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11.01.2011

04:07 Uhr

Attentat

Obama auf dem Weg nach Tucson?

US-Präsident Obama will offenbar nach dem Attentat von Arizona nach Tucson reisen, um die Opfer zu ehren. Todesschütze Loughner hat sich derweil zum Prozessauftakt selbstbewusst und höflich gezeigt.

HB WASHINGTON. US-Präsident Barack Obama will nach einem Medienbericht an diesem Mittwoch nach Tucson im US-Staat Arizona reisen, um an der Gedenkzeremonie für die Opfer des Attentats teilzunehmen. Es sei eine noch nicht näher bestimmte Art von Abschiedsfeier geplant, zitiert die US- Onlinezeitung „Politico“ am Montagabend (Ortszeit) einen Regierungsbeamten. Details hätten zunächst nicht festgestanden.

Von mehr als einem Dutzend US-Marshalls bewacht ist indes zwei Tage nach dem Mordanschlag Todesschütze Jared Lee Loughner erstmals vor Gericht erschienen. Bei dem 15-minütigen Haftprüfungstermin wurde der 22-Jährige am Montag in Phoenix zu seinen Personalien befragt, zudem las der Richter ihm die Anklagepunkte sowie das möglich Strafmaß vor, wie ein Reporter des US-Fernsehsenders CNN berichtete. Freunde oder Familienangehörige des Attentäters seien nicht in dem völlig von Medienleuten überfüllten Raum gewesen.

Loughner habe den Eindruck vermittelt, alles verstanden zu haben, berichtete der Reporter. „Er war mental voll da, wusste genau, was vor sich ging.“ Er habe selbstbewusst gewirkt. Der an Händen und Füßen gefesselte Todesschütze sei dem Richter gegenüber freundlich gewesen und habe sich gut ausgedrückt. An seiner rechten Seite seines kahlgeschorenen Kopfes sei eine Wunde sichtbar gewesen, hieß es.

Als nächster Gerichtstermin wurde für den 24. Januar eine Anhörung anberaumt. Der Todesschütze wird von Anwältin Judy Clarke vertreten, die nach Angaben der „New York Times“ bereits „Unabomber“ Theodore Kaczynski und Zacarias Moussaoui, einen Komplizen der Anschläge vom 11. September 2001, verteidigte. Zunächst war unklar, ob die Staatsanwaltschaft die Todesstrafe fordert. Der Attentäter ist des mehrfachen Mordes und versuchten Mordes angeklagt.

Der Schütze von Arizona hat den Anschlag auf die Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords, der am Samstag in ein Blutbad mit 6 Toten und 14 Verletzten mündete, anscheinend gezielt geplant. Bei einer Durchsuchung im Haus Loughners fanden die Beamten in einem Safe entsprechende Hinweise. Unter den Funden war ein Briefumschlag mit verschiedenen „Botschaften“ Loughners. Sie enthielten Formulierungen wie „Mein Attentat“, „Ich habe voraus geplant“ und auch den Namen der demokratischen Kongressabgeordneten.

Giffords Gesundheitszustand blieb unverändert kritisch, stabilisierte sich zwei Tage nach dem Anschlag allerdings. Ärzte nannte es „ein Wunder“, dass die 40-Jährige den glatten Kopfdurchschuss überhaupt überlebt habe. Sie könne hören, verstehen und befolge Anweisungen, sagte Mediziner Peter Rhee. Das zeige, dass Denkprozesse „auf einem ziemlich hohen Niveau“ funktionierten. Die Politikerin gehöre zu einer „sehr kleinen Gruppe“, die eine solche Verletzung überlebten, hieß es von den Ärzten. Giffords habe nach Aufforderung zwei Finger gehoben und die Hand gedrückt.

Am Montag hatte Amerika mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht. Dazu aufgerufen hatte Obama. An Bundesgebäuden im ganzen Land wurden die Flaggen auf Halbmast gesetzt. In den USA konzentriert sich die Debatte auf die Frage, ob das aufgeheizte politische Klima und die Stimmungsmache der Rechten gegen Giffords die Bluttat mitverursacht haben.

Kommentare (1)

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marcon

11.01.2011, 07:54 Uhr

Vielleicht war dieses Attentat, so fürchterlich es ist, ein wichtiger Warnruf, ein Schrei. Dieses Amerika ist ein Schmelztiegel von gegenseitiger Verleumdung, Verdammung in einem unwürdigen, gegenüber den bürgern unwürdigem Machtkampf geworden. Die Republikaner in ihrer Gier nach Macht und Einfluss, vergewaltigen dieses Land, missbrauchen die Gründerväter. bush und Cheney haben die Macht und den Einfluss des Geldes in ihrer radikalsten Form beansprucht und praktiziert.
Eine Sarah Palin als ernstzunehmende Persönlichkeit nur zuzulassen, ist ein Menetekel eines Teiles der amerikanischen Gesellschaft. Amerika hat das Glück in diesem Augenblick einen Obama als Präsident zu haben, der bildung, Geist und Klugheit besitzt. Voraussetzungen, die der größte Teil der amerikanischen Gesellschaft nicht hat. Deshalb ist diese Gesellschaft so manipulierbar. Die Republikaner tragen die Schuld an dieser Radikalisierung. Wir können nur hoffen, dass die amerikanische Gesellschaft dieser Redaikalisierung Einhalt gebietet durch die Kräfte der Vernunft.
Die Republikaner zeigen die hässlichste Seite des Kapitalismus, der dem Kannibalismus sehr ähnlich ist. Amerika muss den Einfluss dieser mächtigen Hybris entscheidend einschränken. Dies kann nur geschehen, in dem die gängige Spendenpraxis an Poltiker und Parteien beendet wird. Dann wird diese Lobbykratie, die nicht nur in den USA vorherrscht, zurückgedrängt und Politiker können nicht mehr gezwungen werden, diesen interessen zu entsprechen.
Vieles von dem vorgenannten kann auch in Europa beobachtet werden, nur in Amerika scheint jetzt ein Moment der gesamten Gesellschaft erreicht, der dringend zur Umkehr der Verantwortlichen aufruft. Dies ist wichtig für Amerika und mithin alle demokratischen Gesellschaften. Es ist die Chance, eine schon längst fällige Diskussion zu beginnen, was Demokratie bedeutet, ganz bestimmt nicht die derzeitige Form. Es muss eine radikale Hinwendung erfolgen, zu gesamt gesellschaftlicher Eigenverantwortung, zu persönlicher Freiheit und nicht mehr Sicherheit. Eine sanfte Revolution, wie M. Ferguson schreibt, die Mässigung und gesunden Menschenverstand von allen fordert, sonst hat Ross Perrot am Ende recht, als er nach der verlorenen Wahl sagte: "Fahren wir zurück ins irrenhaus." Wir müssen alle den Mut haben, Visionen, Kreativität und Verantwortung, ideale und Werte wieder zu beleben, zu leben und zu fordern, sonst hat diese Gesellschaft keine Überlebenschance mehr. Weder in Amerika noch in Europa

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