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24.02.2017

03:19 Uhr

Atomwaffen

Trump will zurück zum Wettrüsten

Einem Abkommen zwischen den USA und Russland nach sollen die Großmächte ihre Atomarsenale ab 2018 gleich groß halten. Doch US-Präsident Donald Trump will zurück in die Zeit des Kalten Kriegs - und droht erneut Nordkorea.

Kalter Krieg 2.0

„Solange Staaten Atomwaffen haben, werden wir im Rudel ganz oben stehen“

Kalter Krieg 2.0: „Solange Staaten Atomwaffen haben, werden wir im Rudel ganz oben stehen“

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WashingtonUS-Präsident Donald Trump will das Atomwaffenarsenal der USA ausbauen. Amerika müsse immer die führende Atommacht sein, selbst vor befreundeten Nationen, sagte er am Donnerstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. „Es wäre wunderbar, es wäre ein Traum, wenn kein Staat Atomwaffen hätte“, sagte Trump. „Aber solange Staaten Atomwaffen haben, werden wir im Rudel ganz oben stehen.“

In ersten Reaktionen kritisierten Abrüstungsbefürworter die Ankündigung. „Die Geschichte des Kalten Krieges zeigt, dass bei einem Rüstungswettlauf und einer waghalsigen Atompolitik niemand 'im Rudel' nach 'ganz oben' kommt“, sagte Daryl Kimball, Direktor der überparteilichen Arms Control Association. Die USA und Russland verfügten bereits über weitaus mehr Atomwaffen als zur Abschreckung nötig. Trumps Weltsicht zufolge sind die USA dagegen auf diesem Gebiet zurückgefallen.

Trump kritisierte in dem Reuters-Interview die jüngsten Raketentests von Nordkorea. „Wir sind sehr wütend“, sagte er. Eine denkbare Antwort darauf sei ein schnellerer Aufbau von Raketenabwehrsystemen für die verbündeten Staaten Japan und Südkorea. Es werde auch über sehr viel weitergehende Optionen diskutiert. Die Lage sei sehr gefährlich.

So verteilen sich Atomsprengköpfe auf die Welt

Weltweit

Für das Jahr 2016 wurden weltweit insgesamt 15.395 nukleare Sprengköpfe registriert. (Quelle: Sipri Yearbook 2016)

Das größte Arsenal

Die meisten Sprengköpfe lagern in Russland. Dort soll es 7290 Stück geben.

Die Nummer zwei

Auch die USA verfügt über ein ähnlich reichhaltiges Angebot: 7000 nukleare Sprengköpfe.

Mit Abstand

Auf Platz drei der größten Atommächte folgt mit großem Abstand Frankreich. Dort sind 300 Sprengköpfe registriert.

Auf den Plätzen

Auf Frankreich folgen China (260 nukleare Sprengköpfe), Großbritannien (215), Pakistan (120) und Indien (110).

Israel und Nordkorea

Israel soll 80 Sprengköpfe besitzen, Nordkorea auf 10 Stück kommen.

Der US-Präsident nahm die Regierung in Peking in die Pflicht: „Meiner Meinung nach könnte China das sehr schnell zu Ende bringen.“ Dass es mit Nordkorea so weit gekommen sei, sei auch die Schuld seines Vorgängers Barack Obama: „Ehrlich gesagt hätte sich schon die Obama-Regierung darum kümmern müssen.“

Trump hatte schon im Wahlkampf eine Stärkung der Raketenabwehr angekündigt. Sofort nach seiner Vereidigung am 20. Januar erklärte das Präsidialamt, man werde ein entsprechendes Programm gegen Angriffe aus Nordkorea und dem Iran auflegen. Einzelheiten wurden allerdings nicht bekannt.

Japanischen Medienberichten zufolge will die Regierung in Tokio Gespräche über die Stationierung von US-Abwehrsystemen der Typen Thaad und Aegis Ashore aufnehmen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte im vergangenen Jahr aus japanischen Regierungskreisen erfahren, dass Japan die geplanten Ausgaben von etwa einer Milliarde Dollar für derartige Verteidigungssysteme forcieren wolle.

