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17.11.2011

13:29 Uhr

Atomwaffenprogramm

Atomenergiebehörde fordert Klarheit von Iran

Die Atomenergiebehörde macht ernst: Iran soll sich zu Vorwürfen äußern, dass er heimlich Atomwaffen baut. Für Israel schlägt die Stunde der Wahrheit. Verteidigungsminister Barak droht mit einem Militärschlag.

Der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA,  Yukiya Amano, sieht „glaubwürdige Hinweise“ für ein iranisches Streben nach Atomwaffen. dpa

Der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano, sieht „glaubwürdige Hinweise“ für ein iranisches Streben nach Atomwaffen.

Wien/Tel AvivIm Atomstreit mit Iran wächst der Druck auf die Führung in Teheran. Der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano, forderte am Donnerstag in Wien Iran auf, unverzüglich zum Vorwurf eines geheimen Atomwaffenprogramms Stellung zu nehmen. Er hat erneut eine baldige Möglichkeit zur Überprüfung des iranischen Atomprogramms durch Experten gefordert. Die IAEA sieht „glaubwürdige Hinweise“ für ein iranisches Streben nach Atomwaffen. Zugleich herrschte unter westlichen Vertretern Optimismus, dass sich die 35 Mitglieder des Gouverneursrates auf eine Iran-Resolution einigen.

Israel hatte vor Beginn des zweitägigen Treffens schärfere Sanktionen gefordert. Verteidigungsminister Ehud Barak drohte erneut mit einem Militärschlag gegen unterirdische Atomanlagen in Iran. Hintergrund ist ein alarmierender Bericht mit Hinweisen, dass die Führung in Teheran zumindest bis 2010 an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet hat. „Ich rufe Iran zu einer unverzüglichen, substanziellen Zusammenarbeit mit der Behörde auf und bitte, die geforderten Erklärungen zu einer möglichen militärischen Dimension seines Atomprogramms zu liefern“, sagte Amano in seiner Eröffnungsrede. Zugleich kündigte er an, ein hochrangiges Team in den Iran zu entsenden, um alle noch offenen Fragen zu klären. Amano kritisierte auch Syrien, weil es Inspektoren der Atomenergiebehörde den Zugang zu verdächtigen Anlagen verweigert.

Irans umstrittene Atomanlagen

Natans

In der unterirdischen Fabrik südöstlich von Teheran wird schwach angereichertes Uran produziert. Es wird für die Stromgewinnung, aber in hoch angereicherter Form auch für Atomwaffen benötigt. Für den Bau einer Atombombe müsste Uran auf 80 Prozent und mehr angereichert werden.

Ghom

2009 gab Teheran die Existenz einer weiteren, lange geheim gehaltenen Anreicherungsanlage südlich von Teheran zu, die noch nicht in Betrieb ist. Die Fabrik in einem Tunnelsystem auf einem früheren Militärgelände nahe der Schiiten-Hochburg Ghom bietet Platz für 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Buschehr

Nach der islamischen Revolution von 1979 zog sich die deutsche Kraftwerk Union (KWU) aus dem Projekt zurück. Später stiegen die Russen in Buschehr ein. In den beiden Atomreaktoren im Südwesten des Landes wurden im Oktober 2010 die ersten aus Russland gelieferten Brennelemente geladen - 35 Jahre nach Baubeginn. Im September 2011 ging Irans erstes Atomkraftwerk offiziell in Betrieb.

Isfahan

Im Zentrum der iranischen Kernforschung gibt es eine Anlage zur Produktion von Kernbrennstäben. Auch das in Zentrifugen zur Urananreicherung benötigte Hexafluoridgas wird südlich von Teheran hergestellt.

Arak

Den USA ist seit 2002 die Existenz des unfertigen Schwerwasserreaktors im Westen des Landes bekannt. Hier fällt Plutonium an, das für die Bombenproduktion verwendet werden könnte.

Teheran

Der kleine Leichtwasserreaktor in der Hauptstadt wurde noch zu Zeiten des 1979 gestürzten Schahs mit US-Hilfe gebaut. Er soll Material für medizinische Zwecke produzieren. Dazu benötigt er angereichertes Uran.

Karadsch

Seit den 1990er Jahren arbeitet nahe der Hauptstadt ein Nuklearforschungszentrum, das vor allem medizinischen Zwecken dienen soll.

