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12.02.2013

13:03 Uhr

Atomversuch

Nordkorea bringt (fast) alle gegen sich auf

Der jüngste nordkoreanische Atomtest hat international Kritik ausgelöst. In Deutschland hält man eine geschlossene internationale Antwort für nötig. Und wie reagiert Nordkorea? Es kündigt noch „stärkere“ Aktionen an.

Reaktionen auf Atomtest

Video: Reaktionen auf Atomtest

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BerlinMit großer Empörung hat der Westen auf den jüngsten nordkoreanischen Atomtest reagiert. Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte eine deutliche Reaktion der internationalen Gemeinschaft. Dazu sollten auch weitere Sanktionen gegen das Regime in Pjöngjang in Betracht gezogen werden, sagte der FDP-Politiker in Berlin. Der mittlerweile dritte Atomwaffenversuch sei ein eklatanter Verstoß gegen Resolutionen des Uno-Sicherheitsrates. Das höchste Gremium der Vereinten Nationen kommt im Laufe des Tages zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Auch die USA, Russland, England und Frankreich hatten den Atomtest verurteilt.

Die geballte internationale Kritik prallt an Nordkorea ab. Stattdessen droht das Regime mit „noch stärkeren“ Aktionen. Sollten die USA die Lage „mit fortgesetzter Feindseligkeit“ noch komplizierter machen, „dann haben wir keine andere Wahl als in einem zweiten oder dritten Schritt eine noch stärkere Aktion auszuführen“, erklärte das nordkoreanische Außenministerium in einer am Dienstag von der offiziellen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Mitteilung. Der jüngste Atomwaffentest sei nur „ein erster“ Schritt gewesen, „mit dem wir soviel Zurückhaltung geübt haben wie möglich“, hieß es in der Erklärung weiter.

Nordkorea testet Atombombe: Kim Jong-Un stellt den Westen bloß

Nordkorea testet Atombombe

Kim Jong-Un stellt den Westen bloß

Nordkorea hat einen „erfolgreichen“ Atomtest unternommen.

Der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder erwartet nun eine geschlossene internationale Antwort auf den Atomtest. Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un führe mit dem Atomtest den Konfrontationskurs seines Vaters fort, der das Land in die Isolation getrieben habe. „Die internationale Gemeinschaft wird dieses Vorgehen nicht akzeptieren und rückt im Weltsicherheitsrat immer enger zusammen“, sagte Mißfelder Handelsblatt Online. Es sei ein „gravierender Fehler eines irrationalen Regimes“, mit immer neuen Provokationen gegen geltende Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats zu verstoßen. „So wird jede Hoffnung auf eine positive Entwicklung in Nordkorea zunichte gemacht“, konstatierte der CDU-Politiker. Kim Jong-Un nehme auf diese Weise die 24 Millionen Bewohner des Landes „in Geiselhaft und gibt sie Armut, Hunger und dem Tode preis“.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.

Der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich hält auch Konsequenzen für die Bundesregierung für nötig. Er forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, die Rüstungspolitik ihrer Regierung zu überdenken. Er nahm dabei auf die Politik von US-Präsident Barack Obama Bezug. Wie notwendig sein Einsatz für eine kernwaffenfreie Welt sei, habe der Atomtest Pjöngjangs erneut deutlich gemacht.

„Auch die Bundeskanzlerin sollte dies endlich erkennen und daraus die richtige Lehre ziehen“, sagte Mützenich Handelsblatt Online. „Der ohnehin umfangreiche Waffenhandel darf nicht durch unverantwortliche Rüstungslieferungen in alle Welt weiter befördert werden.“ Internationale Rüstungskontrolle und Abrüstung seien jetzt „notwendiger denn je“.

Noch ohne funktionierendes Trägersystem

Ist Nordkorea jetzt offiziell eine Atommacht?

Noch nicht. Zwar bezeichnet sich das Land seit vergangenem Jahr in seiner Verfassung selbst als Atommacht. Außerdem nahm Nordkorea bereits 2006 und 2009 Atomwaffentests vor. Das kommunistisch regierte Land ist also im Besitz von Nuklearwaffen, allerdings ist bislang nicht bewiesen, dass es auch über ein funktionierendes Trägerssystem - etwa Interkontinentalraketen oder U-Boote - dafür verfügt. Nordkorea war zudem bislang nicht in der Lage, einen Sprengkopf herzustellen, der atomar bestückt und auf einer Rakete platziert werden kann.

Wie ist der Raketenstart von Dezember zu bewerten?

Mitte Dezember schoss Nordkorea eine Langstreckenrakete ab - nach offiziellen Angaben, um einen Beobachtungssatelliten zur Forschung ins All zu befördern. Der Westen vermutete dahinter aber einen unzulässigen Raketentest für das Atomprogramm, der UN-Sicherheitsrat verhängte daher Sanktionen. Der Test gilt als Fortschritt und zeigte, dass Nordkorea ein Objekt ins All befördern kann. Jedoch kann es nicht zur Erde zurückgebracht werden. Experten zufolge ist Nordkorea von einer funktionierenden Interkontinentalrakete noch Jahre entfernt.

