Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.06.2015

12:45 Uhr

Atomstreit

Obamas Ex-Berater warnen vor Atom-Deal mit Iran

Der Atomstreit zwischen den USA und dem Iran soll endlich ein Ende finden. Dafür finden sich der US-Außenminister und sein iranischer Kollege in Wien zusammen. Doch ehemalige Obama-Berater warnen vor einem Deal.

US-Außenminister John Kerry verhandelt mit dem iranischen Außenminister Mohammad Javad Zarif in Wien über das iranische Atomprogramm. dpa

Atomgespräche

US-Außenminister John Kerry verhandelt mit dem iranischen Außenminister Mohammad Javad Zarif in Wien über das iranische Atomprogramm.

Washington/TeheranIm zähen Atomstreit mit dem Iran warnen fünf ehemalige Berater des US-Präsidenten Barack Obama vor zu großen Zugeständnissen an das von islamischen Fundamentalisten beherrschte Land. Kurz vor Ablauf der Frist für eine Einigung am 30. Juni äußerten sich die Experten in einem offenen Brief sehr besorgt.

„Die meisten von uns hätten ein strikteres Abkommen bevorzugt“, heißt es in dem Brief. Es biete keine langfristige Lösung. „Das Abkommen wird den Iran nicht an einer Entwicklung von Kernwaffen hindern. Es wird keine Zerstörung der iranischen Infrastruktur zur Anreicherung von Uran verlangen.“ Es werde aber die Infrastruktur immerhin in den nächsten zehn bis 15 Jahre verkleinern und das Atomprogramm transparenter machen.

Grundsätzlich geht es aus Sicht des Westens darum, dem Iran ein ziviles Atomprogramm zu ermöglichen, jedoch eine atomare Bewaffnung auszuschließen. Der Iran pocht hingegen auf sein Recht zur friedlichen Nutzung der Atomenergie und fordert die Aufhebung von Sanktionen, die vor allem Wirtschaft und Handel lähmen.

Zuerst hatte unter anderem die „New York Times“ über den Brief berichtet. Unterschrieben hat unter anderem der ehemalige Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, David Petraeus, der bis zu seinem Rücktritt 2012 für verdeckte Einsätze gegen den Iran verantwortlich war.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

US-Außenminister John Kerry und sein iranischer Amtskollege Mohammed Dschawad Sarif reisen am Freitag zu weiteren Verhandlungen nach Wien. Bis zum 30. Juni wollen Teheran und der Westen dort eine endgültige Einigung finden. Die UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien) sowie Deutschland hatten sich im April mit der Islamischen Republik auf ein Rahmenabkommen verständigt. Seitdem trafen sich Experten und Unterhändler regelmäßig, um Details zu klären.

Nach iranischen Angaben ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen. Da der Vertrag zweisprachig auf Englisch und Persisch verfasst werden muss, komme es in komplizierten Passagen zu Formulierungsproblemen.

Kerry sagte am Mittwoch, es sei weiterhin möglich, dass es am Ende zu keiner Einigung komme.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×