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09.09.2016

12:29 Uhr

Atomtest in Nordkorea

Größere Sprengkraft als die Hiroshima-Bombe

Pjöngjang meldet seinen fünften Atomwaffentest. Experten zufolge war die Sprengkraft größer als bei der Bombe in Hiroshima. Berlin verurteilt den Test als „Provokation“ und bestellt den Botschafter ein.

Atomwaffentest in Nordkorea

Gewaltige Erschütterungen in Region: Nordkorea provoziert mit Atomtest

Atomwaffentest in Nordkorea: Gewaltige Erschütterungen in Region: Nordkorea provoziert mit Atomtest

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Tokio/SeoulNordkorea hat seinen fünften Atomtest gemeldet. Dabei sei ein „nuklearer Atomsprengkopf“ mit Erfolg zur Explosion gebracht worden, berichtete das Staatsfernsehen am Freitag, dem 68. Jahrestag der Staatsgründung. Das Land rechtfertigt den Test als Teil seiner Gegenmaßnahmen gegen die Bedrohung durch die USA. Das Land beansprucht, nun die Atomwaffen so weit verkleinern zu können, dass sie auch auf Raketen passen.

Die Sprengkraft war Experten zufolge gewaltiger als bei allen anderen Tests zuvor. Jeffrey Lewis vom Middlebury Institut Internationaler Studien in Kalifornien schätzte sie auf 20 bis 30 Kilotonnen. Das wäre mehr als die Bombe auf die japanische Stadt Hiroshima. Südkoreas Militär ging der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge vorerst von zehn Kilotonnen aus.

US-Präsident Barack Obama warnte Pjöngjang vor „ernsthaften Konsequenzen“. Obama habe mit den Regierungschefs von Südkorea und Japan telefoniert, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, am Freitag in Washington. Der US-Präsident werde in den kommenden Tagen „weiter mit unseren Verbündeten und Partnern beraten, um sicherzustellen, dass provokativen Aktionen Nordkoreas mit ernsthaften Konsequenzen begegnet wird“.

Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm (2016)

6. Januar 2016

Nordkorea führt seinen vierten Nukleartest aus. Nach eigenen Angaben wurde eine „miniaturisierte“ Wasserstoffbombe getestet. Experten ziehen die Angaben in Zweifel. (Quelle: AP)

7. Februar 2016

Nordkorea schießt nach eigenen Angaben eine Langstreckenrakete ins All.

9. März 2016

Machthaber Kim Jong Un erklärt, sein Land habe verkleinerte Atombomben entwickelt, die auf Raketen platziert werden können.

18. März 2016

Zum ersten Mal seit 2014 feuert Nordkorea eine Mittelstreckenrakete vom Typ Rodong ab. Das Geschoss fliegt rund 800 Kilometer weit, ehe es östlich des Landes ins Wasser fällt.

23. April 2016

Nordkorea schießt eine Rakete von einem U-Boot ab. Aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium heißt es daraufhin, das Geschoss habe eine Strecke von knapp 30 Kilometern zurückgelegt. Pjöngjang erklärt, der Start ziele darauf ab, die Atomsprengkopftechnologien voranzubringen.

22. Juni 2016

Washington und Seoul melden, dass Nordkorea zwei mutmaßliche Mittelstreckenraketen vom Typ Musudan abgefeuert hat. Diese Raketen könnten eines Tages in der Lage sein, weit entfernte Militärbasen der USA in Asien zu treffen. Pjöngjang gibt später bekannt, erfolgreich eine Mittelstreckenrakete getestet zu haben. Diese habe eine Höhe von 1400 Kilometern erreicht, bevor sie wie geplant in 400 Kilometer entfernten Gewässern gelandet sei.

19. Juli 2016

Nordkorea schießt drei Raketengeschossen ab. Zwei davon fliegen 500 bis 600 Kilometer weit. Die Tests sind nach Angaben der Führung in Pjöngjang Teil eines simulierten Präventivschlags auf südkoreanische Häfen und Flugplätze.

