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20.06.2017

12:31 Uhr

Attacke auf Muslime in London

Täter soll vierfacher Familienvater sein

Für die Attacke auf Gläubige vor einer Moschee in London soll ein Mann aus Wales verantwortlich sein. Der vierfache Familienvater fiel Berichten zufolge schon in den letzten Wochen durch ausländerfeindliche Sprüche auf.

Reaktion auf Terror in London

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LondonNach der Attacke auf Muslime vor einer Moschee in London ist der Täter nach übereinstimmenden Medienberichten identifiziert. Es handelt sich demnach um den 47-jährigen Darren O. aus Cardiff. Der vierfache Familienvater soll nach Angaben seiner Mutter unter psychischen Problemen gelitten haben. Scotland Yard wollte dies am Dienstag auf Anfrage nicht kommentieren.

Der Mann war in der Nacht zum Montag mit einem gemieteten Lieferwagen in eine Menschenmenge nahe einer Moschee in Finsbury Park im Norden der Hauptstadt gerast. Sieben Verletzte lagen am Dienstag noch in Krankenhäusern, drei von ihnen im kritischen Zustand.

Seine Mutter sagte dem britischen Fernsehsender ITV: „Mein Sohn ist kein Terrorist.“ Er sei wegen psychischer Probleme in medizinischer Behandlung gewesen. Sie bezeichnete ihren Sohn als „komplexe Person“. In einer Stellungnahme der Familie sagte ein Neffe: „Er ist offenbar einfach verrückt.“ Einige Nachbarn bezeichneten ihn als freundlichen Familienvater, anderen Schilderungen zufolge lebte er zuletzt getrennt von seiner Familie in einem Zelt.

Terrorattacken in Europa

17. August 2017

In Barcelona rast ein Lieferwagen in eine Menschenmenge. Es gibt mehrere Tote und Verletzte.

09. August 2017

In einem Vorort von Paris attackiert ein Algerier Soldaten mit einem Pkw. Es gibt sechs Verletzte.

28. Juli 2017

In Hamburg attackiert ein Mann mehrere Menschen in einem Supermarkt. Dabei wird ein Mann getötet, fünf weitere Menschen werden verletzt.

20. Juni 2017

Bei einem versuchten Anschlag auf den Zentralbahnhof in Brüssel wird der Angreifer getötet.

19. Juni 2017

Als Racheakt für Terroranschläge in Großbritannien fährt Darren Osborne mit einem Minivan in London in eine Gruppe Muslime. Es gibt einen Toten und zehn Verletzte.

19. Juni 2017

Bei einem versuchten Anschlag auf dem Champs-Elysées wird ein Attentäter getötet. Er hatte sein Auto mit Sprengstoff beladen.

06. Juni 2017

Bei einer Hammer-Attacke vor dem Notre-Dame wird ein Polizist verletzt. Der Anschlag war islamistisch motiviert.

03. Juni 2017

Bei einem Anschlag in London mit einem Kleinlaster sterben elf Menschen, weitere 48 werden verletzt.

22. Mai 2017

Ein Selbstmordattentäter zündet bei einem Konzert der US-Sängerin Ariana Grande in der Manchester Arena im Norden Großbritanniens einen Sprengsatz. Er reißt 22 Menschen mit in den Tod.

07. April 2017

Ein Mann fährt mit einem gestohlenen Lkw durch die Fußgängerzone der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Vier Menschen kommen ums Leben.

22. März 2017

Ein Angreifer fährt mit einem gemieteten Geländewagen Fußgänger auf der Westminster Bridge in London nieder, vier von ihnen sterben. Anschließend ersticht der Mann einen Polizisten.

19. Dezember 2016

Mit einem gestohlenen Lkw fährt der mutmaßliche Attentäter Anis Amri über einen Weihnachtsmarkt in Berlin. Dabei kommen zwölf Menschen ums Leben.

14. Juli 2016

In Nizza lenkt ein Mann während der Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag einen Lkw in die Menschenmenge auf der Promenade der Stadt. 86 Menschen sterben.

