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07.01.2016

11:02 Uhr

Atomtest in Nordkorea

Südkorea bittet USA um Militär

Südkorea kritisiert den Test der Wasserstoffbombe in Nordkorea und droht Kim Jong-Un mit harten Strafen. Dafür fordert das Land Unterstützung von der US-Regierung. Die Amerikaner zweifeln indes noch an dem Bombentest.

Südkoreanische Aktivisten verbrennen das Porträt von Nordkoreas Regierungschef Kim Jong-Un. Atomkritiker gehen seit Mittwoch auf die Barrikaden, weil Nordkorea eine Wasserstoffbombe getestet hat. dpa

Aktivisten aus Südkorea

Südkoreanische Aktivisten verbrennen das Porträt von Nordkoreas Regierungschef Kim Jong-Un. Atomkritiker gehen seit Mittwoch auf die Barrikaden, weil Nordkorea eine Wasserstoffbombe getestet hat.

SeoulSüdkorea bemüht sich nach dem nordkoreanischen Atomtest um militärische Unterstützung seines Verbündeten USA. Beide Länder berieten über eine Verlegung strategischer Waffen der USA auf die koreanische Halbinsel, sagte ein Vertreter des südkoreanischen Militärs der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Details nannte er nicht.

Allerdings hatten die USA nach dem bis dahin letzten Atomtest Nordkoreas im Jahr 2013 mit einer Machtdemonstration reagiert und zwei atomwaffentaugliche B2-Stealth-Bomber über Südkorea eingesetzt. China forderte die Wiederaufnahme der sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche. Experten warnten wegen der Unberechenbarkeit der autoritären Führung in Pjöngjang vor einer Eskalation in der ganzen Region.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

US-Präsident Barack Obama hat bereits mit seiner südkoreanischen Kollegin Park Geun Hye über mögliche Reaktionen auf das Vorgehen Nordkoreas beraten. Mit Japans Regierungschef Shinzo Abe sei sich Obama in einem Telefonat einig gewesen, dass eine klare internationale Antwort notwendig sei, teilte das US-Präsidialamt mit.

Dass die USA ihre taktischen Atomraketen wieder in Südkorea stationieren, die sie 1991 dort abgezogen haben, ist nicht wahrscheinlich. Die US-Regierung sei in ihrer militärischen Reaktion eingeschränkt, sagte der Militärexperte Anthony Cordesman vom Center for Strategic and International Studies in Washington. „Jede Eskalation in dieser Region, jede Überreaktion kann leicht zu einem Konflikt nicht nur zwischen Süd- und Nordkorea führen, sondern auch China, die USA und Japan in eine Konfrontation ziehen.“

Südkorea selbst, das seit Ende des Korea-Krieges (1950 bis 1953) formell noch immer im Kriegszustand mit dem Norden ist, erklärte, es strebe nicht nach eigenen atomaren Abschreckungsmitteln. Die Regierung gab sich aber kampfbereit. „Unser Militär ist in Alarmbereitschaft“, erklärte der nationale Sicherheitsberater Cho Tae Yong. „Sollte Nordkorea provozieren, wird es dafür hart bestraft werden.“

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