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19.11.2015

17:48 Uhr

Attentäter aus Westjordanland

Zwei Israelis bei Messerattacke in Tel Aviv getötet

Während Europa noch um Paris trauert, geht in Israel der ganz normale Terror weiter: Erneut sind bei einer Messerattacke eines Palästinensers zwei Israelis gestorben. Der Angreifer konnte gestoppt werden.

Polizisten stehen vor dem Tatort in Tel Aviv. Reuters

Erneute Anschläge

Polizisten stehen vor dem Tatort in Tel Aviv.

JerusalemBei einer neuen Messerattacke in Tel Aviv sind am Donnerstag zwei Israelis getötet und ein dritter verletzt worden. Ein 36-jähriger Palästinenser habe seine Opfer in einem Büro- und Geschäftsgebäude angegriffen, als sich diese zum Nachmittagsgebet versammelten, sagte Polizeisprecherin Luba Samri am Donnerstag. Zivilisten hätten den Attentäter so lange festgehalten, bis Sicherheitskräfte eintrafen. Im Westjordanland wurden sechs Israelis durch Schüsse verletzt.

Der Augenzeuge Schimon Waknin berichtete dem Fernsehsender Channel 2, er habe mit seinen Kollegen gebetet, als ein blutender Mann in den Raum gestolpert sei. Auch der Angreifer habe eindringen wollen, doch die Gläubigen hätten sich gegen die geschlossene Tür des Ladens gestemmt. Samri sagte, der Attentäter stamme aus dem Westjordanland. Was er in Tel Aviv machte, war zunächst noch nicht geklärt.

Parteien in Israel

Likud

Der Ursprung der Likud-Partei liegt in der 1948 gegründeten Partei Cherut. 1977 stellte Likud mit Menachem Begin zum ersten Mal den israelischen Regierungschef. Der aktuelle Ministerpräsident und Parteivorsitzende Benjamin Netanjahu war bereits von 1996 bis 1999 Ministerpräsident Israels. Likud gehört zu den Arbeiterparteien und steht für den Ausbau israelischer Siedlungen im Westjordanland. Nationalkonservative Grundsätze zeichnen Likud genauso wie ihre zionistische Weltsicht aus.

Kadima

Die vom damaligen Ministerpräsident Ariel Scharon 2005 gegründete Kadima-Partei hat ihren Ursprung bei der rechtskonservativen Likud. Kadima gehört zu den liberalen Parteien und strebt mithilfe der „Road Map“ eine Beendigung des israelisch-palästinensischen Konflikts an. Parteivorsitzender ist Schaul Mofas.

Awoda

Die Awoda ist eine israelische Arbeitspartei und wurde 1968 gegründet. Im Zentrum stehen sozial- und wirtschaftspolitische Fragen. Aber auch der Konflikt mit Palästina spielt bei Awoda eine zentrale Rolle. Die Arbeitspartei verfolgt hier einen ähnlichen Ansatz wie Kadima. Mithilfe von Verhandlungen mit nicht gewalttätigen palästinensischen Gruppierungen soll Frieden zwischen den Nationen hergestellt werden. Der aktuelle Parteivorsitzende ist Jitzchak Herzog.

HaBajit jaJehudi

Die Partei „Jüdische Heimat“ zählt zu den ultrakonservativen Gruppen im israelischen Parlament und ist aktuelle Koalitionspartner von Benjamin Netanjahu. Die von nationalreligiösen Politikern geführte Partei setzt sich besonders für israelische Siedler im Westjordanland ein.

Schas

Die ultraorthodoxe Partei Schas gehört zu den Hardlinern im Parlament. Sie verfolgen eine kompromisslose Politik gegenüber den Palästinensern und stufen Homosexualität als Krankheit ein. Dennoch war Schas an einigen Regierungen beteiligt. Seit 2013 gehört sie der Opposition an.

Jesch Atid

Die Zukunftspartei unter den Vorsitzenden und Parteigründer Yair Lapid hat sich seit 2012 zu einer Partei der Mitte etabliert. Die Partei fordert eine Wehrpflicht für ultraorthodoxe Juden, die bisher vom Dienst an der Waffe befreit waren. Außerdem wird eine Zwei-Staaten-Lösung mit den Palästinensern angestrebt.

Hatnua

Die von Tzipni Livni gegründete Hatnua ist ein Abspaltungsprodukt der Kadima-Partei. Hatnua gehört dem Mitte-Links-Spektrum an. Im aktuellen Wahlkampf hat sich die Partei der Awoda zusammengeschlossen. In den Prognosen liegt das Parteibündnis vor der Likud.

Meretz

Die linksgerichtete Meretz hat die Bürgerrechte, die Gleichstellung der Frau und den religiösen Pluralismus im Fokus. Außenpolitisch besitzt Meretz ein Alleinstellungsmerkmal. Als erste zionistische Partei akzeptiert sie einen palästinensischen Staat. Aktuelle Parteivorsitzende ist Zahava Gal-On.

Vereinigte Arabische Liste

Die Vereinigte Arabische Liga setzt sich aus der Balad- und der Taal-Partei zusammen. In ihrem Wahlkampf fordern sie die Etablierung eines palästinensischen Staates, die Räumung der jüdischen Siedlungen und eine Gleichberechtigung zwischen jüdischen und arabischen Israelis.

Im von Israel besetzten Westjordanland eröffnete ein Palästinenser aus seinem Auto das Feuer auf ein israelisches Fahrzeug. Dabei wurden Samri zufolge sechs Personen verletzt. Der Angreifer sei gestoppt worden, sagte die Sprecherin, ohne Einzelheiten zu schildern. Israelische Medien berichteten, der Schütze sei nach der Tat weitergefahren und mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammengeprallt. Die Polizei konnte das nicht bestätigen.

In Israel und den Palästinensergebieten gibt es seit etwa zwei Monaten eine Welle der Gewalt. Immer wieder greifen Palästinenser Israelis mit Messern an. Insgesamt 16 Israelis und 82 Palästinenser wurden getötet. Ausgangspunkt war ein Streit über die Nutzung des Tempelbergs in Jerusalem Mitte September. Bislang konzentrierten sich die Angriffe auf Jerusalem und das besetzte Westjordanland. Allerdings gab es auch schon in Tel Aviv Gewaltakte.

Von

ap

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