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21.01.2007

10:03 Uhr

Attentat auf Hrant Dink

Türkischer Journalisten-Mörder gefasst

Nach dem Mordanschlag auf den armenisch-stämmigen Journalisten Hrant Dink in Istanbul ist der mutmaßliche Attentäter gefasst worden. Der per Fahndungsfoto gesuchte Mann wurde in einem Bus in der Stadt Samsun am Schwarzen Meer festgenommen – mit Hilfe seines Vaters.

Der mit diesem Fahndungsfoto gesuchte Türke ist als mutmaßlicher Mörder des armenisch-stämmigen Journalisten Hrant Dink gefasst worden. Foto: dpa dpa

Der mit diesem Fahndungsfoto gesuchte Türke ist als mutmaßlicher Mörder des armenisch-stämmigen Journalisten Hrant Dink gefasst worden. Foto: dpa

HB ISTANBUL. Der Vater des 17-Jährigen hatte seinen Sohn auf den Bildern einer Überwachungskamera erkannt und die Polizei alarmiert. Bereits die erste Vernehmung ergab ein Geständnis des Jugendlichen, erklärte der zuständige Staatsanwalt Ahmet Cokcinar einer Meldung der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge.

Der 52-jährige Journalist Hrant Dink wurde am Freitag vor seinem Redaktionsbüro in Istanbul erschossen. Eine Überwachungskamera hatte Aufnahmen des Verdächtigen gemacht. Die Polizei nahm den Verdächtigen, dessen Name mit Ogün Samast angegeben wurde, gestern Abend in Samsun am Schwarzen Meer fest.

Erst wenige Stunden vor der Festnahme war der Gesuchte identifiziert worden. Den entscheidenden Hinweis habe der in Trabzon lebende Vater des Täters gegeben, berichteten türkische Medien. Einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf den 52-jährigen Journalisten hatte die Istanbuler Polizei am Samstag Videoaufzeichnungen des mutmaßlichen Mörders an die Medien verteilt und die Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen.

Die von einer Überwachungskamera aufgenommenen Bilder zeigten einen jungen Mann mit Schnurrbart, der eine weiße Mütze und eine Jeansjacke trägt. Auf einem Foto ist zu sehen, wie er im Weglaufen eine Waffe in den Hosenbund steckt.

Dink war im vergangenen Jahr wegen „Beleidigung des Türkentums“ rechtskräftig zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Weil er die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich im Ersten Weltkrieg als „Völkermord“ bezeichnet hatte, sah sich Dink Anfeindungen nationalistischer Kreise ausgesetzt. Der Vorwurf des Genozids an den Armeniern wird von der Türkei heftig bestritten.

Aus Protest gegen die Ermordung Dinks waren am Freitagabend tausende Menschen in der Türkei auf die Straße gegangen. In Istanbul versammelten sich rund 5000 Menschen zu einer spontanen Kundgebung auf dem Hauptplatz der Metropole. In der Hauptstadt Ankara folgten rund 700 Menschen einem Aufruf von Menschenrechtgruppen und Gewerkschaften.

Die Regierung in Ankara hatte eine rasche Aufklärung des Falls versprochen. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte im Fernsehen, die Schüsse auf Dink wurden "auf uns alle abgegeben". Die Zeitung "Hürriyet" schrieb, der Mörder habe die türkische Nation verraten. "Milliyet" titelte: "Hrant Dink ist die Türkei".

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