3. August 2016

Regierungsbeamten aus Südkorea und Japan zufolge legt eine nordkoreanische Mittelstreckenrakete einen Weg von rund 1000 Kilometern zurück und landet in der Nähe von japanischen Hoheitsgewässern. Es handelt sich vermutlich um eine Rodong-Rakete.

24. August 2016

Eine erneut von einem U-Boot abgefeuerte Rakete ist 500 Kilometer unterwegs, ehe sie nahe Japan ins Wasser stürzt. Kim erklärt, sein Land habe die Fähigkeit erlangt, einen vollausgerüsteten Atomangriff auszuführen. Auch das US-Festland befinde sich in Schlagdistanz.

5. September 2016

Wieder fliegen drei mutmaßliche Mittelstreckenraketen Nordkoreas fast 1000 Kilometer weit, ehe sie in Gewässern nahe Japan landen.

9. September 2016

Nordkorea hat nach eigenen Angaben einen nuklearen Sprengkopf erfolgreich zur Explosion gebracht.

Auch China verurteilte den Atomwaffentest auf das Schärfste. Nordkorea habe „trotz breiten internationalen Widerspruchs erneut einen Atomtest ausgeführt - die chinesische Regierung lehnt dies entschieden ab“, erklärte das Außenministerium in Peking auf seiner Website.

Die Bundesregierung sprach von einer „Provokation“. Die Regierung in Pjöngjang versuche, Südostasien „in unverantwortlicher Weise“ zu destabilisieren, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Er fordere Nordkorea auf, den Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats Folge zu leisten. Deutschland setze sich dafür ein, dass die internationale Gemeinschaft nun entschieden und unmissverständlich reagiere. Das Auswärtige Amt kündigte an, den nordkoreanischen Botschafter in Berlin einzubestellen.

Der Uno-Sicherheitsrat sei das geeignete Gremium, um die richtige Antwort zu geben, sagte Ministeriumssprecher Martin Schäfer. Entsprechend müsse die oberste Instanz der Vereinten Nationen schnellstmöglich zusammenkommen.

Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm (1998 bis 2015)

Nordkoreas fünfter Atomtest

Nordkorea hat am Freitag seinen fünften Atomtest gemeldet. Der neue Nukleartest zeigt die Entschlossenheit der Führung in Pjöngjang, das international geächtete und von der UN verbotene Atomprogramm weiter zu verfolgen. Das ultimative Ziel: kleine und leichte Atomwaffen herzustellen, die auf Raketen passen, die das Festland des großen Feindes USA erreichen könnten. Das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm seit 1998 im Überblick. (Quelle: AP)

31. August 1998

Nordkorea startet eine mehrstufige Rakete über Japan, die im Pazifik niedergeht. Internationale Experten schätzen die Reichweite auf etwa 2500 Kilometer – die Entfernung zwischen Nordkorea und den USA beträgt gut 10.000 Kilometer.

Juli bis Oktober 2006

5. Juli: Nordkorea feuert eine dreistufige Rakete mit einer potenziellen Reichweite von 6700 Kilometer ab. Doch diese versagt nach dem Start, wie Regierungsbeamte aus den USA und Südkorea berichten. Nordkorea hat diesen Test niemals bestätigt.
9. Oktober: Nordkorea sieht „extreme“ Bedrohungen durch einen Nuklearangriff der USA und unternimmt daraufhin seinen ersten Atomwaffentest.
15. Oktober 2006: Der UN-Sicherheitsrat verurteilt diesen Test in einer Resolution. Zugleich verhängt er Sanktionen über Nordkorea und verbietet dem Land Aktivitäten, die mit seinem Nuklearwaffenprogramm in Verbindung stehen.