22. März 2016

Bei Selbstmordanschlägen am Brüsseler Flughafen und in einer U-Bahn-Station im Zentrum der Stadt kommen 32 Menschen ums Leben. Ermittlungen ergeben, dass die Attentäter enge Verbindungen zu einer Gruppe hatten, die zuvor Anschläge in Paris verübt hatte.

13. November 2015

Extremisten, die mit der Terrormiliz Islamischer Staat in Verbindung stehen, töten bei einem Attentat im Pariser Konzertsaal Bataclan und weiteren Orten in der französischen Hauptstadt 130 Menschen. Ein Hauptverdächtiger im Zusammenhang mit dem Anschlag, der 26 Jahre alte Salah Abdeslam, wird am 18. März 2016 in Brüssel festgenommen.

14. Februar 2015

Ein Bewaffneter tötet den dänischen Filmemacher Finn Nørgaard und verletzt drei Polizisten in Kopenhagen. Einen Tag später greift er eine Synagoge in der dänischen Hauptstadt an. Er tötet einen jüdischen Wachmann und verletzt zwei Polizisten, bevor er erschossen wird.

07. bis 09. Januar 2015

Attentäter greifen das Büro der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Supermarkt in Paris an. Bei den beiden Attacken kommen 17 Menschen ums Leben. Das Terrornetzwerk Al-Kaida reklamiert die Tat für sich und erklärt, „Charlie Hebdo“ habe den Propheten Mohammed beleidigt. Bereits 2011 war ein Anschlag mit Brandbomben auf das Büro der Zeitschrift verübt worden, bei dem niemand verletzt wurde.

Quelle: AP

Nach einem Bericht des „Telegraph“ soll sich der Mann seit einigen Wochen zunehmend negativ über Muslime geäußert haben. So habe er einen zwölfjährigen Asiaten aus der Nachbarschaft beleidigt und sei am Tag vor der Attacke wegen ausländerfeindlicher Äußerungen aus einer Kneipe geflogen. „Er ist laut und aggressiv“, zitierte die Zeitung einen Besucher des Pubs in Cardiff, der Hauptstadt von Wales.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan setzte in der Nacht zum Dienstag beim abendlichen Fastenbrechen mit Muslimen ein demonstratives Zeichen gegen Hass und Gewalt. „London steht weiterhin zusammen“, schrieb Khan nach dem Treffen mit Mitgliedern der betroffenen Moschee-Gemeinde auf Twitter. Es habe ihn bewegt, wie Londoner unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Herkunft zusammengekommen seien, „um geeint zu stehen gegen jene, die uns spalten wollen“. Auf Fotos war Khan zusammen mit dem Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn und Mitgliedern der muslimischen Gemeinde beim Iftar zu sehen - dem festlichen Fastenbrechen. Die Moschee liegt in Corbyns Wahlkreis.

Anschlag in London: „Das passiert viel zu häufig, das ist einfach zu viel”

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Gut zwei Wochen nach dem Terroranschlag im Zentrum Londons ist die britische Hauptstadt erneut in heller Aufregung. Wieder ist ein Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast, ein Mensch kam ums Leben. Ein Ortsbericht.

Bei der Attacke waren mehrere Mitglieder der Gemeinde verletzt worden. Der Fahrer steht nach Polizeiangaben unter Terrorverdacht. Die Bluttat sei „ganz klar eine Attacke auf Muslime“ gewesen, sagte Polizeichefin Cressida Dick. Premierministerin Theresa May sagte, die „Terrorattacke“ habe das Ziel verfolgt, die Gesellschaft zu spalten.

Die Muslime waren während des Fastenmonats Ramadan nach dem Ende eines Gebets auf die Straße getreten. Augenzeugen zufolge rief der 47-Jährige: „Ich will Muslime töten.“ Ob ein Mann als Folge des Angriffs umkam, war nach Angaben der Polizei zunächst unklar - er hatte demnach schon vor der Tat Erste Hilfe erhalten. Augenzeugenberichten zufolge wurde der Mann dagegen von dem Fahrzeug erfasst. Acht Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht.

Von

dpa

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