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24.04.2016

09:52 Uhr

Atomwaffen

Nordkorea nennt Bedingungen für Ende seiner Atomtests

Die Regierung in Pjöngjang hat am Samstag erneut einen Raketentest durchgeführt. Wenig später erklärte sie sich bereit, die Tests einzustellen. Allerdings sollen die USA und Südkorea dafür den ersten Schritt tun.

Der nordkoreanische Diktator, Kim Jong Un, sorgt mit seinen Raketen- und Atomwaffentests international für Aufregung. Reuters

Waffentests im Blick

Der nordkoreanische Diktator, Kim Jong Un, sorgt mit seinen Raketen- und Atomwaffentests international für Aufregung.

New York/SeoulDer nordkoreanische Außenminister Ri Su Yong hat Pjöngjangs Forderungen für eine Einstellung seiner international geächteten Atom- und Raketentests vorgebracht. So sollen die USA ihre gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea beenden. „Stoppt die nuklearen Kriegsübungen auf der Koreanischen Halbinsel, dann sollten wir unsere Atomtests beenden“, sagte Ri am Samstag der Nachrichtenagentur Associated Press. Von internationalen Sanktionen werde sich Nordkorea nicht einschüchtern lassen.

„Wenn wir auf diesem Weg der Konfrontation weitergehen, wird das zu katastrophalen Ergebnissen führen – nicht nur für die beiden Länder, sondern für die ganze Welt“, sagte Ri. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass die USA ihre „feindselige Politik gegen die DPRK (Nordkorea) beenden und als Ausdruck dessen die Militärübungen, Kriegsübungen, auf der Koreanischen Halbinsel beenden. Dann werden wir entsprechend antworten“. Dieser Vorschlag sei „sehr logisch“, fügte Ri hinzu.

Zuvor hatte Nordkorea am Sonntag offiziell bestätigt, am Samstag von einem U-Boot aus eine ballistische Rakete abgefeuert zu haben. Der Test sei erfolgreich gewesen und demonstriere seine zunehmenden Fähigkeiten, seine Gegner mit einem „Dolch der Zerstörung“ treffen zu können, meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Staatschef Kim Yong UN habe den Test beobachtet, bei dem die Rakete alle technischen Anforderungen erfüllt habe.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Südkorea hatte am Samstag von einem mutmaßlichen ballistischen Raketentest von einem U-Boot aus gesprochen, bestätigte aber am Sonntag zunächst nicht die Darstellung Pjöngjangs, der Test sei ein Erfolg gewesen. Der südkoreanische Generalstab teilte mit, die Rakete sei nur 30 Kilometer geflogen. Normalerweise haben auf U-Booten stationierte ballistische Raketen eine Reichweite von mindestens 300 Kilometern. Der Test habe nahe der nordkoreanischen Küstenstadt Sinpo stattgefunden, wo Analysten zuvor bereits Versuche Pjöngjangs beobachtet hatten, Raketen von U-Booten aus zu starten.

Ein solcher Test am 25. Dezember wurde als gescheitert gewertet. Eine Fähigkeit Nordkoreas, Raketen von U-Booten abfeuern zu können, würde eine erhebliche Steigerung des militärischen Drohpotenzials Pjöngjangs darstellen. U-Boote sind schwerer zu orten als mobile Raketenbasen an Land.

Die USA reagierten auf den neuerlichen nordkoreanischen Raketentest mit einer direkten diplomatischen Sanktion gegen den Außenminister. Sie untersagten dem im New Yorker UN-Hauptsitz weilenden Ri, über das Gelände der Weltorganisation hinaus ihr Territorium zu betreten. Außenamtssprecher John Kirby sagte am Samstag in Washington, die Maßnahme sei wegen des jüngsten Raketentests Pjöngjangs verhängt worden. Ri und seine Delegation nehmen am UN-Hauptsitz an einer Konferenz über nachhaltige Entwicklung teil.

Von

ap

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