Februar bis Juli 2007

13. Februar: Nordkorea stimmt zu, seine größten Nukleareinrichtungen zu deaktivieren. Im Gegenzug kann das wirtschaftlich angeschlagene Land mit Energielieferungen und anderen Vergünstigungen rechnen.
14. Juli: Nordkorea fährt seinen Kernreaktor Nyongbyon herunter und baut ihn später ab.

11. Oktober 2008

Die USA nehmen Nordkorea von der Liste der Terror-Unterstützerstaaten. Zuvor stimmt Pjöngjang zu, die Demontage seiner Plutoniumanlage wieder aufzunehmen und US-Inspektoren Zutritt zu gewähren.

Februar bis Juni 2009

15. Februar: Nordkorea erklärt, das Recht zur Entwicklung eines Weltraumprogramms zu haben.
5. April: Nordkorea schickt eine Langstreckenrakete mit einem Satelliten ins All. Pjöngjang spricht von einem Erfolg, doch das US-Luft- und Wertraumverteidigungskommando (NORAD) sagt, der Satellit habe den Orbit nicht erreicht.
14. April: Nordkorea verlässt die Abrüstungsgespräche, an denen sechs Länder beteiligt sind und kündigt an, seine Nuklearanlagen wieder hochzufahren. Das Land reagiert damit auf die internationalen Proteste gegen seinen Raketenstart.
25. Mai: Nordkorea unternimmt seinen zweiten Atomwaffentest.
13. Juni: Nordkorea sagt, es werde zusätzlich zu seinem Plutonium-Programm mit der Anreicherung von Uran beginnen.

11. Mai 2010

Nordkorea erklärt, erfolgreich eine Kernschmelze herbeigeführt zu haben. Das führt zu Spekulationen, das Land könne an einer größeren Waffe bauen. Internationale Experten bezweifeln aber die Behauptungen aus Pjöngjang.

Februar bis Dezember 2012

29. Februar: Nordkorea kündigt ein Moratorium für Nuklear- und Raketentests an. Hintergrund ist ein Pakt mit den USA über Lebensmittelhilfe.
13. April: Nordkorea startet eine Langstreckenrakete, die allerdings kurz nach dem Start versagt. Die USA kündigen daraufhin an, dass ein geplanter Lebensmitteldeal nicht stattfinden werde.
12. Dezember: Nordkorea schickt eine Langstreckenrakete mit einem Satelliten ins All. Das US-Kommando NORAD sagt, es scheine, dass diesmal ein Objekt den Orbit erreicht habe.

13. Februar 2013

Nordkorea unternimmt seinen dritten Atomtest.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bezeichnete den mutmaßlich fünften Atomwaffentest Nordkoreas als „zutiefst beunruhigenden und bedauerlichen Akt“. „Dies ist eine klare Verletzung zahlreicher Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats und eine vollständige Missachtung der wiederholten Forderungen der internationalen Gemeinschaft“, erklärte IAEA Chef Yukiya Amano in Wien.

Auch Anleger reagierten besorgt auf die Berichte. Die Börsen in Fernost tendierten am Freitag überwiegend im Minus. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index fiel bis Mittag um 0,2 Prozent auf 16.926 Punkte. Der breiter gefasste Topix gab 0,3 Prozent nach auf 1342 Zähler. Der MSCI-Index für die Region Asien/Pazifik unter Ausschluss Japans gab um 0,7 Prozent nach. Der südkoreanische Kospi verlor 1,3 Prozent.

Nordkorea hat in diesem Jahr trotz scharfer internationaler Proteste auch mehrere Raketenstarts unternommen. Erst am Montag feuerte es während des G20-Gipfels im benachbarten China drei Geschosse ab, die nach südkoreanischen Angaben bis in den japanischen Luftverteidigungsraum flogen, bevor sie ins Meer stürzten. Das politisch und wirtschaftlich nahezu vollkommen isolierte Land missachtete mit den Tests ebenfalls Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats.

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