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14.11.2015

14:38 Uhr

Attentate in Paris

„Wir dürfen Paris nicht als Ausrede für Ausländerfeindlichkeit benutzen“

VonSandra Louven

Die Friedensnobelpreisträger haben sich gerade jetzt zu ihrem jährlichen Treffen in Barcelona eingefunden – und rufen nach dem Terroranschlag in Paris zu Besonnenheit auf.

Das Treffen der Friedensnobelpreisträger in Barcelona wurde in diesem Jahr von den Terroranschlägen in Paris überschattet. AFP

Treffen der Friedensnobelpreisträger

Das Treffen der Friedensnobelpreisträger in Barcelona wurde in diesem Jahr von den Terroranschlägen in Paris überschattet.

BarcelonaEs ist wie ein Hohn, das sich in Barcelona zeitgleich mit den Terroranschlägen die Friedensnobelpreisträger zu ihrem jährlichen Treffen eingefunden haben. Die Nachricht überschattete das geplante Programm am Samstag, die Teilnehmer zeigten sich in Diskussionsrunden bestürzt. Eine Gruppe von Laureatinnen besuchte spontan die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, um gemeinsam eine Schweigeminute für die Opfer einzulegen.

Jody Williams, die 1997 mit der Internationalen Kampagne gegen Landmienen den Friedensnobelpreis gewonnen hat, mahnte bei aller Emotionalität, die die Attentate hervorriefen zur Besonnenheit. „Wir müssen aufpassen, dass wir Paris jetzt nicht als Ausrede benutzen für Ausländerfeindlichkeit, Angst und antimuslimische Gefühle“, warnte sie. Die jemenitische Menschenrechtsaktivistin Tawakkol Karman, die den Preis 2011 für ihren friedlichen Kampf für Frauenrechte erhalten hat, erinnerte an das starke Engagement Frankreichs in der arabischen Welt. „Danke Frankreich für alles, was Du für Araber getan hast. Du warst einer der größte Unterstützer im arabischen Frühling“, sagte sie.

Übersicht über Attentate in Frankreich in der Vergangenheit

Mai 1978

Palästinensische Terroristen eröffnen am Flughafen Orly das Feuer auf Passagiere, die ein Flugzeug nach Tel Aviv besteigen wollen. Acht Menschen sterben, bei ihnen handelt es sich um drei Angreifer, zwei Polizisten und drei Passagiere. Drei weitere Passagiere werden verletzt.

Oktober 1980

Vor einer Synagoge in der Pariser Rue Copernic geht eine Bombe hoch - vier Menschen sterben, rund 20 weitere werden verletzt.

März 1982

Bei einem Anschlag auf einen Zug zwischen Toulouse und Paris werden fünf Menschen getötet und 77 verletzt. An Bord sollte ursprünglich der damalige Pariser Bürgermeister Jacques Chirac sein. Der Terrorist Carlos soll in den Anschlag verwickelt sein.

August 1982

Bei einem Anschlag auf das Restaurant "Goldenberg" im jüdischen Viertel von Paris werden sechs Menschen getötet und 22 verletzt. Bis heute ist nicht klar, wer für die Tat verantwortlich ist.

Juli 1983

Am Turkish-Airlines-Schalter am Flughafen Orly südlich von Paris explodiert ein Sprengsatz, wodurch acht Menschen getötet und 54 verletzt werden.

Dezember 1983

Zwei Menschen sterben und 34 werden verletzt, als eine Bombe am Bahnhof Saint Charles in Marseille explodiert. Nur wenige Minuten zuvor sterben bei einer Bombenexplosion in einem Hochgeschwindigkeitszug auf der Strecke Marseille-Paris drei Menschen. Zu beiden Anschlägen bekennt sich eine arabische Gruppe mit Verbindungen zu dem Terroristen Ilich Ramírez Sánchez, besser bekannt als Carlos.

September 1986

Vor einem Kaufhaus in Paris explodiert eine Bombe - sieben Menschen werden getötet und rund 55 weitere verletzt. Der Anschlag reiht sich in eine Serie von Attentaten eines proiranischen Terrornetzwerks in den Jahren 1985 und 1986 ein. Insgesamt sterben bei diesen Anschlägen 13 Menschen, mehr als 300 werden verletzt.

Juli 1995

In einem RER am Bahnhof Saint-Michel im Zentrum von Paris explodiert eine Bombe. Acht Menschen sterben, 119 werden verletzt. Der Anschlag wird algerischen Extremisten zugeschrieben. Es ist das blutigste Attentat einer Reihe von Anschlägen in diesem Sommer, bei denen insgesamt acht Menschen sterben und mehr als 200 verletzt werden.

Dezember 1996

Bei einem Anschlag auf einen Regionalzug (RER) in Paris sterben vier Menschen. Weitere 91 werden verletzt. Es gibt Ähnlichkeiten zu einer Anschlagsserie vom Sommer 1995.

März 2012

Der 23-jährige Mohammed Merah erschießt innerhalb von vier Tagen in Toulouse und Montauban drei Soldaten auf offener Straße. Wenige Tage später erschießt er drei Kinder und einen Lehrer einer jüdischen Schule in Toulouse. Am 22. März wird Merah von einer Spezialeinheit getötet.

Januar 2015

Drei Extremisten töten bei einer mehrere Tage dauernden Terrorwelle in Paris 17 Menschen, bevor sie selbst erschossen werden. Zunächst greifen zwei Brüder das Büro der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ an und erschießen zwölf Menschen. In den Tagen darauf tötet ein weiterer Extremist eine Polizistin und nimmt in einem koscheren Supermarkt Geiseln. Vier jüdische Kunden sterben.

Juni 2015

Ein wegen seiner Kontakte zur Salafisten-Szene bekannter Mann enthauptet seinen Chef und bringt den Kopf neben islamistischen Flaggen am Zaun eines Gaslagers nahe Lyon an. Anschließend bringt er auf dem Industriegelände mehrere Gasflaschen zur Explosion, bevor er von Feuerwehrleuten überwältigt wird.

August 2015

Ein schwerbewaffneter Mann eröffnet in einem Schnellzug von Amsterdam nach Paris das Feuer und verletzt zwei Menschen schwer. Der radikale Islamist wird von US-Soldaten überwältigt, die zufällig an Bord des Zuges sind.

Die Preisträger forderten wie schon am Vortag militärische Abrüstung und die Investitionen der so gesparten Ausgaben in Bildung, Gesundheit und Klimaschutz. Obwohl sich unter ihnen zahlreiche ehemalige Staats- und Regierungschefs befinden, wissen um den beschränkten Einfluss, den sie heute in den Fragen haben. „Wir Nobelpreisträger überschätzen den Einfluss unserer Worte nicht“, sagte am Tag vor den Attentaten bereits der ehemalige südafrikanische Regierungschef Frederik Willem de Klerk, der den Preis 1993 zusammen mit Nelson Mandela für die Abschaffung der Apartheid erhalten hat.

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