Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.11.2013

11:46 Uhr

Atomverhandlungen

Israels Regierungschef lobt französische Haltung

Der israelische Regierungschef lobt die Haltung Frankreichs bei den Atomverhandlungen mit dem Iran. Hollandes Beharren auf Garantien seitens des Irans hat dazu beigetragen, dass keine Einigung erreicht wurde.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hofft, „dass Frankreich nicht nachgeben wird.“ dpa

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hofft, „dass Frankreich nicht nachgeben wird.“

Paris/BerlinDer israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat die „entschlossene Haltung Frankreichs“ bei den Atomverhandlungen mit dem Iran gelobt. „Wir hoffen, dass Frankreich nicht nachgeben wird“, sagte Netanjahu in einem Interview der konservativen französischen Zeitung „Le Figaro“ (Samstag).

Bei den jüngsten Genfer Atomgesprächen mit Teheran hat die französische Forderung nach Garantien dazu beigetragen, dass keine Einigung erreicht wurde. Der französische Präsident François Hollande besucht ab Sonntag Israel.

So wie Hollande „sehr viel Mut und Zielstrebigkeit im Kampf gegen den radikalen Islamismus in Mali gezeigt hat, so begrüßen wir seine klare und entschlossene Haltung in der Frage des Irans“, sagte Netanjahu. Die USA blieben wichtigster Verbündeter Israels. „Doch unsere Beziehung zu Frankreich ist auch eine sehr besondere.“

Irans Atomanlagen

Angst vor der Bombe

Die westlichen Staaten befürchten, dass der Iran mit seinem Atomprogramm auch Bomben bauen will. Ein Überblick über die iranischen Nuklearanlagen.

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird Uran schwach angereichert. Das Material wird in Atomkraftwerken für die Stromgewinnung eingesetzt.

Für den Bau einer Atombombe müsste Uran weiter auf deutlich mehr als 80 Prozent angereichert werden. Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wurde die Zahl der dazu nötigen Zentrifugen von 2600 auf 8808 erhöht.

Fordo

Erst 2009 gab Teheran die Existenz dieser lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu. Damals war sie noch nicht in Betrieb. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe Ghom hat Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Inzwischen sollen dort mehr als 100 Kilogramm auf bis zu 20 Prozent angereichertes Uran hergestellt worden sein.

Buschehr

Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb. Es hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Nach der islamischen Revolution 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Bauprojekt zurück.

Später stiegen die Russen ein. Das Kraftwerk hat zwei Atomreaktoren und steht im Südwesten des Landes.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Atomforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Der erste iranische Brennstab wurde jüngst im Akw Buschehr eingefügt. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird dort hergestellt.

Arak

Den USA ist die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes seit 2002 bekannt. Hier fällt potenziell Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er auf 20 Prozent angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Parchin

Im Januar und Februar verweigerte der Iran IAEA-Inspekteuren den Zugang zur Militäranlage Parchin südöstlich von Teheran. Möglicherweise wurden dort Tests mit Atomsprengköpfen simuliert.

In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „taz“ (Samstag) nannte der israelische Regierungschef die vor wenigen Tagen von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA und Iran unterzeichnete Vereinbarung über die Inspektion der dortigen Atomanlagen „eine Gefahr für den Weltfrieden“. Die Vereinbarung nehme Druck aus den Sanktionen, „während der Iran weiterhin die Möglichkeit haben wir, Uran anzureichern und auf die Herstellung von waffenfähigem Plutonium hinzuarbeiten“. Netanjahu kritisierte, dass keine der Zentrifugen zur Urananreicherung unbrauchbar gemacht werden solle.

„Iran droht mit der Vernichtung Israels. Das Land ist ein Sponsor des Terrors weltweit. Es tritt den USA in Afghanistan und Irak feindlich gegenüber. Es dominiert Libanon und den Gazastreifen. Es hat Brückenköpfe auf der Arabischen Halbinsel und in Afrika etabliert. Das alles tut der Iran, ohne im Besitz nuklearer Waffen zu sein. Man kann sich vorstellen, was er täte, wenn er sie hätte, und welche Verwüstungen Hisbollah und Hamas anrichten würden, wenn sie sich unter seinem nuklearen Schutzschirm befänden.“ Verantwortliche Politik einem solchen Regime gegenüber bestehe einzig darin, es an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×