Trotz aller Zusicherung, offene Fragen zu einem vermuteten Atomprogramm zu klären, hätten IAEA-Experten drei Anlagen nicht betreten dürfen, sagte Amano. Die Vertreter der 35 Mitgliedsstaaten im Gouverneursrat, darunter auch Deutschland, stellen noch bis Freitag ihre Positionen zum Iran-Bericht vor. Medienvertreter dürfen an der Sitzung nicht teilnehmen. Ein Vertreter des Irans wird sich voraussichtlich erst am Freitag im Plenum äußern. Die Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat, Russland und China, haben bisher schärfere Strafmaßnahmen gegen Iran abgelehnt.

Bereits vor Beginn der Sitzung hatte Israel für schärfere Strafmaßnahmen gegen Iran geworben. „Wir müssen die politischen Führer der Welt davon überzeugen, dass (das iranische Atomprogramm) nicht nur gegen Israel gerichtet ist, sondern gegen die Grundfesten der Weltordnung“, sagte Verteidigungsminister Barak dem israelischen Rundfunk. „Ich hoffe, dass wir jetzt härtere Sanktionen sehen werden, aber ich kann nicht sagen, dass ich sehr optimistisch bin.“ Zu einem Militärschlag als letztem Ausweg sagte der 69-Jährige: „Man darf keine der Optionen vom Tisch nehmen.“ Israel dürfe nicht den Eindruck eines Landes erwecken, „das weinend und verängstigt dasitzt“, sagte Barak. „Dies ist eine Herausforderung für die ganze Welt, weil es die ganze Welt bedroht.“

Von

dpa

Kommentare (3)

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MeryemAzimi

17.11.2011, 13:45 Uhr

Also man kann es doch wohl nur als einen Witz bezeichnen, wenn Israel erklärt, das iranische Atomprogramm sei "gegen die Weltordnung" gerichtet. Selbst wenn Iran tatsächlich, sagen wir mal angesichts der Kapazitäten, 2 Atombomben bauen würde, wäre das doch lachhaft angesichts der mindestens 200 israelischen und insgesamt tausenden von Atombomben weltweit.
Aber davon muss man ja gar nicht reden.Im neuen IAEA Bericht steht nichts Substantielles zu einem militärischen Programm Irans und sein Staatsoberhaupt Ayatollah Chamenei verbietet Atomwaffen als Kriegsverbrechen. Schon die Herstellung und Lagerung.Die IAEA macht sich zum Handlanger einer weltweiten Kampagne gegen Iran, obwohl sie kein Land so kontrollieren darf. Und immer wenn alle offenen Fragen ausgeräumt sind, so wie 2007, kommen neue angebliche Beweise auf den Tisch(http://irananders.de/analysen/news-analysen/article/irans-nukleare-ambitionen-und-ihre-unklarheiten.html). Wer kann da noch Entgegenkommen erwarten? Israel lenkt von seinen existenziellen Schwierigkeiten ab, in die es sich im Konflikt mit den Palästinensern durch seine aggressive Siedlungspolitik selber gebracht hat und einer großer Teil der Welt trottet ihm unkritisch hinterher. Zum Glück nicht die ganze Welt.

Wheeler

17.11.2011, 13:59 Uhr

Eine Atombombe im Iran würde den amerikanischen Beutezügen im Wege stehen.

GASTX

17.11.2011, 16:07 Uhr

wie treist ist das denn, wenn die Welt Irans Atomwaffenprogramm stoppen soll, dann auch weg mit israelischen Atomwaffen.....ausgerechnet Israel was nicht öffentlich zugibt, dass und wie viele Atomwaffen es besitzt, sich an keine internationalen Vereinbarungen hält, verlangt so etwas......
"ALSO, AUCH WEG MIT DEN ISRAELISCHEN ATOMWAFFEN"

Wo bleibt der IAEA-Bericht über „ISRAELISCHEN ATOMWAFFEN“

Es stellt sich hier die Frage, von wem geht die militärische Bedrohungen, wer will denn hier wen angreifen?

hier einige Informationen über illegale israelische Atomwaffenprogramme.....
http://www.atomwaffena-z.info/atomwaffen-heute/atomwaffenstaaten/israel/index.html

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