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13.10.2011

07:16 Uhr

Attentatspläne

USA starten diplomatische Offensive gegen Iran

Nach der Enthüllung angeblicher Attentatspläne iranischer Agenten in den USA kommt die diplomatische Offensive ins Rollen. Washington will den Mullah-Staat mit neuen Sanktionen bestrafen: Eine neue Konfrontation droht.

Nach den angeblichen Attentatsplänen wollen die USA den Iran weiter isolieren. dpa

Nach den angeblichen Attentatsplänen wollen die USA den Iran weiter isolieren.

WashingtonNach dem Bekanntwerden angeblicher Attentatspläne eines US-Bürgers mit Verbindungen in den Iran haben die USA einen neue diplomatische Offensive gegen den Mullah-Staat gestartet. US-Vizepräsident Joe Biden bezeichnete den angeblichen Versuch iranischer Agenten, den saudischen US-Botschafter in Washington zu ermorden, als "ungeheuerlich". US-Außenministerin Clinton verlangte, Iran müsse für seine offenkundigen Verletzungen von US-Gesetzen und des Völkerrechts zur Verantwortung gezogen werden. Der Vorfall belastet die ohnehin schwierigen Beziehungen von USA und Saudi-Arabien zur Regierung in Teheran und droht die Spannungen in der Region zu verschärfen.   

Um internationale Unterstützung für eine neue Initiative gegen Iran zu gewinnen, wollen die USA zunächst die Welt von der Richtigkeit der Anschuldigungen überzeugen. Das Außenministerium lud deshalb am Mittwoch mehr als 100 ausländische Diplomaten zu einem Treffen ein, bei dem die Vertreter über den Vorfall informiert wurden. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen stellte den Fall zusammen mit Ermittlern des US-Geheimdienstes CIA, der Bundespolizei FBI und des Außenministeriums bei den Mitgliedern des Uno-Sichereitsrats vor.

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Iranische Agenten wollten angeblich in Washington den saudischen Botschafter in die Luft sprengen - mit einem mexikanischen Drogenkartell. Der Fall gibt Einblick in die FBI-Arbeit und liest sich wie ein Agententhriller.

Der iranische Uno-Botschafter wies die Vorwürfe der USA als "große Lüge" zurück die keinen Sinn ergeben würde. Er warf den USA vor, ungerechtfertigt auf eine internationale Bestrafung Irans zu pochen für eine Tat, die das Land nicht begangen habe. Am Mittwoch hatte die Regierung in Washington bewusst auch eine militärische Reaktion nicht vom Tisch genommen und erließ neue Sanktionen gegen Teheran. Auch Saudi-Arabien verurteilte den Iran scharf. Washington erließ am Mittwoch Sanktionen gegen die kommerzielle iranische Fluglinie Mahan Air, sagte Carney. Die USA werfen der Fluggesellschaft vor, heimlich Mitglieder, Waffen und Finanzmittel der iranischen Republikanischen Garden transportiert zu haben.

Nach Erkenntnissen der US-Ermittler sollen „Elemente der iranischen Regierung“ einen Bombenanschlag auf den saudischen Botschafter in Washington geplant und finanziert haben. Carney sagte, dass hochrangige Mitglieder der Al-Kuds-Gruppe, eine Spezialeinheit der iranischen Revolutionsgarden, involviert gewesen seien. Auch Pläne für Bombenanschläge auf die saudische Botschaft in Washington und die israelische Botschaft in Argentinien habe es gegeben.

Der Iran wies die Vorwürfe als haltlos zurück. Der Parlamentspräsident Ali Laridschani bezichtigte die USA, eine künstliche Krise herbeiführen zu wollen. Außenminister Ali-Akbar Salehi sagte der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna, die Amerikaner wollten nur von zahlreichen eigenen Problemen ablenken.

