweigert, in der möglicherweise Tests mit Atomsprengköpfen simuliert wurden. Die IAEA hat Informationen, wonach dort derzeit Sanierungsarbeiten durchgeführt werden und ist in Sorge, dass dabei Spuren von verdächtigen Forschungsprojekten beseitigt werden könnten. Daher ist für die Atomwächter eine Inspektion der Anlage in naher Zukunft vorrangig.

Der iranische Botschafter bei der IAEA, Ali-Asgar Soltanieh, nannte die Berichte über Sanierungsarbeiten eine „kindische, lächerliche Geschichte“. Sein Land arbeite nicht an der Entwicklung einer Nuklearwaffe, betonte Soltanieh vor Journalisten in Wien. Ein Besuch der Anlage in Parchin sei bei der letzten Visite von IAEA-Experten in Teheran nur „ein untergeordnetes Thema unter anderen Fragen“ gewesen.

Der Iran hält daran fest, dass eine Visite der Anlage möglich sei, nachdem eine grundlegende Vereinbarung darüber erzielt sei, wie die Untersuchungen der IAEA zum vermuteten Atomprogramm ablaufen sollen. Der Chef der IAEA, Yukiya Amano, sagte, seine Behörde habe diesbezüglich selbst noch nichts von Iran gehört. „Wir müssen diese Angelegenheit nach Tatsachen beurteilen, nicht nach Worten“, erklärte Amano.

In ihrer gemeinsamen Stellungnahme bekräftigten Deutschland, China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA ihre Unterstützung für eine diplomatische Lösung des Konflikts und ihre Bereitschaft, den Dialog mit dem Iran wieder aufzunehmen. In einer Stellungnahme der EU-Staaten hieß es: „Wir fordern den Iran dringend auf, unverzüglich in einen aussagefähigen Dialog mit der IAEA zu treten, um alle offenen Fragen zu lösen.“

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

09.03.2012, 02:26 Uhr

Forderung mit „Geschmäckle“

Die Militäranlage in Parchin ist eine Anlage zur Entwicklung von Raketentechnologie. Auch im Westen glaubt niemand, dass dort Atombomben gebaut werden sollen. Es geht darum, ob dort Zünder für Atombomben entwickelt werden. Testeinrichtungen etc. für so etwas kann man nicht bei einer „Besichtigungstour“ finden. Die Forderung läuft also im Kern darauf hinaus, dass der Iran sein Raketenprogramm offenlegt. Ob es in dem Streit wirklich hilfreich ist, sich auf Parchin zu konzentrieren, wage ich zu bezweifeln. Es macht den ohnehin schwierigen Konflikt nur komplizierter.
Wenn der Iran Atombomben baut, dann wahrscheinlich Plutoniumbomben. Dafür braucht man einen Atomreaktor, wie ihn die Iraner gerade in Betrieb nehmen. Geeignete Anlagen wären relativ leicht zu überwachen, ebenso wie eine theoretisch denkbare Urananreicherung auf Atombombenniveau. Darauf sollte man sich konzentrieren und keine Scheindiskussionen führen.
Verworren ist die Lage vor allem dadurch, dass man dem Iran den Betrieb von Kernkraftwerken verbieten will. Dann kann man sich eben auch schwer darauf einigen, deren Betrieb zu überwachen. Ein großer Teil des Streits ist eine direkte Folge der westlichen Politik. Das Problem dabei, wenn der Iran sowieso leiden muss und niemand dem Iran glaubt, warum nicht erst recht eine Bombe bauen? Etwas verbale Entspannung würde dem Frieden mehr helfen.

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09.03.2012, 09:02 Uhr

Wenn der Iran sein Atomprogram offen legen muss, bestehe ich darauf, dass das Israelische Atomprogram sofort offengelegt wird, und international überwacht wird.
Danke

faelltnichtsein

09.03.2012, 14:09 Uhr

Mir ist bisher entgangen das Israel je das Existenzrecht seiner Nachbarn angezeifelt und die Auslöschung jener gefordert hat,
noch wurde, trotz 1000er auf Israel abgeschossener Raketen, in den letzten Jahrzehnten von dieser Bombe gebraucht gemacht...

Mal ganz davon abgesehen das Israel mit bereits 1-2 Bomben unbewohnbar gemacht werden kann was auf den Iran nicht zutrifft... ebenso wenig besteht die Gefahr, dass Israel eine schmutzige Bombe an eine der Hamas oder Hisbollah ähnelnden Organisation liefert...

Sie vergleichen auf populistische Art und Weiße Äpfel mit Birnen, sich derart niveaulos und undifferenziert zu solch einem Thema zu äußern bei dem es um das Leben von Millionen von Menschen geht ist einfach nur widerlich...

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