Welchem Ziel dient der dritte Atomtest?

Nordkorea hatte einen Test "auf hohem Niveau" angekündigt, was Experten vermuten ließ, dass es sich im Gegensatz zu den früheren Atomtests, bei denen Plutonium verwendet wurde, diesmal um einen Test mit hoch angereichertem Uran handeln könnte. Experten gehen davon aus, dass Nordkorea seit Jahren heimlich waffenfähiges Uran anreichert. Entscheidend wird sein, wie weitreichend und technisch fortgeschritten der Test war. Sollte sich herausstellen, dass Nordkorea waffenfähiges Uran herstellen kann, dürften die Alarmglocken schrillen.

Wo wurde der Test vorgenommen?

Die Tests 2006 und 2009 fanden auf dem im Nordosten gelegenen Teststützpunkt Punggye Ri statt. Dort wurde auch das "künstliche Erdbeben" vom Dienstag registriert. Das abgelegene bergige Gelände liegt rund hundert Kilometer von der Grenze zu China entfernt und verfügt über drei Testtunnel - von denen zwei 2006 und 2009 verwendet wurden. Die Anlage wurde von Spionage-Satelliten eingehend beobachtet und dokumentiert, insbesondere in den vergangenen Wochen.

Welche Folgen wird der neuerliche Test haben?

Ein Atomtest Nordkoreas gibt immer Anlass zur Sorge. Der Test wird genau ausgewertet werden, allerdings dürfte ein gut ausgeführter unterirdischer Test nur wenig Hinweise liefern, um die Angaben Nordkoreas zu bestätigen oder zu widerlegen. Angesichts eines fehlenden Trägersystems dürfte der Test das militärische Gleichgewicht in der Region kurzfristig nicht gefährden. Allerdings sagen Beobachter, dass es schwieriger wird, Nordkorea von seinem Atomprogramm abzubringen, je weiter dieses voranschreitet. Mit dem jüngsten Test schwinden zugleich die Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der Atomgespräche.

Welche Reaktion ist von der UNO zu erwarten?

Bereits kurz nach den ersten Berichten über die Explosion vom Dienstag erklärten Diplomaten, dass der UN-Sicherheitsrat zusammenkommen werde. In der UN-Resolution zur Verurteilung des Raketentests vom Dezember war bereits von "entschiedenen Maßnahmen" die Rede, sollte Nordkorea tatsächlich einen neuen Atomtest vornehmen. China drohte Nordkorea mit einer Reduzierung der Wirtschaftshilfen, allerdings weiß auch Peking, dass seine Druckmittel beschränkt sind. Zu befürchten ist eine Destabilisierung der Region mit unvorhersehbaren Folgen.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), fordert eine weitere Verschärfung der Sanktionen. Polenz sieht auch China in der Pflicht, Strafmaßnahmen zu verhängen. Vor dem Hintergrund, dass Nordkorea und China jeweils eine neue Führung haben, sei der Atomtest „auch als Signal des Selbstbewusstseins von Nordkorea gegenüber China zu werten und als Test, wie weit man ungestraft gehen kann“, sagte Polenz Handelsblatt Online. „Es ist deshalb wichtig, dass China sich zu einer für Nordkorea fühlbaren Reaktion entschließt und auch zu wirtschaftlichen Sanktionen greift.“

Nordkorea provoziere mit dem Atomtest aber nicht nur die Nachbarstaaten in der Region, sondern den Uno-Sicherheitsrat und die Weltgemeinschaft, die auf atomare Abrüstung hoffe, sagte Polenz weiter. „Angesichts der Spannungen in der Region spielt Nordkorea mit dem Feuer“, warnte der Außenpolitiker. Polenz fügte hinzu: „Der Uno-Sicherheitsrat muss durch eine klare Verurteilung des Atomtests und eine weitere Verschärfung der Sanktionen deutlich machen, dass Nordkorea harte Konsequenzen tragen muss, wenn es gegen Resolutionen des Sicherheitsrats verstößt.“

Kommentare (21)

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merlot-56

12.02.2013, 12:34 Uhr

Was soll das denn für eine große internationale Antwort sein Herr Mißfelder? Kim Jong-un verarscht die Welt wie einst Hitler. Die Kosequenzen sind irgend wann mal die Gleichen. Bis dahin lässt dieses vollgefressene Stück Dreck, umgeben von seinen Speichelleckern, sein Volk verhungern. Schade dass Jong-Un nicht auf der Liste des Mossad steht.

Account gelöscht!

12.02.2013, 13:08 Uhr

Atomwaffen gehören nicht in die Hände dieses total durchgeknallten Dispoten.

Account gelöscht!

12.02.2013, 13:13 Uhr

Naja, wer als Atom-Macht ständig mit gefälschten Beweisen andere Länder angreift und kaputt bombt (so war es schon beim sogenannten Tongking-Zwischenfall, der die "amerikanische" Phase des Vientamkrieges auslöste, die ca. 2 Mio Menschenleben in Asien kostete), sollte sich mal nicht sooo sehr wundern, wenn andere ebenfalls über Nuklearwaffen unabhängig werden wollen. Immer schön an die eigene Nase packen...

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