Die US-Regierung hat hochrangigen Mitgliedern zufolge keine harten Beweise für Kenntnisse der obersten iranischen Führung von dem angeblichen Mordkomplott gegen den saudiarabischen Botschafter in Washington. Es sei „mehr als wahrscheinlich“, dass der geistliche Führer und die militärische Eliteeinheit Kuds von den Plänen gewusst hätten, sagten die Regierungsvertreter, die namentlich nicht genannt werden wollten, am Mittwoch.

Diese Schlussfolgerung gründe sich aber vor allem auf Analysen und das Wissen über Aufbau und Funktionsweise der Kuds-Truppe. Die Aktion sei sicherlich nicht abseits des Systems geplant worden. Andere Teile der zersplitterten iranischen Führung wie Präsident Mahmud Ahmadinedschad müssten aber „nicht zwangsläufig davon gewusst haben“, sagten sie weiter.   

Das angespannte Verhältnis zwischen USA und Iran

1979

Nach der Vertreibung des US-Verbündeten Schah Mohammed Reza Pahlavi ruft Ajatollah Khomeini die Islamische Republik Iran aus. Am 4. November besetzen Studenten die US-Botschaft in Teheran, nehmen 52 Amerikaner als Geiseln und fordern die Auslieferung des Schahs. Als Reaktion verhängt Washington Sanktionen gegen den Iran.

1980

Die Geiselnahme endet nach 444 Tagen. Ein Militäreinsatz zur Befreiung der Amerikaner war gescheitert. Im September greift Irak den Iran an. Im achtjährigen Golfkrieg beliefern die USA beide Länder mit Waffen und schlagen sich schließlich auf die Seite des Iraks.

1984

Nach Terroranschlägen auf US-Soldaten und die Botschaft im Libanon erklärt US-Präsident Ronald Reagan Irans Regime zum „Sponsor des internationalen Terrorismus“ und verschärft die Sanktionen.

1985-1986

In Geheimgesprächen verspricht Washington Teheran Waffenlieferungen, im Gegenzug sollen amerikanische Geiseln im Libanon befreit werden. Mit den Gewinnen finanzieren die USA Rebellen in Nicaragua. Der Iran-Contra-Skandal bringt die US-Regierung in Bedrängnis.

1988

Ein US-Kriegsschiff schießt einen iranischen Airbus über dem Golf ab, alle 290 Passagiere sterben.

1995

Wegen angeblicher Terrorunterstützung und dem Streben nach Massenvernichtungswaffen verhängt US-Präsident Bill Clinton ein umfassendes Handelsembargo gegen den Iran.

2001

Washington beschuldigt Teheran, direkt in einen Anschlag auf US-Soldaten in Saudi-Arabien verwickelt zu sein. Der US-Geheimdienst CIA bezichtigt den Iran, ein Atomwaffenprogramm zu verfolgen.

2002

Präsident George W. Bush bezeichnet den Iran, den Irak und Nordkorea als „Achse des Bösen“. Washington würde nicht tatenlos zusehen, wenn diese Länder versuchten, die USA mit Massenvernichtungswaffen zu bedrohen.

2004

Auf Drängen der EU verzichtet der Iran auf sein Programm zur Urananreicherung. Die USA bleiben misstrauisch.

2005

Die USA beschuldigen Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, Kopf der Geiselnahme von 1979 in Teheran gewesen zu sein.

2007

US-Behörden erklären, im Irak festgenommene Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden hätten sich aktiv am Krieg gegen US-Truppen beteiligt. Man habe zudem Beweise dafür, dass mit von Teheran gelieferten Waffen US-Soldaten im Irak getötet wurden.

2008

Der Iran droht für den Fall eines Angriffs auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen und testet bei einem Großmanöver Raketen. Im Persischen Golf gibt es mehrere Zwischenfälle von US-Schiffen mit iranischen Schnellbooten. Es fallen Warnschüsse.

2009

Iranische Militärs nehmen im Grenzgebiet zum Irak drei US- Touristen fest. Nach einer Verurteilung wegen Spionage zu acht Jahren Haft kommt der erste 2010 frei, die beiden anderen im September 2011.

