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09.12.2015

20:18 Uhr

Attentat von San Bernadino

Täter sollen sich vor erstem Treffen radikalisiert haben

US-Ermittler rätseln, zu welchem Zeitpunkt sie die mutmaßlichen Attentäter von San Bernardino hätten aufspüren können. Und sie untersuchen, ob eine Terrorgruppe ihre Beziehung möglicherweise arrangierte.

Laut den Ermittlern hatte sich das Ehepaar Farook und Malik bereits bevor sie sich kennenlernten radikalisiert. AFP

San Bernadino

Laut den Ermittlern hatte sich das Ehepaar Farook und Malik bereits bevor sie sich kennenlernten radikalisiert.

WashingtonDie beiden mutmaßlichen Attentäter von San Bernardino haben nach Angaben von FBI-Direktor James Comey schon vor mindestens zwei Jahren radikalislamische Ansichten vertreten. Syed Farook und seine Frau Tashfeen Malik, die vergangene Woche 14 Menschen in einem Sozialzentrum getötet haben sollen, hätten bereits 2013 über Märtyrertum und einen Heiligen Krieg diskutiert, sagte Comey am Mittwoch vor dem Justizausschuss des US-Senats in Washington.

Comey sagte, Farook und die gebürtige Pakistanerin Malik hätten sich bereits radikalisiert, bevor sie sich im Internet kennengelernt hätten. Er beschrieb sie als „einheimische gewalttätige Extremisten“. Sie seien eindeutig durch eine ausländische Terrororganisation inspiriert worden. Die Ermittler wüssten aber noch nicht, ob ihre Beziehung von dieser Gruppe arrangiert worden sei. „Es wäre sehr, sehr wichtig, das zu wissen“, sagte Comey.

Der FBI-Direktor sagte, Maliks Radikalisierung habe schon begonnen, bevor sie ein Verlobtenvisum für die USA beantragte, um Farook zu heiraten. Sie kam im Juli vergangenen Jahres aus Pakistan in die USA und heiratete den in Chicago geborenen Farook. Demnach ist sie bei der Sicherheitsüberprüfung nicht aufgefallen. Comey erklärte, er könne noch nicht sagen, ob es bei der Visaerteilung Fehler gegeben habe.

Was wir über das Attentat von San Bernardino wissen

Die Tat

Das Ehepaar Syed Farook und Tashfeen Malik eröffnete am Mittwoch, 2. Dezember, in einer Sozialeinrichtung in San Bernadino, Kalifornien, das Feuer. Farook hatte in der Einrichtung gearbeitet. 14 Menschen starben, 21 weitere wurden schwer verletzt. Nach einer Verfolgungsjagd wurde das Paar von der Polizei in ihrem gemieteten SUV erschossen. Nach Darstellung der Behörden gaben Malik und Farook am Tatort bis zu 75 Schüsse ab, sie ließen außerdem drei Rohrbomben in einem ferngesteuerten Sprengsatz zurück, der allerdings nicht funktionierte. Bei den Leichen fanden sich weitere 1600 Schuss Munition. Zwei bei der Tat verwendete Handfeuerwaffen soll Farook legal besessen haben.

Die Täter

Tashfeen Malik stammte aus Pakistan, Syed Farook wurde in den USA geboren. Kennen lernte sich das Paar über eine Online-Dating Plattform und traf sich im Sommer 2014 in Saudi-Arabien, wo Malik vor der gemeinsamen Übersiedlung in die USA zuletzt gelebt hatte. Ende Juli 2014 reiste Malik in die USA ein, das Paar heiratete einen Monat später. Seit Juli 2015 besaß Malik offenbar eine Greencard, nach Angaben der Anwälte von Farooks Familie soll sie allerdings als „fürsorgliche Hausfrau“ sehr zurückgezogen gelebt und Burka getragen haben. Farook soll regelmäßig am Schießstand trainiert haben, allein in der Wiche vor dem Attentat zwei Mal. Das Paar scheint seine Tat lange geplant zu haben, der SUV mit dem Farook und Malik vor der Polizei flohen und in dem sie schließlich erschossen wurden war gemietet, beide hatten ihre Handys entsorgt und versucht, ihre digitalen Spuren zu verwischen. Im Haus und der Garage fand die Polizei zwölf Rohrbomben und mehr als 4500 Schuss Munition. „Die beiden waren möglicherweise auf dem Weg zu weiteren Angriffen“, erklärte Polizeichef Jarrod Burguan. „Wir haben sie vorher gestellt.“ Das Paar hatte eine sechs Monate alte Tochter.

Das sagen die Medien

Der Fernsehsender CNN zitierte am Freitag mehrere Ermittler, laut denen Tashfeen Malik im Internet Kontakt zu der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gesucht hatte. In einem Facebook-Eintrag soll Malik IS-Anführer Abu Omar al-Bagdadi ihre Gefolgschaft versprochen haben. Die „Los Angeles Times“ zitierte einen Facebook-Sprecher, laut dem das Profil mit dem entsprechenden Beitrag inzwischen gelöscht worden sei. Los Angeles' stellvertretender FBI-Direktor David Bowdich bestätigte den Facebook-Post indirekt. Er machte aber keine Angaben zu dessen Bedeutung für die Ermittlungen: „Wir haben das gesehen, was auch Sie gesehen haben.“

Das sagt die Polizei

Die US-Bundespolizei FBI untersucht die Tat inzwischen offiziell als Terrorakt. „Ab heute, auf Basis dessen was wir bis jetzt wissen, werden wir die Schießerei in San Bernardino, der 14 Menschen zum Opfer gefallen sind und 21 verwundet wurden, als einen Terrorakt behandeln“, erklärte der stellvertretende FBI-Direktor von Los Angeles, David Bowdich am Freitagnachmittag. Zunächst hatten die Ermittler vor „voreiligen Rückschlüssen“ gewarnt und auch einen persönlichen Hintergrund für die Tat nicht ausgeschlossen. Mittlerweile gehen die Ermittler davon aus, dass sich Farook und Malik im Internet radikalisierten. Angebliche Verbindungen zur Terrormiliz IS wollte das FBI, trotz Maliks Facebook-Post, hingegen nicht bestätigen. „Wir haben solche Hinweise derzeit nicht“, erklärte FBI-Direktor James Comey. Die genauen Umstände der Radikalisierung sind allerdings auch einige Tage nach der Tat nicht bekannt.

Heimatschutzminister Jeh Johnson sagte, die Regierung prüfe das Prozedere, nach dem Visa erteilt werden. Welche Veränderungen erwogen würden, sagte er nicht.

Farook und Malik sollen vor einer Woche auf einer Betriebsfeier 14 Menschen erschossen haben. Sie selbst wurden von der Polizei getötet. Die Bundespolizei FBI geht von einem terroristischen Hintergrund aus.

Von

ap

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