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22.07.2014

11:01 Uhr

„Attentat gegen Putin“

Das ganz eigene Bild der Russen vom MH17-Absturz

Ein fehlgeschlagenes Attentat gegen Putin. Ein Versuch, den Westen in den Kampf um die Ostukraine zu ziehen. Ein gescheiterter Massenmord an Russen: In den Moskauer Medien gibt es viele Theorien zum Flugzeugabsturz.

Nach internationalen Protesten

Rebellen übergeben Flugschreiber

Nach internationalen Protesten: Rebellen übergeben Flugschreiber

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MoskauNachrichtenkonsumenten in Russland bekommen ein völlig anderes Bild von der Flugzeugtragödie in der Ostukraine präsentiert als Menschen im Westen. Die Theorien zur Absturzursache sind vielfältig, doch der Schuldige ist klar: die Regierung in Kiew.

Die Möglichkeit, dass Russland Verantwortung für den Abschuss der Malaysia-Airlines-Maschine haben könnte, wird in den russischen Medien nicht angesprochen. Die USA und die Ukraine werfen Moskau vor, die Separatisten bewaffnet und ihnen damit die Möglichkeit gegeben zu haben, das Flugzeug vom Himmel zu holen. Auch die Möglichkeit, dass dabei russisches Personal das verwendete Raketenabschusssystem bediente, wurde in Washington und Kiew geäußert.

Die Theorien, die in Russland ins Kraut schießen, sehen ganz anders aus. Nur wenige Stunden nach dem Absturz von Flug MH17 am vergangenen Donnerstag spekulierte eine der bekanntesten russischen Nachrichtensprecherinnen, Jekaterina Andrejewa, über ein versuchtes Attentat auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Denn er sei nur eine Stunde zuvor auf der gleichen Route geflogen wie der abgeschossene Jet, als er von einer Reise aus Brasilien zurückkehrte.

Geplante neue EU-Sanktionen gegen Russland

1. Grundsatzbeschluss

Wenn Firmen und milliardenschwere Oligarchen zur Destabilisierung der Ukraine beitragen, können sie auf eine schwarze Liste kommen.

2. Grundsatzbeschluss

Von Sanktionen betroffene Unternehmen dürfen keine Geschäfte mit EU-Firmen machen und können nicht mehr über Vermögenswerte in der EU verfügen. Anzahl und Namen der Unternehmen sind aber bisher offen.

3. Grundsatzbeschluss

Bis Ende Juli soll über eine erste Liste von Unternehmen entschieden werden, für die neuen Sanktionen gelten sollen.

4. Grundsatzbeschluss

Die Europäische Investitionsbank (EIB) soll die Unterzeichnung neuer Finanzierungsmaßnahmen in Russland aussetzen. Zudem wird die EU-Kommission aufgefordert, die Programme für die Zusammenarbeit mit Russland gegebenenfalls auszusetzen. Projekte aber, die auf die Zivilgesellschaft ausgerichtet seien, sollen aufrechterhalten werden.

Rückblick

Der EU-Gipfel vom 27. Juni hatte Russland aufgefordert, bis zum 30. Juni unter anderem für die Freilassung von OSZE-Geiseln zu sorgen und an Friedensverhandlungen teilzunehmen. Auf ausbleibende Fortschritte reagierte der EU-Ministerrat am 11. Juli mit elf weiteren Einreiseverboten und Kontensperrungen. Zudem wird als ein Grund für die Ausweitung eine mangelhafte Grenzkontrolle genannt.

Die EU und die Ukraine haben am 27. Juni ein Assoziierungs- und Freihandelsabkommen unterzeichnet. Es soll den EU-Markt für die Ukraine öffnen und zugleich demokratische Reformen im Land unterstützen. Außerdem hat die EU eine Zahlungsbilanzhilfe in Höhe von 1,6 Milliarden Euro zugesagt. In den nächsten Jahren sollen auch EU-Hilfsmaßnahmen mit einem Volumen von elf Milliarden Euro greifen.

Von dieser Theorie war in den folgenden Tagen nichts mehr zu hören. Sie wurde aber durch andere ersetzt. Der staatlich kontrollierte Sender Rossija berichtete die prorussischen Rebellen in der Ostukraine verfügten gar nicht über das Raketenabschusssystem Buk, von dem aus das Flugzeug getroffen wurde, sondern nur die Regierung in Kiew. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah allerdings nur wenige Stunden vor dem Absturz eines in den Separatistengebieten. Im Internet hatten einige der Kämpfer zudem damit geprahlt, ein solches Gerät zu besitzen.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

22.07.2014, 11:50 Uhr

Der Westen unterstellt Russland die Beihilfe zur Schuld am Flugzeugabsturz. Daher muss es doch verständlich sein, dass Russland die Schuld bei der Ukraine sieht.
Solange keine eindeutige Schuldzuweisung gemacht werden kann, sollte man möglichts neutral kommentieren.

Herr Gerhard Kraus

22.07.2014, 11:53 Uhr

Was ist tatsächlich passiert?
Ein ukrainischer Militär-Jet versteckt sich-wie üblich-in der Nähe von Verkehrsmaschinen.
Das ging lange Gut bis die Freiheitskämpfer oder Separatisten (je welche Seite das sieht) mal eine russische Rakete zu viel abschießen.
Die Weltpresse staunt. In einen Krieg fliegen Raketen….na sowas. Nun ist doch mal jemand auf den Gedanken gekommen, die Flüge umzuleiten.
Ja, nun liegen da Leichen. Freiheitskämpfer oder Separatisten tun was sie tun können. Die Leichen einsammeln. Mangels Kühllagerhaus ums Eck in einen Kühlzug. Was sollen sie mehr tun.
Und dieser Zug wird dann in eine Stadt gefahren, wo nun die Opfer versorgt werden können.
Weiter sichern sie die Flugschreiber. Sonst wären die durch Gaffer oder Journalisten längst verschwunden.
Besser ging es doch nicht.
Und wenn die deutsche Presse vorraus ARD/ZDF nicht viele Fakten unterschlagen würde( z.b. Jet beim Flugzeug in kürzester Entfernung) würd das alles ein ganz anderes Bild geben.
Wer sagt denn, dass das Flugzeug nicht von dem Jet gerammt wurde??
Schlimmste Propaganda-Hetze vom Kriegsverantwortlichem, dem Westen!

Herr C. Falk

22.07.2014, 11:59 Uhr

Erfreulich sachlicher Beitrag des HB zu den völlig unterschiedlichen Beurteilungen des Absturzes und der Suche nach Motiven und Interessen in Hinblick auf die möglich Beteiligten und Tatverdächtigen, in den westlichen und den russischen Medien.

Kurz nach dem Absturz war in der westlichen Presse der Verursacher
schon festgestellt, ohne dass eine Untersuchung vor Ort überhaupt erst begonnen hatte.

Wenn es richtig ist, dass eine ukrainische Jagtmaschine in der Nähe war, liegt zumindest die Annahme nahe, dass ein einseitiger Blick auf die Separatisten als möglich alleinige Schuldige , der Gesamtsituation nicht gerecht wird.

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