Nach Raketentest: Trump schließt Militäraktion gegen Iran nicht aus

Nach Raketentest

Trump schließt Militäraktion gegen Iran nicht aus

Mit einem Raketentest hat der Iran US-Präsident Trump verärgert. Waffen des getesteten Typs ließen sich auch mit Atomsprengköpfen bestücken – allerdings besitzt der Iran keine solchen. Dennoch droht Trump Reaktionen an.

Trump kritisierte in dem Interview zudem, dass Russland durch die Stationierung von Marschflugkörpern ein Abrüstungsabkommen von 1987 verletzt habe. Dies werde er mit Präsident Wladimir Putin erörtern, sollte er diesen treffen. Das mit der Regierung in Moskau 2010 geschlossene neue strategische Abrüstungsabkommen New START sei für die USA „ein weiteres schlechtes Geschäft“ gewesen. „Wir werden damit anfangen, gute Geschäfte abzuschließen.“

Das seit 2011 geltende New-START-Abkommen sieht vor, dass die USA und Russland ab Februar 2018 ihre Atomarsenale gleich groß halten. Nach Angaben der Abrüstungsgruppe Ploughshares Fund verfügen die USA über 6800 atomare Sprengköpfe und liegen damit hinter Russland mit 7000 Sprengköpfen. Laut Sipri Yearbook waren es Anfang 2016 in Russland 7290 und in den USA 7000 Sprengköpfe.

Gegenwärtig unternimmt das amerikanische Militär eine auf 30 Jahre angelegte Modernisierung seines Atomarsenals im Umfang von einer Billion Dollar. Viele Experten halten die Kosten des Programms für untragbar.

Von

rtr

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

24.02.2017, 08:16 Uhr

Trump will nicht zurück zum Wettrüsten sondern er will sein Atomwaffenlager MODERNISIEREN. Trump will das US Army schlagkräftiger und effektiver gestalten. Um Japan weiter Schutz vor Nordkorea und China zu bieten, braucht es eine starke und schlagkräftige USA. Auch Israel und selbst die Nato (EU) ist auf eine schlagkräftige USA Army angewiesen.
Deutschland ist ja nicht mal im Stande sich selbst zu verteidigen.

Anno Nymicus

24.02.2017, 08:35 Uhr

"America great again..."

Hat er sich doch überlegt, "was" das letzte mal zu einem "great America" geführt hat...
... richtig: eine Kombination aus:
A) Wegbomben der Konkurrenten auf dem Weltmarkt
B) Anschließender, auch forcierter brain-drain (Operation Paperclip u.a.)
C) Wiederaufbau

Ansonsten beruht die wirtschaftl. Wettbewerbsfähigkeit eines Landes / einer Region auf
a) historisch gewachsenen, auf den Weltmärkten bereits etablierten Märkten
b) auf den Erfahrungen der involvierten Mitarbeiter dieser Unternehmen
c) auf dem allgemeinen Bildungsstand / Expertendichte der Bewohner dieser Region
d) in Kombination mit den Lebenshaltungskosten und damit der Löhne, welche die Menschen dieser Region erhalten müssen.

Wenn die Lebenshaltungskosten der kapitalistischen USA so hoch sind, wie jene in der Schweiz - dann müssten die Amerikaner eben auch so gut ausgebildet sein wie die Schweizer.

Das müsste auch dem Trump klar sein.
Ich glaube auch nicht, dass der ernst macht & einen Atomkrieg will.
Der macht halt einfach weiter wie vor der Wahl:

Wahlkampf, Promotion, Selbstvermarktung.
Alles nur show - so, wie es die Masse seiner Bürger liebt.
Das ist seine Kernkompetenz, das ist was er kann und warum er Präsident ist.
Und damit wird er weitermachen - so, wie sein ganzes Leben zuvor eben auch:
Schauspielern und "den Trump" spielen.

Unbekannt

24.02.2017, 08:42 Uhr

Wenn Steve Bannon gedacht hat (bei Trump weiß man das immer nicht so genau), er würde die Militätpolitik der USA bestimmen, ist er wohl in der Zwischenzeit eines Besseren belehrt worden.

Dwight D. Eisenhower hat in den fünfziger Jahren schon vom "militärisch - industriellen Komplex" gesprochen. Da sitzen die Leute, die das Militärpotential der USA verwalten und entwickeln. Die wissen auch, ob die USA aus der Nato austreten werden. Der Präsident kann dem nur folgen.

So einen Komplex hat der Herr Putin übrigens auch.

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