2010

US-Präsident Barack Obama setzt im Streit um das iranische Atomprogramm neue umfangreiche Sanktionen gegen Teheran in Kraft.

2011

Im Oktober werfen die USA dem Iran ein Mordkomplott vor: Für das geplante Attentat an einem saudischen Diplomaten macht US-Justizminister Eric Holder den militärischen Arm der iranischen Revolutionsgarden, Al-Kuds, verantwortlich. Ende des Jahres verschärfen die USA ihre Sanktionen wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms. Im Dezember kündigt der Iran eine Reaktion auf die angebliche Verletzung seines Luftraums durch ein US-Aufklärungsflugzeug an. Am 4. Dezember vermeldet der Iran, die Armee habe in einer östlichen Provinz eine unbemannte Drohne des Typs RQ170 abgeschossen.

Medienberichten zufolge ist der verhaftete Tatverdächtige vor rund einem Jahr in den Iran gezogen. Die Frau des 56-Jährigen beteuerte in Interviews seine Unschuld: Auch wenn sie inzwischen getrennt von ihm lebe, könne sie sich beim besten Willen nicht vorstellen, „dass er zu so etwas fähig wäre“, sagte sie dem TV-Sender KVUE im texanischen Austin. Der Anklageschrift zufolge bekleidet ein Cousin des Verdächtigen einen hochrangigen Posten bei der Kuds-Truppe. Den Behörden zufolge hat der Angeklagte nach seiner Festnahme die Pläne unter Beisein von Ermittlungsbeamten mit einem Kuds-Verbindungsmann am Telefon diskutiert.   

Mehrere hochrangige Regierungsvertreter räumten ein, dass der angebliche Komplott ungewöhnlich schlecht organisiert worden sei. „Wir hätten erwartet, dass die Kuds-Truppe ihre Spuren effektiver verwischt“, sagte einer von ihnen. Ein anderer meinte, der Plan für einen gewaltsamen Angriff in den USA liege „sehr außerhalb des Musters“ jüngster Kuds-Aktionen.   

Ein Iran-Experte des Kongresses äußerte Zweifel an den angeblichen Plänen. „Ein Autoverkäufer aus Texas, der nicht wirklich selbst ein Kuds-Mitglied ist und seit vielen Jahren in den USA lebt - das passt nicht zusammen“, sagte Kenneth Katzman. „Es kann dazu einen gewissen Kontakt mit der Kuds gegeben haben, aber die Idee eines gezielten, voll durchdachten Plans, genehmigt von hohen Stellen der iranischen Führung, strapaziert die Gutgläubigkeit.“   

Von

rtr

Kommentare (18)

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SlingShot

13.10.2011, 07:39 Uhr

wie auch beim Irak Feldzug,Afghanistan und 911, wir werden den Amerikanern immer glauben!! Dazu sind wir verpflichtet!

Philipp

13.10.2011, 07:56 Uhr

"Die USA werfen der Fluggesellschaft vor, heimlich Mitglieder, Waffen und Finanzmittel der iranischen Republikanischen Garden transportiert zu haben.", ich muss sagen ich hab schon mehr gelacht, vielleicht sollten die Amis noch nach einem Tunnel suchen den die Iraner von Teheran bis nach Washington gegraben haben, für die anstehende Invasion.
Fast noch besser finde ich die Ausssage das der Iran offenkundig Völkerrecht verletzt und dafür zu Rechenschaft gezogen werden muss. Der Angriff auf den Irak und Afghanistan war natürlich kein Völkerrechtsbruch bzw. auch kein völliges ignorieren der Haager Landkriegsordnung.
Und unsere Trottelkaste von Politikern jubelt jetzt schon wieder. Naja was haben sie auch für eine Wahl...

Heribert

13.10.2011, 07:57 Uhr

Der wahre Terror geht von den USA aus !
Kein Land gibt mehr Geld für Krieg aus.
Zum kotzen....

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