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04.10.2013

08:13 Uhr

Atomstreit

USA bieten Iran gelockerte Sanktionen an

Das Verhältnis zwischen USA und Iran könnte sich weiter entspannen: Washington hat dem Staat jetzt die Lockerung von Sanktionen angeboten. Das amerikanische Entgegenkommen ist jedoch an mehrere Forderungen geknüpft.

Der US-Präsident Barack Obama an einem Rednerpult. Die USA wollen dem Iran eine Lockerung der Sanktionen ermöglichen. AFP

Der US-Präsident Barack Obama an einem Rednerpult. Die USA wollen dem Iran eine Lockerung der Sanktionen ermöglichen.

WashingtonIm Atomstreit mit dem Iran haben die USA der Islamischen Republik kurzfristig die Lockerung einiger Sanktionen in Aussicht gestellt. Voraussetzung sei aber, dass sich das Land auf die USA zubewege, Aufklärung über sein Nuklearprogramm ermögliche und die Anreicherung von Uran verlangsame, sagte die US-Chefunterhändlerin Wendy Sherman vor einem Senatsausschuss am Donnerstag in Washington. Zugleich appellierte Sherman an den Senat, mit neuen Strafmaßnahmen bis nach einem Treffen der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands mit dem Iran Mitte Oktober zu warten.

Die USA, die UN und die EU haben umfangreiche Sanktionen gegen den Iran verhängt, die mittlerweile die Wirtschaft des Golfstaates zu spüren bekommt. Die Weltgemeinschaft wirft dem Iran vor, unter dem Deckmantel der Energieerzeugung Atomwaffen zu entwickeln. Die Führung in Teheran bestreitet das.

Irans Atomanlagen

Angst vor der Bombe

Die westlichen Staaten befürchten, dass der Iran mit seinem Atomprogramm auch Bomben bauen will. Ein Überblick über die iranischen Nuklearanlagen.

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird Uran schwach angereichert. Das Material wird in Atomkraftwerken für die Stromgewinnung eingesetzt.

Für den Bau einer Atombombe müsste Uran weiter auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden. Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurde die Zahl der dazu nötigen Zentrifugen von 2600 auf 8808 erhöht.

Fordo

Erst 2009 gab Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Inzwischen sollen dort mehr als 100 Kilogramm auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran hergestellt worden sein.

Buschehr

Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb. Es hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Nach der islamischen Revolution 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Bauprojekt zurück.

Später stiegen die Russen ein. Das Kraftwerk hat zwei Atomreaktoren und steht im Südwesten des Landes.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Der erste iranische Brennstab wurde jüngst im Akw Buschehr eingefügt. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Den USA ist die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes seit 2002 bekannt. Hier fällt potenziell Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er auf 20 Prozent angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Parchin

Im Januar und Februar verweigerte der Iran IAEA-Inspekteuren den Zugang zur Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Möglicherweise wurden dort Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

Seit der Wahl des als gemäßigt geltenden Hassan Ruhani zum iranische Präsidenten sind versöhnlichere Töne aus Teheran zu hören. So erklärte er Ende September in New York, er strebe rasch ein greifbares Ergebnis in den Verhandlungen mit den sechs Mächten an. Außerdem telefonierte er während seines Aufenthalts in den USA mit Präsident Barack Obama. Dieser forderte Ruhani zugleich auf, seinen Worten Taten folgen zu lassen.

Von

rtr

Kommentare (6)

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kidrontal

04.10.2013, 08:41 Uhr

In der Beschreibung heißt es, dass die Anlage in Natans unterirdisch ist. Das ist falsch.

Außerdem: Wer ist andauernd mit der "Weltgemeinschaft" gemeint, die den Iran verdächtigt? 118 Staaten unterstützen das Atomprogramm. :/

deniz50

04.10.2013, 10:01 Uhr

Ich finde es einfach nur lachhaft von USA. Iran ist umgeben von Atommächten wie USA, Pakistan und Israil . Die würden das gar nicht wagen. Iran wird bestraft weil es sich weigert der USA als schosshündchen zu dienen.

Account gelöscht!

04.10.2013, 10:14 Uhr

Eine der nicht öffentlichen Forderungen dürfte sein, dass der Iran sich verpflichtet seine Ölgschäfte künftig weiterhin brav in Dollar abzuwickeln?

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